1. Startseite
  2. Kultur

Kunsthalle statt DDR-Hotel

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Das heutige Hotel Mercure in Potsdam war ein klassisch schlichtes DDR-Hochhaus, das von 1966 bis 1969 gebaut und von der Interhotel-Kette betrieben wurde.
Das heutige Hotel Mercure in Potsdam war ein klassisch schlichtes DDR-Hochhaus, das von 1966 bis 1969 gebaut und von der Interhotel-Kette betrieben wurde. © dpa

Multimilliardär Hasso Plattner will einen guten Teil seines Privatvermögens in eine neue Kunsthalle in Potsdam investieren. Am liebsten dort, wo derzeit ein Hotel-Hochhaus aus DDR-Zeiten steht - dessen Abriss längst überfällig ist, meint unser Autor.

Von Nikolaus Bernau

Seit Jahren wird um den Bau einer Kunsthalle in Potsdam gerungen. Nun will der Multimilliardär Hasso Plattner zwischen 20 und 40?Millionen Euro seines Geldes in einen solchen Bau investieren. Aber Potsdam streitet über den Ort: Jungfernsee, Bahnhofsviertel oder Lustgarten, neben dem entstehenden Nachbau des Stadtschlosses, anstelle des 1969 eröffneten Turmhotels Mercure. Das müsste abgerissen werden. Montagabend plädierten dafür 1000 Menschen, eine Großdemonstration, gemessen an der Opposition von etwa 20 Freunden dieses DDR-Baus.

In der Debatte ziehen zwei Fraktionen an einem Strang: Der Kunstsammler Hasso Plattner und die Kunstszene Potsdams wollen eine Kunsthalle; der Ort dafür ist ihnen eher egal. Die andere Gruppe, nennen wir sie die Jauch-Joop-Crew, will vor allem das idealisierte Potsdam aus der Zeit vor 1945 wiederherstellen – angetrieben von einem kraftvollen Vorurteil gegen moderne Architektur allgemein und DDR-Architektur insbesondere. Aus ihrer Sicht stört das Mercure-Hotel den vollen ästhetischen Genuss der übrigens ebenfalls von Plattner finanzierten Stadtschlossfassaden.

Stolzes DDR-Hotel

1969 wurde das Hotel nach den Plänen des Architekten Sepp Weber fertiggestellt. Die DDR war stolz, hier auf 17 Etagen internationalen Standard bieten zu können, Karlheinz Böhm, sogar Zsa Zsa Gabor genossen ihn. Dennoch: An diesem Hochhaus nun die Frage nach der Bedeutung des DDR-Erbes für das gesamtdeutsche Gedächtnis festzumachen, erscheint einen Tick übertrieben. Das hier ist nicht der Palast der Republik, nicht der Dresdner Kulturpalast oder die Lange Straße in Rostock.

Es ist ein sicher ordentliches Gebäude, aber seine städtebauliche Begründung als Zentrum der sozialistisch-ausgeweiteten Plätze hat es nach dem Bau des Landtagsschlosses verloren. Auch als Denkmal des DDR-Designs ist der Bau nach diversen Veränderungen kaum noch zu gebrauchen.

Es wäre also nur konsequent, nun die Chance der Spendenwilligkeit Plattners, des auslaufenden Hotelbetriebsvertrags und der Verkaufswilligkeit des Investors Blackstone zu nutzen, um sich auch des Turms zu entlegen.

Eine dramatische neue Architektur?

Wenn, ja wenn die offenen Fragen geklärt sind: Soll es sich wirklich um eine debattenoffene Kunsthalle oder ein Privatmuseum des Sammlers Plattner handeln? Wird dieser wirklich alle Kosten übernehmen, auch die für Kuratoren und Putzfrauen? Auf alle Zeit?

Und vor allem: Ist Potsdam bereit, hier eine dramatische neue Architektur zu akzeptieren, wie sie eine Kunsthalle bräuchte? Oder soll es nur eine vorsichtige Kiste werden – die könnte man auch an anderer Stelle bauen und das Hotel stehen lassen.

Auch interessant

Kommentare