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Der Titel setzt weitere Assoziationen frei: "Fortbildung" nennt  Feiler dieses gewaltvolle Bild.
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Der Titel setzt weitere Assoziationen frei: "Fortbildung" nennt Feiler dieses gewaltvolle Bild.

Frankfurter Galerie Adler

Schlechte Nachrichten

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Mit Bleistift vor allem und Buntstift zeichnet Peter Feiler penibel ins Detail gehenden Panoramen. Die Erinnerung an Hieronymus Bosch drängt sich auf, weil auch Feiler Höllenszenen malt. Von Sylvia Staude

Von der Decke bis zum Boden und in die Breite ebenso reicht Peter Feilers "Narrenschiff im Terrorstrom". Sofort glaubt man der Galeristin Ulrike Adler, dass der Künstler ein Jahr daran gearbeitet hat, denn der Detailreichtum des Bildes lässt den von Werken Hieronymus Boschs noch hinter sich. Bosch drängt sich auf, weil auch Feiler, Jahrgang 1981 und ausgebildet an der Berliner Universität der Künste, Höllenszenen malt. Nur ist in seiner Kunst Gott abwesend - und sei es auch in der unangenehm strafenden Form von Fegefeuer und Hölle.

Mit Bleistift vor allem und Buntstift zeichnet Feiler seine penibel ins Detail gehenden Panoramen. Zart können die Bilder aber nur auf den allerersten Blick wirken. Sobald man näher tritt, erkennt man, dass auf ihnen der Mensch an allen Ecken und Enden den Menschen vergewaltigt, zerfleischt, köpft, aufspießt, vierteilt, dass mal ein Strom von Ratten in einen Anus kriecht, mal ein Soldat einen abgeschnittenen Penis an einer Kette baumeln lässt, während er einem nackten, rippendünnen Mädchen einen Tritt zu geben scheint.

Ein anderes Bild, das kleiner, aber auch voller minutiös gezeichneter Einzelheiten ist, trägt den Titel: "Prof. Schlechter liest die neuesten Nachrichten". Am oberen Rand sieht man Dutzende von Beinen in Stiefeln sowie Schlagstöcke.

Die Frankfurter Galerie Adler zeigt die dritte Einzelausstellung des jungen Künstlers, die "Gruppenausstellung Peter Feiler" überschrieben ist. Denn Feiler zeigt darin nicht mehr nur die apokalyptischen Szenarien, die für ihn typisch sind, sondern auch fast altmeisterlich wirkende Gemälde - die freilich einen Haken haben.

"Der Pfarrer und seine Frau" zum Beispiel. Ein Dorf mit Kirchturm in der Mitte ist darauf zu sehen, der Himmel ist blau-weiß, die Häuser unter prächtigen Baumkronen geborgen. Im Vordergrund ist ein Holzzaun, auf dem zwei Köpfe stecken, die Kirchturmspitze ist eine Sichel. Oder "Optionen": eine Wiese, ein Trampelpfad, ein Stück Baumstamm und im rechten oberen Eck offenbar ein menschliches Wesen, das einen langen Rock trägt. Das Bild wirkt, als werde gleich etwas geschehen, es hat etwas Ominöses - man muss dazu nicht wissen, dass es ein Ausschnitt ist aus Ferdinand Oliviers Gemälde "Jesus mit seinen Jüngern".

Unter Peter Feilers Bildern steht nicht "ohne Titel"; der Künstler lässt die Titel sozusagen mitarbeiten am Gesamteindruck. "Heute im Angebot" zeigt über einer nackten, geketteten Figur die vertrauten Logos der deutschen Parteien, auf "Subvention" gieren armlose Nagetier-Mensch-Mutanten nach blutigen Milchtropfen aus den schlaffen Brüsten eines totenschädeligen Horrorwesens.

Vieles lässt sich in dieser "Gruppenausstellung" entdecken; harmlos oder nett ist allerdings nichts davon.

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