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Vatikanische Museen

Wächterin über mehr als 100.000 Kunstobjekte

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Barbara Jatta leitet seit einem Jahr die Vatikanischen Museen. Und hat vor allem mit den Besuchermassen zu kämpfen.

Der Papst war immer noch nicht da. Ein Jahr nach ihrem Amtsantritt als erste Frau an der Spitze der Vatikanischen Museen hat Barbara Jattas oberster Dienstherr den päpstlichen Kunstsammlungen noch keinen Besuch abgestattet. Sie hofft, dass Franziskus, der sie persönlich ernannt hatte, doch bald einmal vorbeischaut. Aber als Direktorin eines der größten Museen der Welt hat sie auch andere Sorgen. Jatta hat 1000 Mitarbeiter, muss sich um mehr als 100 000 Kunstobjekte, 1400 Räume in 14 Museen und die Sixtinische Kapelle kümmern. Sie wird gern als mächtigste Frau im Vatikan bezeichnet. Auch weil die Museen mit 100 Millionen Euro jährlich dem Kirchenstaat einen beträchtlichen Teil seiner Einnahmen sichern.

„Es ist wirklich sehr viel Arbeit“, erzählte Barbara Jatta, eine 55 Jahre alte italienische Kunsthistorikerin und Mutter von drei Kindern, jetzt vor Journalisten in Rom. Von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends sei sie täglich im Dienst. Eine der drängendsten Fragen ist die, wie die stetig anschwellenden Besuchermassen am geschicktesten auf den sieben Kilometer langen Ausstellungs-Parcours verteilt werden können. 2016 kamen sechs Millionen Menschen in die Vatikanischen Museen, 2017 waren es vermutlich noch mehr. Die meisten von ihnen wollen vor allem eines: Die berühmte Sixtina mit dem „Jüngsten Gericht“ Michelangelos sehen.

Zu Spitzenzeiten werden an nur einem Tag bis zu 30.000 Besucher durchgeschleust. Deren Ausdünstungen, Haare und der Staub, den sie hereinschleppen, setzen den Fresken zu. Sie habe zusätzliches Putzpersonal eingestellt, sagt Jatta, um die Sixtina ständig reinigen zu lassen. Einen Numerus Clausus, eine Besuchsbeschränkung, wie ihn ihr Vorgänger Antonio Paolucci erwogen hatte, lehnt sie ab. „Die Vatikanischen Museen zeigen nicht nur Kunst, sondern zeugen auch vom Reichtum des Glaubens in den Jahrhunderten.“ Da könne man niemandem den Zutritt verwehren. 

Die Wärter sind stattdessen angehalten, Besucher in weniger besuchte Museumsteile umzulenken. Das Aufsichtspersonal soll aufgestockt werden, um stets alle Räume und Galerien öffnen zu können. Außerdem ist ein zweiter Eingang zu den Museen geplant, damit sich die langen Warteschlangen verkürzen. Jattas Tipp: Man solle am Mittwochmorgen kommen, wenn der Papst auf dem Petersplatz seine Generalaudienzen hält. Oder spätabends.

Und wie sieht sie selbst ihre Position als hochrangige Frau im Vatikan? Sicher habe der Papst mit ihrer Ernennung ein Signal der Veränderung geben wollen, sagt Jatta. „Ich wünsche mir aber, wegen meiner Professionalität ausgewählt worden zu sein.“ Als sie vor zwanzig Jahren als Leiterin des Druckgrafik-Kabinetts anfing, seien die Vatikanischen Museen noch sehr männlich geprägt gewesen. Doch das habe sich gewandelt. „Ich habe mich nie diskriminiert gefühlt“, versichert Barbara Jatta. Ihr Arbeitsumfeld empfindet sie auf keinen Fall als rückständig. „Es gibt im Vatikan eine große Kultur und Aufmerksamkeit für gesellschaftliche Neuerungen, es wird nach vorn geblickt.“

Neue Akzente sind auch bei den Ausstellungsprojekten zu erwarten. Für 2019 beispielsweise plant Jatta eine Andy-Warhol-Schau im Vatikan. Gespräche mit dem Warhol-Museum Pittsburgh gibt es bereits. Der amerikanische Pop-Art-Künstler (siehe nebenstehenden Artikel) war Katholik und malte Mitte der 80er Jahre nicht zuletzt mehr als 100 Bilder, die von Leonardo da Vincis „Abendmahl“ inspiriert waren. Eine Ausstellung über den „mystischen Warhol“ halte sie für eine wunderbare Idee, sagt Barbara Jatta. 

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