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Sind die Schuhkreationen des italienischen Designers Salvatore Ferragamo (1898-1960) auch wirklich bequem?
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Sind die Schuhkreationen des italienischen Designers Salvatore Ferragamo (1898-1960) auch wirklich bequem?

Landesmuseum Mainz

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Im Katalog lesen wir: „Idealerweise sollten wir einen Schuh den ganzen Tag tragen können, ohne seine Existenz überhaupt zu bemerken …“ Die Ausstellung „Schuhtick“ im Landesmuseum Mainz regt zu allerlei Gedanken über Schusters Rappen an.

Im Winter fällt besonders auf, wie rührend sorgfältig der Mensch sich mit genauestens auf ihn abgestimmten Gegenständen umhüllt. Sie passen sich seiner Körperform an, bei Bedarf umschließen sie etwa filigran seine Finger, auf die besondere Position des Daumens Rücksicht nehmend, oder legen sich einigermaßen bequem um seinen Kopf. Ein Besucher vom Mars, der lediglich textile und lederne Produkte von Erdbewohnern vorfände, bekäme doch einen guten Eindruck von deren Grundform. Die nicht gerade kurzen Beine machen unten einen Knick, an den sich ein stabiles und zugleich kompliziertes Endstück anschließt. Es wird extrem beansprucht und bedarf besonderen Schutzes. Darum ist die Kleidung das eine, aber die Schuhe sind das andere.

5300 Jahre altes Schuhwerk

Ihnen widmet sich die Ausstellung „Schuhtick – Von kalten Füßen und heißen Sohlen“ im Landesmuseum Mainz, deren arg neckischer Name zwar auch Spinnereien verspricht (und bietet), die sich aber umfassend mit dem Objekt ihres Interesses auseinandersetzt. Am Anfang stehen die anatomischen Veränderungen des Fußes durch das Verwenden von Schuhwerk. Dichte und Größe der Fußknochen nahmen durch die Entlastung ab, lehrt der Katalog, ein gelungenes Lesebuch. Das ist der erste Nachweis, dass Menschen was auch immer an den Füßen trugen, lange bevor sich erste vorzeitliche Schuhüberreste erhielten. 5300 Jahre alt sind dann die ausgetüftelten Leder- und Bastschuhe des bekannten „Ötzi“, die ältesten erhaltenen Schuhe Europas.

Eine Überraschung ist, wie rasch sich ausgerechnet am Schuh praktische Kriterien mit kulturellen Aspekten vermengen. Kelten der besseren Kreise bevorzugten Schnabelschuhe nach etruskischer Mode aus Oberitalien. Aus dem Orient kam bereits um 1600 der Absatz, der in Europa zunächst Reitern nützlich war, aber schon bald zur höfischen Mode wurde. Ab jetzt bekommt man Modelle zu sehen, wie sie letztlich noch immer über Laufstege und Dinnerpartys spazieren. „Schuhtick“ lässt erneut darüber staunen, wie unbequem Schuhe in den sogenannten Hochkulturen sind. Umso weniger mit ihnen anzufangen ist, umso nobler muss ihr Träger sein. Wer auf sich hält, eilt nicht über Stock und Stein, eine bis heute salonfähige Devise. Der Extremfall „Lotosfuß“ für chinesische Damen erschließt sich in seinem Schrecken, sobald man einmal den passenden Schuh dazu sieht. Die Vorstellung vom linken und rechten Schuh war übrigens nicht immer vorhanden.

Modische Problemfälle

Platz bekommt der große Bereich der Schuhproduktion, Platz ist aber auch für angebliche modische Problemfälle wie die Männersandale, für die Schuhe der Stars und für die Stars unter den Schuhherstellern. Waren Salvatore Ferragamos maßgeschneiderte Objekte bequem? Dass modisch vor allem der Schritt hält, der einem Latschenträger niemals hinterherkommt, das ist jedenfalls die paradoxe Botschaft aller Schuhkultur.

Nicht zuletzt wird eine Folge dieser schönen Gebrauchsschau sein, dass der Besucher kritisch auf die eigenen Fußumhüllungen blickt. Aber vielleicht auch genügsam. Im Katalog lesen wir: „Idealerweise sollten wir einen Schuh den ganzen Tag tragen können, ohne seine Existenz überhaupt zu bemerken …“

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