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Ein 2500 Jahre alter Kämpfer: "Angreifender Krieger" im Alten Museum
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Ein 2500 Jahre alter Kämpfer: "Angreifender Krieger" im Alten Museum

Neue Dauerausstellung im Alten Museum

Die Schrammen der Helden

Ganz makellos stehen die alten Helden nicht in den neu gestalteten Räumen des Alten Museums in Berlin. Mit den Statuen sowie Keramiken, Schmuckstücken und Vasen der Antikensammlung hat die Museumsinsel dennoch erneut ein Prunkstück mehr. Dass die Ausstellung Schwächen hat, liegt nicht an den rissigen Helden.

Von Nikolaus Bernau

Ganz makellos stehen die alten Helden nicht in den neu gestalteten Räumen des Alten Museums in Berlin. Mit den Statuen sowie Keramiken, Schmuckstücken und Vasen der Antikensammlung hat die Museumsinsel dennoch erneut ein Prunkstück mehr. Dass die Ausstellung Schwächen hat, liegt nicht an den rissigen Helden.

Antike Skulpturen brauchen sehr viel Licht und Luft, um zu wirken. Andreas Scholl, sonst so konziliant auftretender Direktor der Berliner Antikensammlung, ist da ganz apodiktisch. In der neuen Dauerausstellung zu Kunst und Kultur Griechenlands im Alten Museum kann man jetzt erleben: Er hat recht. Licht ist das A und O für diese Werke.

Die hier nach Chronologie angeordneten Skulpturen aus Marmor und Bronze, die Architekturteile aus Terrakotta und Tuffstein, der blitzende Schmuck, die Prachtvasen, Keramiken und Silberschüsseln sind schließlich für das scharfe Licht Attikas, Kleinasiens und der Ägäis geschaffen worden. Die Antikensammlung hat eine Annäherung versucht, durch geschickten Einsatz von Kunstlicht und auch durch dessen Mischung mit dem weichen, nie statischen Naturlicht.

Ständig wechselndes Licht im Tagesrhythmus

Nur durch luftige Gaze-Rollos gedämpft darf es durch die großen Fenster des 1824 von Karl Friedrich Schinkel entworfenen Baus einfallen: Mal sanft frühmorgendlich aufblühend von Osten, passend zur archaischen Kunst und dem sanften Lächeln der strengen Jünglings- und Mädchenstatuen, mal bläulich gefärbt von Norden, was der ruhigen, ausgeglichenen Wirkung der klassischen Werke Griechenlands entgegenkommt, mal dramatisch wechselnd von Westen, so dass sich die kraftvoll bewegten hellenistischen Werke voll entfalten können. Wie da der trainierte Torso eines hellenistischen Adligen dem ausgemergelten Körper eines armen Mannes gegenübergestellt ist, beide in schimmerndem Licht, das hat Raffinesse.

Man versteht hier bald nicht mehr, warum Ausstellungen in reinem Kunstlicht akzeptiert werden. Sie sind allenfalls ein Notbehelf aus konservatorischen Gründen. Dank der Lichtregie der Antikensammlung verliert sich sogar weitgehend der seit dem Wiederaufbau des Museums in den 60er Jahren prägende Hallencharakter der Räume, der ziemlich nüchtern sein kann. Mit viel Einbildungskraft kann man sich sogar fast vorstellen, dass etwa so ein griechischer Friedhof gewirkt haben kann, mit dichtgestellten Gedenkstelen, dynamischen Reliefs, die den Schutz der Götter anrufen, großen Prachtvasen. Und vor der streng symmetrischen Skulpturenreihe im ersten Saal erinnert man sich an die Fotos von den Ausgrabungen des gewaltigen archaischen Tempels auf der Insel Samos – schade nur, dass selbst bei so gut dokumentierten Objekten wie diesen Skulpturen oder den Werken aus Olympia Informationen, woher sie kommen und wie sie ausgegraben wurden, nur sehr spärlich angebracht sind.

Umzug aus dem Pergamonmuseum

Nötig wurde die neue Inszenierung, weil im Oktober vergangenen Jahres die Räume im Nordflügel des Pergamonmuseums geräumt werden mussten, die seit 1958 von der Antikensammlung für die griechischen und römischen Skulpturen genutzt wurden. Sie standen dort nicht schlecht, kulturhistorisch sinnvoll nahe den Antikensälen. Doch künftig soll das Museum für Islamische Kunst hier einziehen. Zudem war die 1998 eingerichtete ästhetisch recht postmodern gestaltete Ausstellung zur griechischen Kulturgeschichte im Alten Museum in die Jahre gekommen.

Sie war auch nur als Übergang gedacht, bis zur Generalsanierung des Alten Museums. Doch die ist inzwischen in unabsehbare Ferne gerückt. Offiziell gilt immer noch 2020 als Termin, inoffiziell ist alles offen. Erst müssen der umstrittene Radikalumbau des Pergamonmuseums und der noch heftiger debattierte Neubau des Humboldt-Forums finanziert werden.

Schwächen der Ausstellung aus Geldmangel

Dass nicht viel Geld da war für die neue Dauerausstellung, sieht man allerorten, etwa bei den immer noch stark spiegelnden Vitrinengläsern und den provisorisch wirkenden Beleuchtungskörpern in der hinreißenden Schatzkammer – kaum irgendwo sonst kann man antiken Goldschmuck in solcher Fülle, solchem Formenreichtum, solcher Verspieltheit, in so technischer Perfektion bewundern wie in Berlin, allein dieser Raum ist schon jede Reise wert. Und die Dresdener haben mit dem Neuen Grünen Gewölbe und der Türkischen Kammer gezeigt, zu welchen Leistungen die Glasindustrie inzwischen fähig ist.

Dazu kommt: Die Antikenabteilung hat beschlossen, einige Hauptwerke nur noch hinter Glas zu zeigen. Vor allem die einzigartige Stehende Göttin mit ihrer faszinierenden originalen Farbigkeit ist nun so vor weiterem Verfall der Farbschichten, vor allem aber vor Vandalismus geschützt – vielleicht notwendig, aber doch bedauerlich: Wie wichtig die freie Aufstellung der Werke, der direkte Kontakt ist, kann man bei der vergleichbar grandiosen süditalienischen Thronenden Göttin sehen, die offen auf einem Podium steht. Jede Pore des Steins, jeder Kratzer wird zu einem Mahnmal.

Erweiterungen der Antikensammlung ab 2013

So viele Werke zu sehen sind, es fehlen einige gute alte Freunde. Warum etwa die vorzügliche Berliner Sammlung der abstrakten, für die Kunst des späten 20. Jahrhunderts unerhört wichtigen Kykladen-Skulpturen nicht integriert wurde, ebenso wenig die ägäische Bronzezeit mit den Schätzen der Minoer und Mykener – das ist unverständlich. Doch Andreas Scholl verweist darauf, dass von 2013 an im Neuen Museum eine Ausstellung zur Bronzezeit in der Ägäis eingerichtet sein wird. Vor allem aber wurde kräftig aussortiert aus dem Bestand an Skulpturen, und es ist nur noch knapp die Hälfte der Vasen zu sehen. Teils, weil man sich auf Meisterwerke konzentrieren wollte, teils, weil man zusammenhängende Geschichten rekonstruieren will.

Die Schauen zur griechischen Grabkultur und zu den süditalienischen Kolonien haben die Ausdünnung gut überstanden. Doch vor allem im Hellenistischen Saal hätte man sich viel mehr Material vorstellen können. Denn ob das eine, nicht eben anheimelnde Modell von Wohnhäusern aus Priene und einige wenige Gegenstände dieser Stadtgrabung wirklich zu zeigen vermögen, welche Lebenskultur im „Pompeji Kleinasiens“ herrschte, sei bezweifelt. Hier besonders wird zum Mangel, dass in den Berliner Museen die Depots nicht als Schaudepots offen sind. Scholl hofft, die in angelsächsischen Ländern und Skandinavien längst übliche Ergänzung zur Kuratorenauswahl künftig im Sockel des Alten Museums einrichten zu können. Doch das ist ferne Zukunft. Bis dahin ist erst einmal viel weniger zu sehen als bisher.

Eine Ausnahme bildet das Münzkabinett. Eine Sensation für sich. 1400 Münzen aus der ganzen Antike, fein säuberlich aufgereiht, mit digitalen Erklärungen, Politik und Kunst vermählt. Und wer dann wieder hinaustritt in die luftige Aufstellung, die mit ihrer Ruhe und ästhetischen Ausgewogenheit fast klassizistisch wirkt, mag denken, dass der abgedroschene Beiname Berlins als „Spree-Athen“ manchmal seine Berechtigung hat. Manchmal.

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