Roland März

Kenner und Hüter der DDR-Kunst

  • vonIngeborg Ruthe
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Zum Tod des Museumsmanns Roland März, der 81 Jahre alt wurde.

Es ist wohl nicht übertrieben, zu sagen, dass der große und bedeutende ostdeutsche Malerei-Anteil der Neuen Nationalgalerie Berlin die Handschrift von Roland März trägt. Der Kunsthistoriker und Museumsmann Roland März, bis 2004 Kustos der Neuen Nationalgalerie, war Kenner und Hüter jener Bilder, die nach 1990 zu einer Sammlung wurden. Mit viel Geschick hatte er zu DDR-Zeit die Ankaufspolitik der Nationalgalerie Ost gelenkt und für Vielfalt, Qualität und intellektuellen Diskurs gesorgt. Und so gelangten durch sein Wirken Gemälde in die Sammlung, deren Malerinnen und Maler nicht zu den staatlichen Vorzeigkünstlern gehörten, heute aber ihren wichtigen Platz in er deutschen Kunstgeschichte haben, so etwa Harald Metzkes.

Diese Arbeit war immer auch begleitet von so kenntnisreichen wie unterhaltsamen Publikationen. So erforschte März das Lebenswerk John Heartfields und offenbarte in seinen Texten ein geradezu dadaistisches Kunsthistoriker-Naturell.

März, 1939 in Leipzig geboren, hatte an der Humboldt-Universität Berlin studiert und kuratierte, neben den beliebten Studio-Ausstellungen zur modernen Kunst, spektakuläre Expositionen mit kunsthistorischer Geltung. Mitte der siebziger Jahre gelang ihm mit „Realismus und Sachlichkeit“ die Wiederentdeckung von Malern wie Otto Dix und Zeitgenossen. Zum Ereignis mit großer Ausstrahlung in die ganze Welt, gerade in die USA, wurde 1986 die fulminante Schau „Expressionismus - Die Avantgarde in Deutschland 1905–1920“. Deren Katalog zählt seitdem zu den kunstwissenschaftlichen Standardwerken zum Expressionismus und März’ Texte, etwa über Ernst-Ludwig Kirchner und den „Potsdamer Platz“, zu den Kostbarkeiten.

2003 breitete März, mit seinem Kollegen Eugen Blume, in „Utopie und Realität“ das Who is Who der ostdeutschen Malerei aus. In einem Text zu dieser Bilderschau schrieb der Kurator damals diese bemerkenswerten Sätze: „In Gründerzeiten zeichnen sich Kunstwerke immer durch ein unheimliches Interesse an Stoffen vergangener Zeiten aus. Die DDR, 1949 mit der Utopie vom ‚Neuen Menschen‘ in einer sozialistischen und kommunistischen Gesellschaft angetreten, berief sich dabei auf revolutionäre Traditionen, um damit ihren Gesellschafts- und Herrschaftsanspruch zu begründen. In chiliastischer Staatsglorifikation vollzog sie dabei die Angleichung an gescheiterte wie siegreiche Revolutionen, weil man selbst keine hatte.“

Roland März ist, wie jetzt bekannt wurde, am 15. September in Berlin gestorben. Bis zuletzt hat er sich intensiv mit dem Lebenswerk des Bauhausmeisters und Malers Lyonel Feininger befasst.

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