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Vergessene Brösel, verwirrende Schönheit

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Von: Sandra Danicke

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Blick in die „Filiale“, die sich auf junge künstlerische Positionen konzentrieren will.
Blick in die „Filiale“, die sich auf junge künstlerische Positionen konzentrieren will. © Galerie Grässlin

Ein neuer Ort für Positionen junger Kunst: Die Frankfurter Galerie Grässlin eröffnet eine „Filiale“ und zeigt dort zunächst Arbeiten von Marin Kähler.

Schleifspuren, Brösel, Flecken von staubigen Fingern – einige Werke von Martin Kähler sind als solche nicht leicht zu erkennen. Genau genommen wäre wohl gar nichts davon als Kunst identifizierbar, befände es sich nicht in einem Ausstellungsraum; so ist es ja oft.

Kähler, dessen Arbeiten derzeit in der neu eröffneten Galerie „Filiale“ in Frankfurt zu sehen sind, findet sein Material auf Baustellen. Er nimmt mit, was so herum liegt, Reste, die keiner mehr braucht. Werkstoffe aus Metall oder Kunststoff, verbogen und für den bestimmungsgemäßen Gebrauch verhunzt. Wobei nie so ganz klar ist, wie genau Kähler, der bis vor Kurzem bei Tobias Rehberger an der Frankfurter Städelschule studiert hat, die Sachen vorgefunden, wie stark er sie letztlich im Atelier oder am Ausstellungsort verändert hat.

In der „Filiale“, die eine Dependance der Galerie Grässlin ist, in der Marina Rüdiger und Klaus Webelholz zusammen mit Bärbel Grässlin junge künstlerische Positionen zeigen, wirkt manches beiläufig abgestellt, liegengelassen, vergessen. Vieles aber auch nicht, zum Beispiel, wenn ein mit Gips und dunkelroten sowie grünlich-braunen Pigmenten versehenes Drahtgitter wie ein Bild an der Wand hängt. Einige solcher Bilder sind von verwirrender Schönheit: Ein Fladen Gips, auf dem sich die Spuren einer Plastikfolie eingeprägt haben und aus dem diverse Kupferdrähte ragen, wirkt wie ein Vogel im Flug. Ein weiteres flaches Objekt aus den gleichen Materialien, erinnert an einen Rahmen, der sich aus lässig geworfenen Mikadostäben zufällig ergeben hat.

Stets hat man den Eindruck, Martin Kähler (Jahrgang 1987) habe mit seinen Arbeiten einen Augenblick, eine flüchtige Konstellation festgehalten, die schon im nächsten Moment verschwunden sein könnte.

Auch die Objekte, die der Deutschitaliener auf dem Boden arrangiert hat, wirken erstaunlich fragil, und tatsächlich sei ein Arrangement aus blauen Metallregalsegmenten, einem glänzenden Kupferrohr und einer gebogenen Kupferblechplatte bei der Eröffnung aufgrund der Besucherdichte diverse Male auseinandergefallen, erzählt Marina Rüdiger, denn die Teile sind nicht verschraubt oder verklebt, sondern ausbalanciert. Die weißen Fußspuren, die das Profil von Arbeitsschuhen aufweisen, seien jedoch schon vorher Bestandteil der Arbeit gewesen.

Kunst für diesen Raum

Zahlreiche Werke beziehen sich direkt auf den Raum, etwa das verbogene Alugestänge, das Kähler auf einem silbernen Treppengeländer arretiert hat, das ins Kellergeschoss führt. Oder ein zartrosafarbenes bröseliges Objekt, das direkt unter der verglasten Decke hängt. Übrigens sind auch die Aufhängungen aus benutztem Baumaterial, meist handelt es sich um verrostete dicke Nägel oder Haken.

„Ridotto al Massimo“, so der Titel der Ausstellung, bedeutet „reduziert auf das Maximum“, möglichst wenige Mittel und eine möglichst große Wirkung also.

Filiale, Frankfurt, Stiftstraße 9: bis 11. Februar, samstags 11-15 Uhr und montags bis freitags 10-18 Uhr auf Abruf unter Telefon 069/299 246 70.

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