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Hubert Koch, Becher und Vase, 1977–78, Glas. Franziska Krieck, Museum Angewandte Kunst.
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Hubert Koch, Becher und Vase, 1977–78, Glas. Franziska Krieck, Museum Angewandte Kunst.

Museum Angewandte Kunst

Von Spinnwebtellern und Gefäßkörpern

  • Sandra Danicke
    VonSandra Danicke
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„Kunsthandwerk ist Kaktus“ - eine faszinierende Schau im Museum Angewandte Kunst.

Verführerischer Glanz, vollkommenes Rund. Zarte Linien, schleierhafte Schlieren. Tiefes Lila, kräftiges Grün. Glitzernde Einschlüsse, Sprenkel in tausend Formen. Gleich zu Beginn der Ausstellung „Kunsthandwerk ist Kaktus“ ist man von Eindrücken gefesselt. Dabei steht da bloß ein Tisch voller Schalen. Was diese Schalen so faszinierend macht, ist, dass sie tatsächlich einfach so dastehen – ohne schützendes Glas, ohne Abstand. Man kann ihnen nahe kommen, sie aus mehreren Richtungen betrachten, und bekommt so eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie sie sich anfühlen. Das gilt beachtlicherweise für einen großen Teil der immerhin 700 Objekte aus der eigenen Sammlung, die das Museum Angewandte Kunst derzeit präsentiert.

Was zu sehen ist, gleicht einem Rundumschlag. Die Objekte sind nach Materialien sortiert. Innerhalb dieser Kategorien gibt es Chronologien. Präsentiert werden Objekte aus der Zeit seit 1945. Ebenfalls außergewöhnlich: Die genauen Angaben befinden sich nicht an den Objekten selbst, sondern auf Plakaten an der Wand. Man kann also erstmal einfach nur schauen. Erst dann, wenn man zum Beispiel wissen will, was es mit dieser porös anmutenden Schale auf sich hat, sucht man nach Nummer J005 und erfährt, dass es sich um perforiertes Biskuit-Porzellan handelt, das 2003 in Dresden hergestellt wurde. Ein beuliges weißes Objekt mit schwarzen Oberflächenrissen wiederum gibt sich als „Gefäßkörper“ aus schwarzem Ton zu erkennen, der weiß „engobiert“, also mit einer speziellen Beschichtung versehen wurde.

Faszinierend ist vor allem die Bandbreite dessen, was zur Dekoration und zum Gebrauch kreiert wurde. Da ist man hin und wieder perplex. Etwa wenn man den bunten Keramik-Arm im Regal liegen sieht, der aussieht, als habe man ihn jemandem abgehackt. Was man alles mit Keramik (oder den anderen Werkstoffen) machen kann, kann man an den jeweiligen Regalen nachlesen. In diesem Fall ist das neben modellieren und brennen auch facettieren, intarsieren, glasieren, eindrehen und manches mehr. Bei Metall geht außer schmieden, löten und gießen auch löten, punzieren, ziselieren. Man lernt also allerhand.

Besteck aus Armierung

Es ist natürlich keineswegs so, dass die Gegenstände alle begehrenswert erscheinen. Ein plump anmutendes Wollkleid aus den Achtzigern würden vermutlich die wenigsten unter uns gerne besitzen, geschweige denn anziehen. Und ob man seine Snacks gerne von Tellern mit Spinnweb-ornament essen möchte, wie es Exponate aus den Fünfzigern suggerieren, ist auch dahingestellt. Man staunt aber schon, was alles erfunden wurde und auch darüber, was gestalterisch möglich ist. Zum Beispiel Besteck aus Armierungseisen. Und natürlich zeigt die Schau, wie sich die Vorlieben im Laufe der Jahrzehnte gewandelt haben.

Bleibt die Frage nach dem Titel. Ein Kaktus ist in der Ausstellung tatsächlich nicht zu sehen. Der Kaktus dient den Kuratorinnen Sabine Runde und Eva Linhart als Metapher. Dafür, dass diese Kunstdisziplin ein „diffuses Image“ hat, dass Sinn und Zweck des Kunsthandwerks bisweilen schwer zu greifen sind (wo beginnt das Handwerk, wo die Kunst und was hat das alles mit Design zu tun?). Der Kaktus ist, nebenbei bemerkt, nicht nur eine exotische Zierpflanze, sondern auch vielseitig verwendbar: Als Gemüse, Futterpflanze, Heilmittel und sogar als Baustoff.

Museum Angewandte Kunst, Frankfurt: Bis 27. März. www.museumangewandtekunst.de

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