Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Otto Dix, „Köpfe“, um 1923. Foto: Städel Museum Frankfurt
+
Otto Dix, „Köpfe“, um 1923.

Frankfurt

„Zeichen der Freundschaft“ im Städel Museum

  • Sandra Danicke
    VonSandra Danicke
    schließen

Intime Bilder aus dem geschenkten Nachlass von Ulrike Crespo im Städel Museum Frankfurt.

Mit Geschenken ist es normalerweise nicht so einfach. Schließlich sagt man dem Schenkenden in der Regel nicht, wenn einem etwas nicht gefällt. Man bedankt sich artig und versteckt die geschmacklose Vase oder das hässliche Hemd hinten im Schrank oder im Keller. Bei den Geschenken, die Ulrike Crespo dem Frankfurter Städel Museum in Frankfurt gemacht hat, verhielt es sich allerdings ganz anders.

Philipp Demandt, Direktor des Museums, wurde vorher von der inzwischen gestorbenen Fotografin und Mäzenin gefragt, welche Werke aus ihrer Sammlung denn ins Städel passten. Alle, die auf der Liste stehen, fand Demandt nach einer gewissen Bedenkzeit. Und so kam es, dass das Haus mehr als 90 Werke aus dem Nachlass Crespos erhielt. Die Namen der Künstler, die darin vertreten sind, sind weltberühmt, es handelt sich um die internationalen Stars der Moderne, von Wassily Kandinsky über Cy Twombly oder Franz Marc bis hin zu Oscar Schlemmer.

Zu sehen sind jetzt 44 dieser Werke, bei denen es sich im Wesentlichen um Arbeiten auf Papier handelt, in der Ausstellung „Zeichen der Freundschaft“, ergänzt durch Bilder der hauseigenen Sammlung, die demonstrieren, wie gut beides zusammenpasst. Die vorhandenen und die hinzugekommenen Werke beziehen sich aufeinander, ergänzen, bereichern einander. Mit den Neuzugängen kann das Städel auch Lücken schließen, die durch Beschlagnahmungen im Rahmen der Aktion „entartete Kunst“ 1937 entstanden waren.

Was gleich deutlich wird in der Ausstellung, ist das Verbindende in diesen Bildern: Sie wirken unglaublich intim. Das liegt am kleinen Format und auch ein wenig an der bei empfindlichen Zeichnungen üblichen Präsentation in gedämpftem Licht, doch nicht nur.

Es scheint gar nicht so, als seien diese Arbeiten für Museen angefertigt worden (obwohl sie ohne Zweifel museumswürdig sind), eher als hätten die Künstlerinnen und Künstler diese Zeichnungen, Aquarelle, Drucke für jemanden gemacht, den sie gut kannten. In einigen Fällen ist es wohl tatsächlich so gewesen. Vieles wirkt zart, luftig, verspielt und experimentell. Man kann sich fast jedes dieser Exponate gut über dem eigenen Esstisch, im eigenen Wohnzimmer vorstellen.

Tatsächlich hing das Blatt, auf dem Otto Dix um 1923 dicht gedrängte Köpfe gemalt hat, bei Ulrike Crespo über dem Esstisch. Ein Blatt von Gustav Klimt wiederum, das eine Frau beim Masturbieren zeigt, hing dem Vernehmen nach im Schlafzimmer. Logisch.

László Moholy-Nagy, „Graue Überschneidungen“, 1930.

Die Bilder wurden übrigens einst von Crespos Großvater Karl Ströher zusammengetragen. Der Unternehmer hatte zunächst nur Werke der deutschen Romantik erworben (auch das Romantikmuseum erhält übrigens ein Konvolut aus Crespos Nachlass). Nach dem Zweiten Weltkrieg wandte sich Ströher jedoch der Klassischen Moderne zu. Außerdem sammelte er die Kunst seiner Zeitgenossen - Joseph Beuys, Willi Baumeister und die US-amerikanische Pop-Art. Ein Großteil der letzteren bildet den Grundstock der Sammlung des Frankfurter Museums für Moderne Kunst. Auch das MMK wurde übrigens von Ulrike Crespo mit einer unlängst präsentierten Schenkung zeitgenössischer Arbeiten bedacht.

In der Ausstellung gibt es zwei sehr eigenwillige Arbeiten - schließlich sind Pop-Art-Künstler ja eher für das große Format bekannt. „Burroughs Adder“ heißt ein Aqurarell, das Claes Oldenburg 1965 zu Papier gebracht hat. Es zeigt eine Additionsmaschine der Firma Burroughs. Ein Bild von Tom Wesselmann zeigt ein Paar Damenfüße mit rot lackierten Nägeln vor knallig blauem Hintergrund.

Gegliedert ist die Ausstellung thematisch. Es beginnt mit den Bauhauskünstlern der ersten Stunde, darunter Lehrer wie Lyonel Feininger, Paul Klee, Johannes Itten oder László Moholy-Nagy. Zu sehen sind lebendig strukturierte Kompositionen: ein „Tannenwald“ von Klee, „Graue Überlappungen“ von Moholy-Nagy, raffinierte Staffelungen von Oskar Schlemmer, die sich erst auf den zweiten Blick als Damenköpfe zu erkennen geben. Besonders wertvoll ist ein Blatt, mit dem Schlemmer seine berühmte „Bauhaustreppe“ (1931) vorbereitet hat.

Landschaft und Figur werden von den Bauhauskünstlern mal zeichenhaft angedeutet, dann wieder kubistisch zerlegt oder geometrisch konstruiert. Interessanterweise waren Zeichnungen von Schlemmer und Moholy-Nagy bisher noch gar nicht in der Sammlung des Städels vertreten - allenfalls als Leihgaben wurden sie hier mal gezeigt.

In der nächsten Abteilung geht es um die verschiedenen Wege in die Abstraktion. Nennen muss man hier etwa die lyrisch anmutenden Blätter von Kandinsky oder - ganz anders - die Werke der Brückekünstler Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Emil Nolde, Blätter, die noch heute eigentümlich zeitgemäß anmuten, zumindest einige.

Allerdings gibt es in der Nachlass-Präsentation auch eine Reihe herausragender Einzelwerke: Ein berührenders Kleinformat von Paula Modersohn-Becker zum Beispiel, eine ziemlich wild anmutende Bleistiftzeichnung von Alberto Giacometti oder Max Ernsts surrealistisches Gemälde „Grätenwald“ von 1927, in dem der Künstler offenbar mit dem Zufall experimentiert hat. Eine gewisse Ähnlichkeit erkennt man in der Heransgehensweise von Art-Brut-Künstler Jean Dubuffet, der Sand und Gips mit dem Spachtel zu schrundigen Bildflächen verarbeitet hat, um anschließend dort hinein zu ritzen. Besonders eigenwillig mutet ein Werk an, dessen Oberfläche aus braun bemaltem Papiermaché besteht, und das an klumpigen Lehmboden erinnert.

An Dubuffet schließt eine Gruppe mit Werken der Nachkriegsmoderne an. Der Sammler kaufte damals gerne bei Künstlern, die er persönlich kannte. Willi Baumeister war mit Karl Ströher gut bekannt und begleitete ihn sogar auf Reisen. Baumeister war es auch, der den Kontakt zu Fernand Léger und zur Witwe von Oscar Schlemmer hergestellt hatte. Zur Werkgruppe gehören außerdem Arbeiten von Julius Bissier und Fritz Winter, die die Auseinandersetzung mit dem sprachlich nicht Fassbaren in der Kunst verbindet.

Städel Museum Frankfurt: bis 6. März. www.staedelmuseum.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare