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Abendkleid statt Kühlschrank

Ohne Zuckerguss: Stefanie Zweig liest in Bad Vilbel aus ihrem Buch "Nirgendwo in Afrika"

Von Jamal Tuschick

Einen Vergleich mit Doris Lessing wehrte sie ab. Stefanie Zweig, die nicht erst mit Nirgendwo in Afrika berühmt wurde, warf der Kollegin vor, in ihren Darstellungen schwarzer Afrikaner den Dargestellten nicht nahe genug zu kommen. Mit dieser Ansicht konfrontierte Stefanie Zweig das Publikum bei einer Lesung in der Bad Vilbeler Wasserburgruine.

Auch sonst zeigte sich die Autorin zu rigorosen Einschätzungen aufgelegt. Man erlebte eine entschlossen auftretende Dame, die umstandslos zur Sache kam. Die mit einem Oscar ausgezeichnete Verfilmung von Nirgendwo in Afrika gefällt ihr nicht besonders. Von diesem Film rührte aber das Interesse vieler Zuhörer. Sie wurden vom drastischen Tenor des 1995 veröffentlichten Romans überrascht. An dessen autobiografischen Gehalt ließ Stefanie Zweig keinen Zweifel. Seine Handlung ergibt sich aus der Not einer jüdischen Familie in Oberschlesien kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Vor dem Hintergrund bekannter Tatsachen entschließt sich das Ehepaar Redlich zur Auswanderung nach Kenia. Walter Redlich, Anwalt von Beruf, fährt seiner Familie mit dem Wunsch voraus, die Nachfolgenden in schon wieder gesicherten Verhältnissen empfangen zu können. Das misslingt total. Redlich bleibt nichts anderes übrig, als auf der abgelegenen Farm eines übellaunigen Engländers bloß für freie Kost und Logis anzuheuern. Für die bäurische Beschäftigung im kenianischen Hochland fehlen dem Städter alle Voraussetzungen.

Die Hilfe der eingesessenen jüdischen Gemeinde in Kenia ist nicht frei von Herablassung. Redlich reagiert darauf mit geringerer Empfindlichkeit als seine "verwöhnte" Frau, die mit der sechsjährigen Tochter nachkommt. Anstatt eines Kühlschranks, den zu kaufen ihr Gatte sie gebeten hatte, bringt Jettel ein Abendkleid mit. Die Ehe droht daran zu scheitern, dass es keine Gelegenheit gibt, es zu tragen. Der Lebenszuschnitt in der neuen Heimat ist primitiv bis zur Erbärmlichkeit. Allein die Tochter kann ihm eine romantisch-abenteuerliche Seite abgewinnen. Sie verkehrt mit den Einheimischen und lernt dabei Suaheli, eine Sprache, die Stefanie Zweig heute noch beherrscht.

Man erfuhr das nach der Lesung, so wie manches andere aus ihrer Zeit in Afrika. Wie stilbildend diese Jahre für die Autorin waren, offenbarte ihre Bestätigung einer Vermutung aus dem Publikum, sie habe die Landschaft ihrer Kindheit mit afrikanischen Augen gesehen und dafür eine übersetzende Lösung im Roman gefunden. Allerdings behauptete Stefanie Zweig, "niemals Kind gewesen zu sein". Die Umstände der Emigration hätten sie ohne Verzögerung zur Erwachsenen gemacht.

Stefanie Zweig sagte das ganz ungerührt, so wie sie sentimentalen Empfindungen grundsätzlich keinen Raum zu geben geneigt war. Sie setzte so einen beeindruckenden Kontrapunkt zur Rezeption ihres Werks, die von der Verfilmung verzuckert wird.

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