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Eine junge Frau betrachtet in der einstigen Desinfektionskammer des KZ Buchenwald in Weimar die Kopie einer Vitrine aus dem Arbeitszimmer von Friedrich Schiller (27.06.2008).

Ausstellung in Buchenwald

KZ-Häftlinge kopierten Schiller-Möbel

Eine von Häftlingen gefertigte Kopie des Schreibtisches von Friedrich Schiller ist in der ehemaligen Desinfektion des früheren Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar zu sehen.

Weimar (dpa) - Eine von Häftlingen gefertigte Kopie des Schreibtisches von Friedrich Schiller ist seit Freitag in der ehemaligen Desinfektion des früheren Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar zu sehen. Die Klassik Stiftung hatte der KZ-Gedenkstätte fünf Möbel als Dauerleihgabe übergeben, die 1942/1943 Lagerinsassen nach Schillers Möbeln anfertigen mussten.

Bis zum 31. Juli sind auch die Nachbauten von Tafelklavier, Dichterstuhl und zwei Vitrinenschränken aus dem Dichterhaus zu sehen. Die Originale wurden von den Nationalsozialisten als "bedeutende Kulturdenkmäler" geschützt und vor Bombenangriffen sicher eingelagert. Im Schiller- Museum waren damals die Kopien zu sehen, um den "Durchhaltewillen der Bevölkerung" trotz der Bombenangriffe über Deutschland zu stärken.

Die von den KZ-Häftlingen nachgebauten Möbel des deutschen Klassikers stehen als ein Symbol für die Doppelgesichtigkeit Weimars: als Hort des Humanismus und Ort faschistischer Barbarei. "Kopien von wichtigen Kunstgegenständen anzufertigen, war nicht ungewöhnlich, das eigentlich Wichtige und Interessante ist der Ort: Buchenwald", sagte Gert-Dieter Ulferts, Leiter der Abteilung Kunstsammlungen der Klassik Stiftung. "Deshalb sind die Stücke dort am besten aufgehoben." Die Stiftung hätte nur eingeschränkte Möglichkeiten, diese besondere Verquickung zu zeigen. Unmittelbar nach Kriegsende 1945 wurden die Kopien auf dem Dachboden des Weimarer Rathauses gelagert, 1953 übernahm sie die Vorgängerinstitution der Klassik Stiftung.

Die Möbel mit Obstholzfurnieren sind nach Angaben Ulferts Dutzendware gewesen. Sie repräsentierten somit auch die kargen Lebensumstände des Dichters, der 1805 starb. "Die Kopien sind keine ausgefeilten 1:1 Kopien", sagte Ulferts. Zum Beispiel wurden die Schubladen des Schreibtisches nicht bis ins Detail ausgearbeitet. "Die Besucher sollten durchaus wissen, dass es nicht das Original ist." Darauf wies eine Tafel am Arbeits- und Sterbezimmer des Dichters hin.

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