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Gedacht als Mahnmal vor dem Berliner Reichstagsgebäude. dpa

Zentrum für Politische Schönheit

Stele in Berlin: Die Asche der vernichteten Juden

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Das Zentrum für Politische Schönheit hat vor dem Berliner Reichstagsgebäude eine Säule „gegen Verrat an der Demokratie“ errichtet.

Zwischen Bundestag und Bundeskanzleramt, dort wo einst die Krolloper stand, steht seit Montagmorgen eine 2,5 Meter hohe und vier Tonnen schwere Installation. In deren Mitte befindet sich eine Gedenksäule. Sie enthält einen Bohrkern aus einem der nationalsozialistischen Vernichtungslager. Es sind die Überreste menschlicher Asche. Errichtet wurde die Gedenksäule vom Zentrum für Politische Schönheit. Dessen neue Aktion heißt „Sucht nach uns“.

Zentrum für Politische Schönheit  - Denkmal und Broschüre

Die Künstler sind mehr als zwei Jahre lang einer einzigen Frage nachgegangen: Was geschah mit der Asche aus den Verbrennungsöfen der Vernichtungslager? Sie ist nicht verschwunden. Sie ist in jedem der ehemaligen Lager zu finden. Die, die in Flüsse geworfen wurde, ist an deren Biegungen angeschwemmt worden und dort zu sehen. In der Asche sind kleine Knochenstücke. Diesen Überresten begegnet man überall. Das ist kein Geheimnis. Schüler und Erwachsene haben immer wieder kleine Knochenstücke aus dem Boden der Vernichtungslager als Andenken mitgenommen.

„Nie wieder Auschwitz“

Das Zentrum für Politische Schönheit hat sich jetzt erstmals systematisch um die Frage gekümmert: Was geschah nach der Verbrennung mit der Asche? Das Ergebnis ist nicht nur das Denkmal und die es begleitende Aktion, sondern auch eine knapp siebzigseitige Broschüre, die über den Umgang mit der Asche der vernichteten Juden und anderer Naziopfer informiert. Den Umgang der Nazis damit und den heutigen Umgang. 

„Auf den 37 Quadratkilometern des Interessengebiets Auschwitz befinden sich bis heute die Überreste von dort ermordeten Menschen. Dabei handelt es sich um hunderte Tonnen menschlicher Überreste, auf denen die Besucher der Gedenkstätte Auschwitz täglich umherschreiten, die heutigen Anwohner auf den ehemaligen Wirtschaftshöfen des Interessengebiets spazieren gehen und in denen sie in den Flüssen Sola und Weichsel sowie in den Schwimmteichen bei Harmense baden.“

Zentrum für politische Schönheit - schmerzhafte Symbole

Das Zentrum erklärt: „An 23 Orten in Deutschland, Polen und der Ukraine wurden über 200 Proben genommen. Laboruntersuchungen ergaben in über 70 Prozent Hinweise auf menschliche Überreste. Mitunter lagen Knochen direkt unter der Grasnarbe und ragten metertief in einen Abgrund. Wir fanden Knochenkohle, sedimentierte Asche und menschliche Fragmente in den Flussläufen der Weichsel, Zähne direkt auf Feldern, Knochenreste in allen erdenklichen Körnungsgrößen. Es gibt dort kein Grab, keine letzte Ruhestätte.“

Der in Berlin zu besichtigende „Bohrkern“ führt uns vor Augen, was wir hätten sehen oder uns hätten denken können. Auschwitz, die systematische Vernichtung, hat Spuren hinterlassen. Oft muss nicht einmal gegraben werden. Die Asche mit Knochenüberresten darin lag und liegt vielerorts vor uns auf dem Boden. Die Nazis benutzten sie zum Dammbau, zur Düngung, als Isolierungs- und Frostschutzmittel und sie warfen sie in die Flüsse.

Warum bleibt das ZfP-Denkmal nicht?

Wir atmen die Asche der Verbrannten ein. Nein, wir hier in Berlin tun das nicht. Die Verbrennungsöfen standen nicht hier. Die Nazis schafften die Asche nicht nach Berlin. Das hat jetzt das Zentrum für Politische Schönheit getan. Es konfrontiert uns mit den Taten unserer Großväter und mit unserem gar zu lässigen Umgang mit ihnen. Die Asche der Vernichteten in der Nähe des Reichstages konfrontiert die Politik und uns mit den Folgen unserer Handlungen oder den Folgen unseres Nichthandelns.

Die Krolloper, auf deren ehemaligem Gelände die Installation steht, war der Ort, in den das Parlament nach dem Reichstagsbrand verlegt wurde. Hier wurde der Übergang in die rassistische Diktatur vollzogen. Das Zentrum für Politische Schönheit hilft uns mit meist schmerzhaften Symbolen. Die Künstler tun das, weil sie uns in Bewegung setzen wollen. Es geht ihnen darum, dass wir es nicht beim Nachdenken, nicht beim Gedenken belassen. „Nie wieder Auschwitz“ sollte, daran erinnern sie uns – diesmal mit der Asche der von unseren Großvätern Verbrannten – die Maxime unseres Handelns sein.

P.S. Das Denkmal ist noch bis zum 7. Dezember zu sehen. Danach erlischt die Genehmigung. Warum bleibt es nicht?

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