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Wurst? Wurm? „Genius Loci“ von Theo Triantafyllidis. Foto: Theo Triantafyllidis
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Wurst? Wurm? „Genius Loci“ von Theo Triantafyllidis.

War da was?

  • Sandra Danicke
    VonSandra Danicke
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Die erste AugmentedReality Biennale in Düsseldorf beschäftigt sich mit den Ausdrucksformen der digitalen Kunst. Das ist spaßig, aber leider auch völlig harmlos

Blaue Blasen fliegen durch die Luft. Da oben, da hinten, auf dem Kopf, auf der Brust, im Gesicht. Man spürt sie nicht. Man sieht sie nicht mal. Und doch sind sie nachher ganz deutlich auf einem Foto abgebildet. Da war was. War da was? Und wie ist es mit diesem komischen Wurmwesen mit der langen spitzen Nase und den lustigen Augen? Es schwebt oben am Himmel - zumindest wenn man ihn durch ein Tablet oder ein Smartphone betrachtet. Zauberei? Es handelt sich um Augmented Reality, erweiterte Realität, also etwas, das nur im virtuellen Raum existiert. Man kennt das von Fußballübertragungen, wenn mithilfe eines Kreises oder einer Linie Entfernungen bei Freistößen eingeblendet werden.

Man spart Transportkosten

Dass sich Kunst mittlerweile auch dort abspielt, wo man sie nicht anfassen kann, ist fast schon wieder ein alter Hut, NFTs, Non-Fungible Tokens, also nicht ersetzbare, digital geschützte Objekte, bringen mittlerweile Millionen ein, Museen stellen statt konkreter Werke immer häufiger VR-Brillen zur Verfügung, und das hat Vorteile. Man spart sich als Sammler und Institution Lagerräume und Transportkosten; die Umwelt wird geschont. Dass das Werk nur auf dem Bildschirm existiert, könnte man vermutlich philosophisch ausdifferenzieren (Gibt es die Kunst auch dann noch, wenn man den Bildschirm ausschaltet?). Oder man hält diese Gattung für eine charmante Spielerei.

Die erste AR-Biennale des Düsseldorfer NRW-Forums ist genau das: eine staunenswerte, wenngleich völlig harmlose Spielerei. Insgesamt 19 internationale Künstlerinnen und Künstler zeigen digitale Skulpturen im öffentlichen Raum, genauer: im Ehrenhof und im Hofgarten.

Wie das geht? Man lädt eine App herunter und sucht nach bestimmten Schildern am Wegrand. Dort scannt man einen Code - und sieht plötzlich kleine Elfen Ballett tanzen, auf Mauern, auf Büschen - man weiß vorher nie ganz genau, wo sie auftauchen werden. Das ist nett, aber auch ziemlich belanglos. Die anderen Werke sind größer (wobei es natürlich fraglich ist, ob man hier von „größer“ sprechen kann). Manche erscheinen regelrecht riesig. Jetzt ist es allerdings ungünstig, wenn man alleine unterwegs ist. Der Spaß ist ja der: Man stellt sich dahin, wo man das Kunstwerk vermutet, wird von seiner Begleitung nach links oder hinten dirigiert, macht einen passenden Gesichtsausdruck, eine bestimmte Geste - und wird fotografiert. Auf dem Foto wirkt es dann so, als interagiere man mit der Skulptur. Das ist natürlich lustig, wenn man zum Beispiel so tut, als hebe man eine gigantische Edelstahlbohne in die Luft, und sicher sorgt ein solches Foto auf Instagram für zahlreiche Herzchen. Aber von Kunst darf man etwas mehr erwarten, und da wird es hier leider dünn.

Es gibt Werke, die dazu einladen, dass man sich auf eine Bank setzt, um mit Gleichgesinnten über ein bestimmtes Thema zu sprechen. „Dieser Platz ist für Menschen, die jemanden vermissen“, steht dann zum Beispiel virtuell davor. Gut gemeint, bloß sitzt da keiner.

Es gibt Werke, die handeln von Sehnsucht oder Schwertkämpfen. Man bewegt sich viel, doch bewegt ist man nicht. Offenbar geht es bei dieser Biennale vor allem darum, zu demonstrieren, was technisch machbar ist. Und das ist anscheinend gar nicht so viel, mehr als ein „Huch“ entfährt einem jedenfalls nicht.

Die eingangs erwähnten blauen Blasen, immerhin, verweisen auf die Luftqualität vor Ort: Je stärker sie sich bewegen, desto höher ist die Verschmutzung, heißt es. Eine Information, die nicht wirklich weiterhilft. Wie viel Bewegung tolerierbar wäre, erfährt man nicht.

NRW Forum, Düsseldorf: bis 21. Februar 2022. www.nrw-forum.de

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