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"Einsamer Läufer" von Laci Perényi, aufgenommen 2005 bei der Leichtathletik-WM in Helsinki.
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"Einsamer Läufer" von Laci Perényi, aufgenommen 2005 bei der Leichtathletik-WM in Helsinki.

Sportfotografie

Über der Latte

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Im Sport zählen nicht nur Punkte und Sekunden: Das zeigt die Open-Air-Ausstellung "In Bewegung/in motion" eindrücklich. Bilder zwischen Wiedergabe spektakulärer Bewegung und ambitionierter Kunst.

In Schwarzweiß aufgenommene Sportlerkörper erinnern, beabsichtigt oder nicht, an Bildkompositionen von Leni Riefenstahl. Ihr Blick für geformte Muskeln verwies auf die Formbarkeit des Menschen. Stillgestellte Dynamik im Dienst höherer Mächte.

Die amerikanische Fotografin Annie Leibovitz ist souverän genug, die Nähe zu Riefenstahls Ästhetik zu suchen und sich beschwingt darüber hinwegzusetzen. Ihre Aufnahme des Hoch- springers Charles Austin, Olympiasieger von 1996, zeigt den Athleten beim Flirt mit dem Göttlichen.

Über der Sprunglatte hat sich der Körper Austins wie zum Gebet geöffnet. Den Kampfrichtern oder dem Schicksal hingegeben, fällt er zurück auf die im Bild nicht sichtbare Matte. Ein Schwebender, auf dessen Muskelsträngen sich pulsierende Adern abzeichnen. Waren die Athleten Riefenstahls idealisiert und entsexualisiert, so weist selbst die Rückenansicht Austins, wie Leibovitz sie sieht, Emotion und Leidenschaft auf.

"In Bewegung/in motion" ist der Titel einer Ausstellung unter freiem Himmel, die noch bis zum Ende der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin auf dem Boulevard Unter den Linden gezeigt wird. Es sind Höhepunkte der Sportfotografie, die den Wettkampf jenseits der Siegerehrungen als ein Theater der Leidenschaft inszenieren. Helden die stürzen und zusammenbrechen oder bloß ein besonderes Schattenspiel zwischen Sonne und Laufbahn ergeben.

Die Ausstellung zeigt die ganze Spannweite der Fotografie zwischen der ehrgeizigen Wiedergabe spektakulärer Bewegung und ambitionierter Kunst. Herb Ritts 1987 entstandene Laufstudie der Jackie Joyner-Kersee öffnet über die klassische Körperabbildung hinaus den Blick für Individualisierungstrategien, denen insbesondere der Sport Rechnung zu tragen in der Lage ist. Eine Individualisierung, die übrigens auch in der Entwicklung der Wettkampftechniken sichtbar wird. Während die deutsche Mehrkämpferin Heide Rosendahl sich im alten Hochsprungstil des Straddle über die Latte kämpfte, erspürt die Generation der Fosbury-Springer eine ganz neue Körpererfahrung.

Die Studien lassen sich bei den bevorstehenden Wettkämpfen fortsetzen. Während sich die junge Olympiasiegerin Ulrike Meyfarth 1972 für ihre Körpergröße zu schämen schien, feiern sich groß gewachsene Athletinnen wie Ariane Friedrich und ihre Konkurrentin Blanca Vlasic im vollen Bewusstsein ihrer sexuellen Attraktivität. Im Sport zählen nicht nur Punkte und Sekunden.

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