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Erhard Göpel und Mathilde "Quappi" Beckmann in der Kunsthalle Basel, 1956.

Max-Beckmann-Ausstellung

Das Vermächtnis

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Postum geschenkt: Die Staatlichen Museen zu Berlin zeigen jetzt die Kollektion von Max-Beckmann-Bildern aus der Sammlung Göpel.

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.“ Und große Geschenke? Die können ambivalent sein, machen mitunter Probleme. Man nehme nur die (derzeit im Berliner Ausstellungshaus Martin-Gropius-Bau thematisierte) Bilderschenkung des verstorbenen Cornelius Gurlitt (Schwabinger Kunstfund von 2013), des unglückseligen Sohnes von Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt an das Berner Kunstmuseum. Eine Task Force und hernach namhafte Kunstforscher waren und sind bis heute beschäftigt mit den Fragen der Provenienz.

Die unlängst von Barbara Göpel (1922-2017), Kunsthistorikerin und Beckmann-Sammler-Witwe, so reich beschenkten Staatlichen Museen zu Berlin haben es sehr ernst genommen. Man hat den Hintergrund der Gemälde, der 42 Zeichnungen – das Kupferstichkabinett besaß bislang lediglich sechs Beckmann-Zeichnungen – und 52 Druckgrafiken überprüft. Jeglicher Verdacht, es könne sich gar um NS-Raubkunst handeln, scheint momentan ausgeräumt. Kein spektakulärer Fall also, der gemeldet werden müsste. Dabei war der 1966 verstorbene Kunsthändler Erhard Göpel auch einer jener Männer, die seinerzeit für das berüchtigte Führer-Museum Linz wie Trüffelsucher gerade im von der Wehrmacht besetzten Holland unterwegs waren.

Mit Max Beckmann, geboren 1884 in Leipzig, gestorben 1950 im – nach Amsterdam – zweiten Exil in New York, aber verband den Wahlmünchner Göpel nicht nur die Leipziger Herkunft, sondern nachweislich auch eine enge Freundschaft. So zwiespältig das auch erscheinen mag – der Händler bewunderte den von Hitler & Co meistgehassten Maler. 

Göpel sammelte privat vor allem die Papierarbeiten des Verfemten und nutzte die Kunsttransporte des Sonderauftrags, um heimlich Beckmanns Bilder von dessen Fluchtort Amsterdam nach München zu dessen Galeristen Franke zu schaffen. Durch Verkäufe konnte so zumindest Beckmanns Existenz finanziell gesichert werden. Und vieles kaufte Göpel, nach 1945 Lektor beim Prestel Verlag, selber, versteckte die Blätter und Bilder bei sich zu Hause vor der Feme. 

Er veröffentlichte nach dem Krieg die Monographien „Max Beckmann der Zeichner“ (1954) und „Max Beckmann in seinen späten Jahren“ (1955), gab im selben Jahr Beckmanns Tagebücher (1940-1950) heraus und schrieb Aufsätze. 1953 war Göpel Mitbegründer der Beckmann-Gesellschaft, war beteiligt am Katalog der Gemälde, den seine Witwe 1976 mit der Beckmann-Gesellschaft 1976 herausbrachte.

Ihr Vermächtnis nun bestand in der Schenkung an Nationalgalerie und Kupferstichkabinett. Beckmanns schwermütiges „Selbstbildnis in der Bar“ von 1942 etwa füllt eine schmerzhafte Lücke im Bestand der Nationalgalerie. Das Bild ersetzt, was die Berliner Sammlung 1937 durch die NS-Aktion „Entartete Kunst“ verlor: Beckmanns weltbürger-haftes „Selbstbildnis im Smoking“ von 1927. Die düstere Bar-Szene ist Melancholie pur. Schwarz die Konturen, dunkel die Verschattung der Augen, tief die Augenringe, ungesund gefleckt die Haut, die Hand wie ratlos an der Wange, der Arm schwer aufgestützt. Selbst die unvermeidliche Zigarre glüht nicht mehr. Und links, welch eine Exil-Metapher, das eiserne Ziergitter. 

Aber gerade dieses „Ersatzbildnis“ ist eine Wiedergutmachung durch Barbara Göpel. Offensiv, ohne äußeren Druck, nur ihrem Gewissen folgend, hatte sie sich durch die Freundschaft mit dem Berliner Museumsmann Eugen Blume entschlossen, die Sammlung ihres widersprüchlichen Ehemannes zu schenken. Einzige Auflage: Es solle in Berlin eine Ausstellung geben, die die ganze Geschichte erzählt, die NS-Verstrickung Göpels sowie dessen andere Seite: Er konnte durch seine Beziehungen 90 jüdische Restauratoren und Rahmenmacher vor der Deportation bewahren. 

Beckmanns Zeichnungen, auch das „Bildnis Erhard Göpel“ von 1944 in Öl, gemalt in Amsterdam, belegen eine gewisse Nähe und auch Vertrautheit. Der pyknische Händler im dunkelblauen Maßanzug wurde von Beckmann keineswegs als Nazi-Lakai dargestellt, indes auch wenig schmeichelhaft – mit spärlichem Haar, verfettetem Kinn und unförmigen Händen wie Pranken. 

 Göpel hatte erlesen gesammelt. Das wird jetzt in der großen Sonderausstellungshalle des Kulturforums angesichts der chronologischen Kapitel von Beckmanns Jugendarbeiten bis zu denen des Amsterdamer Exils deutlich. Die Rötelzeichnung „Mein Arm“, 1900, ist gleichsam eine Hommage des 16-jährigen Beckmann an Dürer anno 1500. Die Epidermis, die Adern sehen aus wie gefaltetes Pergament.

Zeichnerische, grafische Szenen von Musterung und Fronteinsatz ab 1914 haben eine fast religiöse, zugleich schneidend schmerzerfüllte Ecce Homo-Ästhetik. Porträts von Gattin Quappi sind lebensbejahend und sinnlich. Und viele exzellente Kaltnadelradierungen verraten den Einsatz eines harten Diamanten statt der üblichen Metallnadel. Berlin erbte soeben einen Kunstschatz aus dunkler deutscher Geschichte.

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