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Die Weberin Meghann O’Brien erzählt über ihre Kunst.

Ausstellung

Sie sprechen für sich

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
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In der Ausstellung „Let them speak“ im Frankfurter Weltkulturen Museum kommen Indigene Künstler Kanadas zu Wort.

Die Rapperin Christie Lee Charles sitzt auf einem Stuhl im Grünen. Sie erzählt vom kulturellen Erbe der Musqueam und wie sie es in ihren Songs verarbeitet. Die Musqueam sind eine der First Nations, der indigenen Völker Kanadas, deren traditionelles Gebiet in der Gegend des heutigen Vancouver liegt.

Im Film „Let them speak“, der im Rahmen der gleichnamigen Ausstellung im Weltkulturen Museum in Frankfurt zu sehen ist, portraitiert Filmemacherin Diana Hellson, selbst Angehörige einer First Nation, zwei Künstlerinnen und einen Künstler.

Eigentlich hätten die Rapperin Christie Lee Charles, der Schnitzer Tom Hunt (Kwakwaka’wakw) und die Weberin Meghann O’Brien (Haida/Kwakwaka’wakw) selbst nach Frankfurt kommen sollen. Weil Kanada Gastland der Frankfurter Buchmesse ist, waren im Rahmen der Ausstellung auch Veranstaltungen mit den dreien geplant. Weil aber die Vor-Ort-Besuche wegen der Corona-Pandemie infrage standen, wurde nach Ersatzformaten gesucht. Die Verantwortlichen kontaktierten mithilfe der Künstler die Filmemacherin Diana Hellson. Diese bekam dann den Auftrag, die Künstler zu besuchen und zu portraitieren.

Das Motto „Let them speak“ nahm sie sich zu Herzen, sie gibt ihren Protagonistinnen und Protagonisten viel Raum. Einmal erzählt Christie Lee Charles in ihrer Sprache Hul’q’umi’num von ihrer Familie, Hellson lässt die Untertitel weg.

Eingerahmt von Naturaufnahmen sprechen die Künstler über ihre Kunst und erklären auch einige der Gegenstände, die in der Ausstellung in Frankfurt zu sehen sind und von denen sie vorab Fotos bekamen. So erklärt die Weberin Meghann O’Brien die Besonderheiten der ausgestellten Chilkat-Decke, einer Decke aus Schafwolle und Bast. Eine der Masken wurde sogar vom Holzbildhauer Tom Hunt bei einem Frankfurt-Besuch im Jahr 1997 selbst angefertigt.

In der Ausstellung steht der Film im Mittelpunkt, der im hinteren Bereich des Raumes auf einer Leinwand gezeigt wird. Neben den wenigen Gegenständen sind sonst nur Informationen über die Regisseurin und die Protagonisten des Films zu lesen. Diejenigen Gegenstände, deren Geschichten wir im Film kennenlernen, werden dadurch lebendiger, die anderen treten etwas in den Hintergrund.

Natürlich geht es auch um die Frage, unter welchen Umständen Gegenstände von Indigenen überhaupt in Museen gezeigt werden sollten. „Für die Museen sind es Artefakte, doch für uns sind es Dinge, die zu uns gehören“, sagt Christie Lee Charles im Film - auf Englisch „belongings“. „Die Museen sammeln Kulturgegenstände wie Rasseln oder Masken. Doch es ist nicht klar, wozu diese Rasseln dienten oder was sie darstellen. Sollten sie überhaupt gezeigt werden? “ Eine endgültige Antwort gibt sie nicht.

Wer ohne Vorwissen über die die Geschichte der First Nations in die Ausstellung geht, wird eventuell etwas ratlos zurückbleiben. So werden im Film zwar die Internate, die sogenannten „Residential Schools“, erwähnt, in denen Indigene Kinder in Kanada lange Zeit gehen mussten und in denen sie ihre Sprachen nicht sprechen durften, es gibt aber keine weiteren Erklärungen.

Eva Raabe, Leiterin des Museums, erklärt das mit dem Format: „Hier ist der Film im Mittelpunkt, das ist auch eine Form des Respekts.“ Wenn die Künstler selbst anwesend gewesen wären, wäre über den Kontext ein Gespräch in Gang gekommen, vermutet sie. „Ich hoffe, es ist ein Anstoß, sich mehr damit auseinanderzusetzen.“

Museum Weltkulturen , Frankfurt: bis 21. Oktober. Der Film „Let them speak“ ist auch Online zu sehen. www.weltkulturenmuseum.de

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