Raubkunst

Wunsch nach Besonnenheit

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Wissenschaftler begrüßen die Empfehlung einer weitgehend bedingungslosen Rückgabe von geraubten Kunstwerken.

In einem pointierten Vortrag richtete die französische Kunsthistorikerin Benédicte Savoy kürzlich einen Appell an ihre jungen Fachkollegen. Sie wünsche sich und ihrer Zunft einen angstfreien Umgang mit den Fragen der Restitution von Kunstwerken aus kolonialem Kontext. Dabei war es gerade der von ihr und ihrem senegalesischen Kollegen Felwine Sarr verfasste Bericht an den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der zuletzt viele in der Museumspolitik erschreckt haben dürfte. Savoys und Sarrs Empfehlung einer weitgehend bedingungslosen Rückgabe von geraubten Kunstwerken an die Herkunftsländer hat einen Paradigmenwechsel in der Diskussion über kulturelles Erbe und Kolonialismus eingeleitet, deren Konturen langsam sichtbar werden.

„Was wir jetzt brauchen“ ist ein Aufruf von rund 80 Wissenschaftlern in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ überschrieben, in dem Sarrs und Savoys Vorschläge ausdrücklich begrüßt werden. Gleichzeitig drückt sich in dem Papier aber auch der Wunsch nach mehr Besonnenheit in der Diskussion aus. „Wir unterstützen die Forderung nach Restitutionen. Und doch: So wichtig die Frage nach Rückgabe auch ist und so sehr historisches Erinnern immer auch die Fragen von Schuld und Gerechtigkeit, Moral und Unrecht zu tun hat, so wenig darf vergessen werden, dass die Objekte noch viel tiefer gehende Geschichten erzählen.“ In einem den Aufruf flankierenden Text erläutern die Historikerinnen Ulrike Lindner und Rebekka Habermas, was mit dieser etwas unscharfen Formulierung gemeint sein könnte. „Reduziert man nämlich koloniale Vergangenheit auf die Frage der Restitution, wird die Suggestion erzeugt, man brauche nur Schuld einzugestehen und Geraubtes zurückgeben, und schon sei dieses Kapitel europäischer Geschichte ungeschehen gemacht.“ Rückgabe als einseitige Entlastung gewissermaßen in der Hoffnung, Kolonialismus und Postkolonialismus auf einen Schlag loszuwerden.

Die Wissenschaftler fordern zusätzliche Forschungsmittel, größere Bildungsanstrengungen und die Errichtung einer zentralen Einrichtung, in der die neuen Erkenntnisse gebündelt werden. Der hehre Wunsch zielt auf eine neue Erzählung über Kolonialisierer und Kolonialisierte. Rückgabe wäre dann der Anfang eines neuen Austauschs.

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