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Wiederauferstehung einer Toten

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Von: Ingeborg Ruthe

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Arbeiten von Bernar Venet in der „Kunsthalle Berlin“.
Arbeiten von Bernar Venet in der „Kunsthalle Berlin“. © dpa

Da ist sie wieder die „Berliner Kunsthalle“, aber die Kunstszene der Stadt zeigt sich entrüstet.

Es scheint so, als zeige der 2010 erschienene Bestseller „Empört Euch!“ des Franzosen Stéphane Hessel derzeit sehr spezielle, kunstpolitische Wirkung. In Paris wie in Berlin sind die Kunstszenen auf Krawall gebürstet; sie fühlen sich übergangen, ausgetrickst, getäuscht.

Im Arm-aber-sexy-Berlin wächst in der vieltausendköpfigen, oft prekär lebenden Künstlerschaft die Entrüstung darüber, dass die gut betuchte Bonner Stiftung für Kunst und Kultur e.V. unter dem umtriebigen Manager Walter Smerling im einstigen Flughafen Tempelhof urplötzlich die private „Kunsthalle Berlin“ betreibt. Der Titel wird als Anmaßung empfunden, denn Berlins Künstlerinnen und Künstlern hat man gleich nach der Wiedervereinigung aus Geldmangel einen solchen Ausstellungsort für die regionale Kunst weggenommen, derweil Galerien und Museen sich eilig international aufstellten.

Kunsthalle Berlin – das ist seitdem ein Reizbegriff. Deshalb rufen Berliner Künstlerinnen und Künstler zum Boykott des Projekts auf, nennen die Wiederauferstehung einer Toten an diesem doch für Berliner Verhältnisse unbezahlbaren Ort „ein zynisches, neoliberales Vehikel“, das den Privatgeschmack der Sponsoren und des Kurators Smerling bediene. Auch der Berufsverband der Berliner Künstler (BBK) reagiert sauer. Zur Premiere kriegt den Unmut der ausstellende, an der Situation unschuldige französische Bildhauer Bernar Venet ab. Und das Team um Smerling, das glaubte, Berlin Gutes zu tun, ist wegen der brüsken Ablehnung beleidigt.

Wutentbrannter noch reagiert die Pariser Künstlerschaft auf das Ende der Kunstmesse Fiac. Nach 50 Jahren wird ihr brutal der Garaus gemacht. An ihrer Stelle hält von 2024 an – nach der Sanierung des Grand Palais – die Art Basel alljährlich Hof in den Heiligen Hallen. Die Strippen für den Millionen-Deal hat der in Berlin (wir erinnern uns an das Volksbühnen-Desaster) schmählich gescheiterte Kunstmanager Chris Dercon, seit 2018 Direktor des Grand Palais, gezogen.

Es heißt, Dercon habe sich den Art-Basel-Coup von Präsident Emmanuel Macron absegnen lassen. Getreu dem Gesetz des Stärkeren und Reicheren entschied die französische Nationalmuseumsverwaltung sich für den als Geldmaschine bekannten Schweizer Ableger. Dem obliegt dann die einzige große Pariser Kunstmesse. Geld regiert die Welt.

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