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Viktoria Binschtok: Coats & Couples, aus der Serie: World of Details.
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Viktoria Binschtok: Coats & Couples, aus der Serie: World of Details.

„Chips vs. Chemie“ in der DZ Bank

Wolken aus Pixeln

  • Judith Köneke
    VonJudith Köneke
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Im Art Foyer der DZ Bank Frankfurt setzen sich zwölf Künstler auf ganz unterschiedliche Weise mit der Digitalisierung auseinander.

Ein Blick in den Himmel: Wolken vor blauem Grund, zerfasertes Weiß mischt sich mit Rosa und Grau. Zwei schöne Fotografien, oder gar Gemälde? Aber Moment mal, es muss mehr hinter diesem Bilderpaar stecken. Denn schließlich heißt die Ausstellung der Kunstsammlung der DZ Bank Frankfurt „Chips vs. Chemie“. Rund 60 Arbeiten von zwölf internationalen Künstlern beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit der Digitalisierung.

Tritt man näher vor eines der Wolken-Diptychen des Künstlers Adrian Sauer, so lässt sich eine gewisse Grobkörnigkeit erkennen. Seine Werke sind aus Bits und Bites generiert, um genau zu sein: aus 16.777.216 Pixeln. Und jedes von ihnen kommt nur ein einziges Mal im Bild vor. Der Künstler entwickelte dafür eigens ein Computerprogramm. Beim noch genaueren Hinsehen fällt auf, dass es sich bei beiden Bildern um die gleichen Wolkenformationen handelt. Das Programm kehrt die Farbigkeit jedes einzelnen Pixels um. Jedem bearbeiteten Bild stellt der Künstler eine Inversion gegenüber. Allerdings wird hier kein Negativ erzeugt, sondern die Farben bleiben wirklichkeitsgetreu. Das helle Blau des Himmels ist auf dem anderen Bild etwa eher cremefarben.

Die Ausstellung, die noch bis Anfang Dezember im Art Foyer der Bank zu sehen ist, verfolgt vor allem drei Stränge. Einerseits die Ängste der Menschen vor einer Entfremdung, bilderzeugende Computerprogramme, die unsere ästhetische Wahrnehmung vermutlich verändern werden, sowie die Verfügbarkeit von Bildern im Internet.

Viktoria Binschtoks Serie „World of Details“ hat sich letzteren Aspekts angenommen und erforscht die Verwandtschaft zwischen fotografischen Bildern. Auf kleinen schwarz-weißen Ausdrucken scheinen Menschen die Betrachter anzuschauen, daneben hängen große farbige Fotos. Auf den ersten Blick lässt sich der Zusammenhang nicht erschließen. Bei längerem Studieren wird deutlich, dass sie an der gleichen Stelle aufgenommen wurden, aber aus einem anderen Blickwinkel.

So stehen auf dem einen Abzug zwei Menschen vor einer Wand, die sich aus vielen Rechtecken zusammensetzt, hängen auf dem anderen zwei Pelzmäntel an Kleiderhaken an der gleichen Wand, die knall-gelb und blau ist, wie man nun erkennen kann. Binschtok spazierte mit Google Streetview durch New York, dabei fielen ihr immer wieder Menschen auf, die direkt in die Kamera guckten. Einige der Bilder wählte sie aus und reiste dann genau an diese Orte und fotografierte sie selbst.

So wie Binschtoks Serie aus dem Jahre 2011, stammen die meisten Werke der Ausstellung aus den 2010er Jahren. Dabei haben sich Künstler natürlich schon viel länger mit Digitalisierung befasst. Das älteste Bild der Ausstellung, Astrid Kleins „Gedankenchips“ von 1983, verdeutlichte schon damals die Bedrohung durch eine Übermacht neuer Technologien. In den 90er Jahren verwendeten Künstler wie Andreas Gursky und Beate Gütschow Computer, um Fotografien zu bearbeiten.

Heute noch viel mehr als damals setzen sich Künstler kritisch mit der Allgegenwart von Computern und dem Internet auseinander. Sei es mit der Kommunikationsstruktur von Facebook, wie Sven Johne bei seiner Foto-Text-Arbeit, der Verfügbarkeit von Pornofilmen – oder der Computersucht.

In einem abgegrenzten und abgedunkelten Raum hängen große, fast schwarze Porträts von Jugendlichen. Mit Headset ausgestattet, schauen sie wohl konzentriert auf einen Bildschirm, dessen Licht sich auf ihren Gesichtern widerspiegelt.

Joscha Steffens dreiteilige Installation „Teen Spirit Island“ führt den Betrachter in die Welt der Computerspiele. Steffens hat einige junge Spieler über einen längeren Zeitraum zu Wettbewerben auf der ganzen Welt begleitet. „Teen Spirit Island“ ist auch der Name einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, in der Jugendliche therapiert werden, die computersüchtig sind.

Den Porträts ist ein Bildschirm gegenübergestellt, auf dem eine Computermaus in unterschiedliche Farben getaucht umhergleitet. Geführt wird sie von den Händen der jungen Spieler. Immer wieder klicken Finger, unzählige Male, bei minimaler Bewegung. Oder ist es vielleicht umgekehrt – und die Maus führt die Hand?

Art Foyer in der DZ Bank Frankfurt: bis 3. Dezember.

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