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Das geschredderte Bild: Ein Banksy-Kunstwerk hat sich nach der Versteigerung selbst zerstört.

Banksy

Und der Wert ist noch gestiegen

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Graffiti-Künstler Banksy hat zerstört und wieder einmal auf sich aufmerksam gemacht.

Der Schmuddelecke des Illegalen war er längst entkommen. Zu den Fans des Londoner Spray-Künstlers Banksy zählen Hollywood-Berühmtheiten wie Angelina Jolie und Brad Pitt, seine Zeichnungen kosteten schon vor einem Jahrzehnt Hunderttausende, neuerdings überschreiten seine Kunstwerke die Millionengrenze.

So war es am Freitag bei Sotheby’s in London: Da erzielte „Girl with Balloon“ (Mädchen mit Ballon), eines der berühmtesten Banksy-Werke, den schönen Preis von 1,04 Millionen Pfund (1,18 Millionen Euro). Doch kaum war der Hammer gefallen, ertönte ein Warnsignal – und vor den Augen der versammelten Auktionsbesucher verschwand die Hälfte des Blattes in einem Schredder, der im unteren Rand des gewichtigen Goldrahmens verborgen war.

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„Going, going, gone“, kommentierte Banksy, im Zivilleben wohl ein in Bristol geborener Engländer namens Robin Gunningham, auf seinem Instagram-Account. Das stellte ein Wortspiel dar: Einerseits lautet so die englische Auktionsformel, andererseits heißt gone auch „weg“. Ein Video zeigt einen Maskierten beim Einbau eines Schredders in den Rahmen. „Der Drang zu zerstören ist auch ein kreativer Drang“, lautete dazu Banksys Kommentar.

Damit hätte sich der in London lebende Graffiti-Maler in eine lange Reihe ähnlicher Aktionskünstler eingereiht. „Das war ein Stunt, und Sotheby’s war einbezogen“, glaubt jedenfalls der Londoner Kunsthändler René Gimpel. Für wertvolle Kunstwerke fertige das Auktionshaus routinemäßig einen sorgfältigen Zustandsbericht an. „Sotheby’s hat gute Leute, die hätten schon gemerkt, dass da etwas nicht stimmt.“

Tatsächlich blieb Sotheby’s zweideutig, was die eigene Rolle angeht. „Offenbar sind wir gebanksyd worden“, teilte Abteilungsleiter Alex Branczik mit. In gewisser Weise sei der Wert des Kunstwerkes durch die weltweit wahrgenommene Aktion sogar noch gestiegen. Das wäre in jedermanns Interesse.

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Banksy jedenfalls war schon immer für spektakuläre Aktionen gut. Der Künstler und seine Helfer haben über die Jahre sorgfältig die Aura des Geheimnisvollen gepflegt. Journalisten wurden auf vergebliche Schnitzeljagden durch London geschickt, den Eröffnungen seiner Events blieb der Sprayer stets fern. Dazu gehörte eine Ausstellung in seiner Heimatstadt Bristol, für die Interessierte bis zu sechs Stunden anstehen mussten. „Zum ersten Mal wurde das Geld der Steuerzahler dafür verwendet, meine Bilder aufzuhängen anstatt sie wegzukratzen“, kommentierte er stolz. Zuvor hatte Bristol nämlich seinen derzeit berühmtesten Sohn ganz anders behandelt. Zur Lachnummer wurde die westenglische Großstadt, als städtische Bedienstete ein Werk des Nacht-Malers übermalten. Kunstsachverständige warfen der Stadtverwaltung damals vor, sie hätte umgerechnet rund 112 000 Euro für den echten Banksy bekommen können. Geldverschwendung wiegt im merkantilen England allemal schwerer als der Vorwurf des Kunstbanausentums.

Wenn denn die Schredderei als Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft und ihrem aus allen Nähten platzenden Kunstmarkt gemeint war, würde die Aktion an die in einem Freizeitpark im westenglischen Weston-super-Mare anknüpfen. Dort war 2015 „Dismaland“ zu sehen, ein Wortspiel aus Disneyland und dem Adjektiv dismal, zu Deutsch: erbärmlich, bedrückend.

Produziert hat Banksy auch schon eine Spray-Bild, das Menschen bei einer Kunstauktion zeigt. Versteigert wird ein Slogan: „Ich kann nicht glauben, dass ihr Idioten diesen Unsinn wirklich kauft.“ Das Kunstwerk kam unter den Hammer, natürlich bei Sotheby’s.

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