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Peter Sehr starb am 09. Mai.2013 im Alter von 61 Jahren in München an einer Krebserkrankung.

Nachruf Peter Sehr

Er liebte große Gesten

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Und widerlegte die gängigen Urteile über den Autorenfilm: Zum Tod des deutschen Filmregisseurs Peter Sehr.

Wie sehr Peter Sehr das Kino liebte, zeigt sich schon daran, was er dafür aufgab: Eine vielversprechende Karriere als Biophysiker mit Oxford-Abschluss, eine Stelle als Forscher am Pariser Curie-Institut. Das alles warf er hin, als er Regie-Assistent werden konnte. Bei Regisseuren wie Bernhard Sinkel, Claude Lelouch oder Carl Schenkel lernte er sein Handwerk auf die alte Schule – in der Praxis. Und es schreckte ihn auch wenig, dass es um den deutschen Autorenfilm Ende der 80er- Jahre nicht sehr gut bestellt war.

Man muss sich die Zeit vor Augen halten, als Peter Sehr 1990 „Das serbische Mädchen“ nach Siegfried Lenz drehte: Nur zwei deutsche Filme schafften es damals im eigenen Land an den Kinokassen unter die „Top 20“ – „Werner Beinhart“ und „Die Unendliche Geschichte II“. Derart allein auf weiter Flur wurde Sehr unwillkürlich zum Hoffnungsträger – und gleich für den Bundesfilmpreis nominiert. Sein nächster Film, „Kaspar Hauser“ reüssierte dann schon international.

Dennoch blieb Peter Sehr ein Einzelgänger, weil er eine Sorte von Filmen machte, die in Frankreich alltäglich sind, in Deutschland aber eher selten: Autorenfilme, die zugleich großes Kino sind. Zwar steht nirgendwo geschrieben, dass anspruchsvolle Filme klein und bescheiden aussehen sollen, populäre Filme hingegen groß und teuer. Aber nur wenigen Filmemachern gelingt es so wie Peter Sehr, sich gegen dieses Vorurteil zu behaupten. Doch auch diese Kompromisslosigkeit, die ihm großen Respekt einbrachte, hatte seinen Preis. Ganze vier Filme konnte Sehr nach „Kasper Hauser“ noch realisieren.

Internationaler Look

Das Liebesmelodram „Obsession“ von 1997 ist wohl der verwegenste davon: Heike Makatsch, Charles Berling und der damals noch wenig bekannte Daniel Craig markieren das amouröse Dreieck einer fast überwirklichen Romanze. Peter Sehr liebte die großen Gesten und Schauwerte. Für die Kameraarbeit bei „Obsession“ war ihm mit Peter Watkin („Jenseits von Afrika“) einer größten Bildzauberer Hollywoods gerade gut genug. Doch vielleicht war es wiederum sein internationaler Look, der es diesem aufwändigen Film schwer machte, in Deutschland ein Publikum zu finden.

International erfolgreicher war Sehrs Folgefilm, eine weitere dramatische Liebesgeschichte „Love the Hard Way“. Wieder konnte man mit Adrian Brody einen zukünftigen Weltstar in der Hauptrolle bewundern. Sieben Jahre dauerte es, bis sich Sehr, der sich in der Zwischenzeit als Filmhochschuldozent engagierte, mit dem spanischen Bürgerkriegsdrama „Die Frau des Anarchisten“ zurückmeldete. Fünf weitere Jahre vergingen, bis im vergangenen Jahr sein aufwändigstes Werk Premiere hatte: „Ludwig II“, eine gemeinsame Regiearbeit mit Sehrs Frau Marie Noëlle, erfüllte die hohen Erwartungen weder bei der Kritik noch beim breiten Publikum.

Gleichwohl stand auch dieser Film für die große Lust dieses Regisseurs am Kinomachen. In der Sympathie, die er dem Märchenkönig entgegenbrachte, verbarg sich das Bekenntnis zum Kompromisslos-Schwelgerischen, das Peter Sehrs Filmarbeit so oft ausgezeichnet hatte. Bereits am vergangenen Donnerstag starb er, wie am Sonntag bekannt wurde, 61-jährig in München an einer Krebserkrankung.

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