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Koran

Schöne Worte

Sehen statt lesen: Eine Koran-Ausstellung im Berliner Pergamon-Museum ist eher ein Versprechen: Sie erklärt einiges, aber nicht genug.

Von Dirk Pilz

Was wird derzeit nicht alles behauptet, geschrieben, gesagt über den Islam. Gefährlich ist er für die einen, reformbedürftig für die anderen. Er gehöre unbedingt zu Deutschland, heißt es hier; das tue er keineswegs, glaubt man dort. Auffällig ist an dieser aufgeheizten Debatte dabei vor allem die geringen Kenntnisse des Islam unter Nicht-Muslimen, was sie nicht hindert, die festesten Meinungen über den Koran und Muslime zu haben.

Insofern ist die Ausstellung im Berliner Pergamon-Museum nur zu begrüßen, weil sie sich dem pädagogischen Ziel verpflichtet, eine Einführung in den Koran zu sein. Das ist sie auch. In zwei kleinen, dunklen Räumen steht an den Museums-Wänden geschrieben: „Der Koran ist der heilige Text des Islam und das erste Buch auf Arabisch.“ Oder: „Zentrales Thema des Koran ist der Glaube an den einen Gott, den Schöpfer der Welt und Richter am Jüngsten Tag.“ Eine Einführung, die sich an jene richtet, die vom Islam schlicht nichts wissen.

Neben diesen Mitteilungen hat man viele Handschriften gehängt. Eine sehr schöne Seite aus einem Prachtkoran, 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, Tinte und Blattgold auf Papier. Ein Einzelblatt eines frühen Koranexemplars in Kufi, eine der ältesten kalligraphischen Schriftstile. In einer Vitrine eine Rolle, beschrieben mit dem kompletten Koran, fünf Meter lang, 15 Zentimeter breit. Daneben findet sich ein Miniaturkoran als Amulett in einer Dose, an der Wand Teppiche, der berühmte Ghirlandaio-Teppich, auch der Holbein-Teppich.

Die Schönheit der kalligraphischen Kunst, ihre Verschiedenheit, die entscheidende Rolle der Ästhetik für den muslimischen Glauben – das ist in dieser kleinen Ausstellung durchaus zu erleben. Dass der Koran sowohl Gebets- als auch Andachtstext ist, dass er von seinem inneren Gehalt wie von seiner äußeren Gestalt lebt, auch das will diese Schau verdeutlichen. „Die Rezitation des Koran bildet bis heute einen zentralen Aspekt islamischer Frömmigkeit“, heißt es in einem der knappen Erklärtexte.

Hören aber kann man den Koran nicht. Es wird zumeist zwar angegeben, welche Stellen aus den Suren auf den Blättern zu lesen sind, übersetzt wurden sie nicht. Als ob es auf den konkreten Inhalt nicht ankäme, als ob es genügte, den Koran zu sehen statt ihn zu lesen. Als ob man in dieses Buch einführen könnte, ohne zu seiner Lektüre anzuleiten. Dabei lohnt es sehr, den Koran zu lesen, und sei es nur, um die, wie hier zu recht behauptet wird, „zahlreichen Anspielungen auf jüdische und christliche Themen“, zu entdecken.

Ein reicher Fundus

Die Ausstellung heißt „Worte lesen – Worte fühlen“, sie holt Leihgaben aus dem Sammlungen der Staatsbibliothek und Kunstbibliothek zusammen und entstand in Zusammenarbeit mit dem großen Forschungsprojekt Corpus Coranicum, das seit 2007 von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gestemmt wird, geleitet von der Islamwissenschaftlerin Angelika Neuwirth. Aus diesem reichen Fundus ließe sich sehr viel mehr holen, mit ihm gehaltvoller, differenzierter vom Koran und seiner Geschichte erzählen; auch einen Katalog, eine weiterführende Begleitpublikation hielte man gern in Händen.

So aber ist diese Ausstellung allenfalls ein Vorwort zu einer Einführung, bleibt sie ein Versprechen auf eine kommende, umfangreichere Präsentation, die auch auf die Gegenwart schaut, auf die heutigen theologischen Debatten im Islam, auf die interreligiösen Diskussionen um den Koran, auf die Lesarten, auf die dichten Verflechtungen mit dem Christentum und Judentum. Ein Anfang ist jedoch gemacht.

Pergamon-Museum, Berlin: bis 24. Juli. www.smb.museum/

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