Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kunstsammler und Mäzen Heiner Pietzsch und seine Frau Ulla.
+
Kunstsammler und Mäzen Heiner Pietzsch und seine Frau Ulla.

Nachruf auf Heiner Pietzsch

Sein Traum von Kunst

  • VonIngeborg Ruthe
    schließen

Zum Tode des Berliner Kunstmäzens Heiner Pietzsch.

Die Zeit ist ein Fluss ohne Ufer. Heiner Pietzsch hat sich im Alter mit dieser poetischen Sentenz getröstet, vor allem im letzten Jahrzehnt, wegen der emotionalen Gemengelage und in der Sorge, die Lebenszeit würde nicht mehr reichen fürs Vermächtnis: Er und seine Frau Ulla haben der Nationalgalerie und damit den Staatlichen Museen sowie der Stadt Berlin ihre unschätzbare und handverlesene Surrealisten-Sammlung geschenkt. Mit Bildern und Skulpturen von Max Ernst, ihrem „Hausheiligen“, wie das Paar den Maler nannte, ebenso von Dali, Magritte, de Chirico, von Picasso, Miró, Delvaux, Ebenso von Tangy, Brauner, Balthus, Bellmer und Masson.

Im Jahr 2009 wurde die großzügige Morgengabe im Mies-van-der Rohe-Tempel an der Potsdamer Straße in einer fulminanten Schau gezeigt. Der Titel lautete „Bilderträume“, und die Ausstellung zog 200 000 Besucher an.

Aber selbst danach war nicht klar, wo, wann und wie diese unvergleichliche Kollektion von 120 Werken dauerhaft sichtbar werden könnte. Davon nämlich machte das Ehepaar Pietzsch die Schenkung letztlich abhängig, denn die Bilder und Skulpturen sollten nicht im Depot verschwinden. Doch die Neue Nationalgalerie stand vor der dann sechs Jahre dauernden Generalsanierung. Und für das Museum des 20. Jahrhunderts am Kulturforum gab es damals lediglich erste, sehr vage Pläne. Die Pietzschs hielten Augenmaß: „Wir wollen kein Sammler-Museum Pietzsch. Unsere Surrealisten sollen lediglich Teil der Sammlungen der Nationalgalerie werden, als Entsprechung, als Ergänzung“, das betonten sie bei einem Besuch vor fünf Jahren in ihrem Dahlemer Haus, das bis zur Decke voller Kunst steckt. Sie wollten es eigentlich ganz für ihre Sammlung bauen lassen.

Dass das Paar Surrealisten sammelte, sei eher Zufall gewesen, erfuhren wir bei einem Besuch. Heiner Pietzsch sagte, die Begegnung mit Max Ernst, in den späten Sechzigern in Paris, in dessen Atelier, sei der Auslöser gewesen. „Im Surrealismus geht es nur um Träume, um Fantasiegebilde in einer unwirklichen Welt, auch um Unheimliches. Wir haben irgendwann begriffen, dass uns das am meisten packt, weil das nichts mit Trends oder Moden zu tun hat. Das ist zeitlose Kunst.“

Der Sammler, der 1977 den Freundeskreis der Nationalgalerie mitbegründete, war überzeugt: „Berlin braucht ein Museum der Moderne. Hier wurde die Moderne geboren, von den Nazis verboten, vertrieben und zerstört.“ Mit einem solchen Museum, sagte Pietzsch bei unserem Besuch vor fünf Jahren im Dahlemer Haus, das bis zur Decke voller surrealistischer Kunst steckt, „wäre endlich die Nachkriegsgeschichte zu Ende.“ Die Pietzschs sahen die Baugrube für das Museum, in das dereinst ihre Sammlung einziehen würde. Heiner Pietzsch hätte das so gern noch erleben wollen. Doch nun ist er am 7. September für immer eingeschlafen. Er wurde 91 Jahr alt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare