Zu sagen, Maximilian Schell sei mehr als ein großer Schauspieler gewesen, wäre tatsächlich immer noch eine Untertreibung.
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Zu sagen, Maximilian Schell sei mehr als ein großer Schauspieler gewesen, wäre tatsächlich immer noch eine Untertreibung.

Maximilian Schell ist tot

Der letzte Kosmopolit

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Ein Mann der Kultur ist von uns gegangen: Zum Tode des Schauspielers, Filmemachers, Oscar-Gewinners, Kulturvermittlers und Kosmopoliten Maximilian Schell.

Ein Mann der Kultur ist von uns gegangen: Zum Tode des Schauspielers, Filmemachers, Oscar-Gewinners, Kulturvermittlers und Kosmopoliten Maximilian Schell.

"Ich habe eigentlich gar keinen Beruf“, sagte Maximilian Schell einmal. „Ich wandere durch das Leben und durch alle Bereiche der Kunst.“

Zu sagen, Schell sei mehr als ein großer Schauspieler gewesen, wäre tatsächlich immer noch eine Untertreibung. Der gebürtige Wiener, der nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland in der Schweiz aufgewachsen war, hatte in Zürich Philosophie und Kunstgeschichte studiert.

Auch als weltbekannter Schauspieler, Opern- und Filmregisseur blieb er den Kulturwissenschaften treu, lehrte an der University of California in Los Angeles und vermittelte auf mitreißende Weise das Werk des abstrakten Malers Josef Albers, das er – neben Arbeiten von Paul Klee oder Mark Rothko – sammelte. Albers’ Meisterschaft in der Farbkomposition verglich er gern mit jenem nur scheinbar unbedeutenden Sekundenbruchteil, der einen Goldmedaillengewinner von dem Bronzegewinner unterscheide.

Die Stimme war sein Markenzeichen

Vielleicht kann man so auch den kaum messbaren Mehrwert erklären, mit dem er selbst auch unscheinbaren Filmrollen eine besondere Würde verleihen konnte. Seine einnehmende Stimme, mit der er sich auch in Hollywoodfilmen meist selbst synchronisierte, war sein Markenzeichen. Sie verlieh ihm eine Aura, die Schell mit Bedacht einzusetzen wusste.

Ein Mann der Kultur, wie man ihn sich nur vorstellen kann, fand er stets einen Weg, die Aufmerksamkeit, die ihm sein Ruhm eingebracht hatte, den Lichtschein seiner Aura, auch auf andere fallen zu lassen. In seinem unkonventionellen und stilbildenden Dokumentarfilm „Marlene“ erlaubte er auch der porträtierten Marlene Dietrich, einmal ganz Stimme zu sein. Im Jahre 1984 hatte sich der Star bereits aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Maximilian Schell respektierte diese Lebensentscheidung, fügte sich in die Rolle des einfühlsamen und dabei doch immer hellwachen Zuhörers und zeichnete ein höchst mitteilsames Bild der Diva aus kunstvollen Stillleben ihrer Wohnung.

Schell, der Tabubrecher

Auch seiner Schwester Maria widmete er 2002 ein liebevolles, wenngleich umstrittenes Filmporträt: Mit der Thematisierung ihrer Altersdemenz brach Schell ein Tabu – wies aber der künftigen Vermittlung dieser noch weithin verdrängten Krankheit einen wichtigen Weg.

Wie der auf ähnliche Art charismatische Orson Welles gehörte Maximilian Schell zur ausgestorbenen Art der Kosmopoliten. Und wenn er mit seiner Kunst ein humanitäres Ziel verfolgen konnte, nutzte er die Chance gerne – wie etwa als Rezitator der Dankesrede Vaclav Havels, der 1989 nicht ausreisen durfte, um den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in Frankfurt entgegenzunehmen.

Dazu passt auch seine wohl berühmteste Filmrolle, die ihm 1962 den Oscar eintrug: In Stanley Kramers Gerichtsdrama „Das Urteil von Nürnberg“ spielte er den deutschen Verteidiger Hans Rolfe.
Geboren 1930 als Sohn des Schweizer Schriftstellers Hermann Ferdinand Schell und der österreichischen Schauspielerin Margarethe Noé, gab Maximilian Schell 1952 in Basel sein Theaterdebüt, parallel dazu studierte er auch noch Klavier. 1959 wechselte er an die Münchner Kammerspiele und folgte noch im selben Jahr einem Ruf von Gustav Gründgens nach Hamburg.

Taufpate von Angelina Jolie

Seine erste wichtige Hollywoodrolle spielte er 1958 neben Marlon Brando im Kriegsfilm „Die jungen Löwen“. Ausstattungsfilme wie das Gaunerstück „Topkapi“ machten ihn schließlich zum bekanntesten deutschsprachigen Filmstar seit Emil Jannings. Zu seinen populärsten Regiearbeiten zählt „Der Richter und sein Henker“ mit Jon Voight. Im Entstehungsjahr des Films, 1975, machte Voight seinen Regisseur zum Taufpaten seiner Tochter – heute bekannt als Angelina Jolie.

In der Nacht zum Samstag ist Maximilian Schell 83-jährig an einer plötzlichen Erkrankung in Innsbruck gestorben.

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