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Schenkung an Kupferstichkabinett: Was sie fasziniert

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Von: Ingeborg Ruthe

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Walter Dahn, Ohne Titel, 1987.
Walter Dahn, Ohne Titel, 1987. © Walter Dahn, Courtesy the artist and Sprüth Magers, Fotograf: Dietmar Katz

Die Kunstsammler Paul Maenz und Gerd de Vries schenken Berlin 750 wertvolle Werke auf Papier.

Berlins Staatliche Museen, seit Jahrzehnten kurzgehalten mit abgemagerten Ankaufsetats oder auf Sponsoren angewiesen, haben immer mal wieder Glück. Und zwar in Gestalt treuer Mäzene, für die, ganz bibelgemäß, Geben seliger ist denn Nehmen. Wer hier Kunst schenkt, stellt nur ganz selten Bedingungen. Zumeist ohne den Anspruch, sogleich ein eigenes Museum zu bekommen oder die Garantie, dass die Gaben auf Dauer präsent sein müssten.

Platzprobleme gibt es nicht

Derart bescheiden sind die passionierten Kunstsammler Paul Maenz und Gerd de Vries, in den frühen 90er-Jahren aus dem Rheinland ins mauerlose Berlin gezogen. Gerade schenkten die beiden ehemaligen Galeriepartner der seit 25 Jahren bestehenden Graphischen Gesellschaft zu Berlin – dem Freundesverein des Kupferstichkabinetts – 750 Werke berühmter internationaler Gegenwartskünstler auf Papier. Für das Kupferstichkabinett, also dessen Direktorin Dagmar Korbacher und ihr Team, fielen damit vor lauter Freude zu Jahresende sozusagen Weihnachten, Neujahr und auch das kommende Ostern und Pfingsten auf einen Termin. Und ein Platzproblem gibt es im Kabinett am Kulturforum auch nicht, denn Mappen und Grafikschränke sind nun mal nicht so raumgreifend wie große Gemälde, Skulpturen und sperrige Installationen.

Die mittlerweile im Seniorenalter angekommen Wahlberliner Maenz und de Vries gehören nun endgültig in die Reihe der hiesigen mit der Preußenstiftung verbundenen Sammlungs-Mäzene, also James Simon, Konsul Wagner, Otto van de Loo, Heinz Berggruen, Mick Flick, Erich Marx, Heiner und Ulla Pietzsch, Heiner Bastian, Egidio Marzona, das Ehepaar Haubrok. Dabei ist es nicht das erste Mal, dass die beiden ehemaligen Köpfe der 1970 berühmt gewordenen Kölner „Galerie für die Kunst der internationalen Avantgarde“ den Sammlungsbestand des Berliner Kupferstichkabinetts stärken.

Schon 2004 hatte Paul Maenz dem Haus insgesamt 250 Zeichnungen, Grafiken, Gouachen geschenkt. „Was uns fasziniert, sollen alle haben“, so der Sammler anglo-amerikanischer Konzeptkunst und Minimal Art, ebenso zugewandt der Arte Povera, den „Neuen Wilden“ der Mülheimer Freiheit und der italienischen Transavantguardia. Maenz und der einstige Musikwissenschaftler de Vries förderten Anselm Kiefer und den New Yorker Street-Art-Pionier Keith Haring, der leider zu den frühen Aids-Toten gehörte. Die Freundschaft beider mit den Künstlern ihrer Galerie war und bleibt bis heute ein zentraler Teil in ihren Leben.

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