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Erik Schmidt Downtown

Stillleben mit Schlafsack

Occupy ist für die Medien nur noch eine Randerscheinung. Nicht so für Erik Schmidt. Seine Gemäldeserie „Downtown“ ist jetzt im Haus am Waldsee zu sehen.

Von Irmgard Berner

Über ein Jahr ist es her, dass junge Kapitalismuskritiker sich ans pulsierende Herz des New Yorker Bankenzentrum legten, in Zelten und Schlafsäcken, mit Mülltüten, Transparenten. Der Zuccotti-Platz an der Wall Street wurde zum Großlager einer Protestbewegung, von Demos und Besetzungsaktionen gegen soziale Ungleichheiten und Spekulationsgeschäfte von Banken. Occupy war in aller Munde.

Zur selben Zeit war auch der Maler und Videoperformer Erik Schmidt aus Berlin nach New York gereist. Kurz entschlossen mischte er sich unter die Besetzer und machte sich sein eigenes Bild von der Bewegung. Um Occupy ist es still geworden, New York stand im Präsidenten-Wahlkampf, kämpft mit den Folgen des zerstörerischen Wirbelsturms, fürchtet gar einen nächsten. Occupy ist für die Medien nur noch eine Randerscheinung.

Nicht so für Erik Schmidt. Er hat seine Impressionen ins Zentrum der Gemälde-Serie „Downtown“ gestellt und auf drei Monitoren in eine Art Video-Triptychon gefasst, die nun im Haus am Waldsee ein Gesamtbild ausbreiten. Ihm gelingt das Kunststück, die Happenings, das Erlebte und Gesehene in zeitlose und doch zeitspezifische, lebhaft bewegte Genre-Bilder zu transformieren. In den Ölgemälden nähert er sich damit der Gattung der Historienmalerei an. Bemerkenswert ist Schmidts Maltechnik: Ölfarbmassen ziehen in großen pastosen Pinselstrichen über die Leinwand, fleckig verdichten sich die Farben zu Alltagsszenen, zu einem malerischen, des für viele New Yorker so provokanten Nichtstun und Herumlungern der Occupy-Belagerer.

„Wall Street is our street“ ist einer ihrer Slogans, der auf einem Stück Pappe zu erkennen ist. Das fast ungemischte Blau, Weiß und Grün dominieren den Ausstellungsraum. Breite Pinselstriche, lose und locker nebeneinandergesetzt, fügen sich erst aus der Entfernung zu großformatigen Detailaufnahmen aus Schlafsackfaltenwürfen, Rucksackbergen, Mülltütenhaufen, Luftmatratzen und hellblauen Plastikflaschen. Eine Gitarre, eine orange Jacke, Utensilien, die das Stilleben dieser Freiluftcamps im Bankenviertel farblich pointieren.

Was bei flüchtigem Hinschauen wie ein Lichtfleck erscheint, entpuppt sich mehrmals als das Gesicht eines Schlafenden, Liegenden, Demonstrierenden. Fernblick mit Nahsicht und distanziertes Abscannen eines lebendigen Bildes – hier ohne Inszenierung. Schmidt ist ein Beobachter, vornehmlich nimmt er symbolische Prozesse aus unseren gesellschaftlichen Subsystemen in Augenschein. Auf den drei Monitoren, die auf dem Fußboden stehen, sieht man den Künstler selbst, mal im Schlafsack liegend, mal im Schneidersitz auf der Straße lagernd – nachgestellte Occupy. Erik Schmidt setzt, als Maler und in Videos, die kapitalismuskritische Bewegung aus dem Blick des später rekapitulierenden Zuschauers mit ihren markanten Codes in Szene.

Haus am Waldsee, Erik Schmidt - Downtown. Argentinische Allee 30. Bis 30. Dezember 2012 Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr.

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