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Museum Frieder Burda, Installationsansicht Die Bilder der Brüder.

Museum Frieder Burda

Die Sammlung der Burda-Brüder in Baden-Baden: Familientag mit Bildern

  • vonPeter Iden
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Eine Sammlungsgeschichte der Burda-Brüder in Baden-Baden.

Drei Söhne hatten der Unternehmer Franz Burda und seine Gattin Aenne. Nach Temperament und Begabung deutlich voneinander geschieden, teilten die drei Kinder jedoch eine Vorliebe: Franz Eugen, der älteste, Frieder, der mittlere, und Hubert, der jüngste, gaben das von Vater und Mutter schon vor dem Zweiten Weltkrieg und nachher gleich so weiter auch von den Söhnen vor allem im Druckgewerbe erwirtschaftete Geld zu Teilen für den Erwerb von Gemälden aus. Es mögen sich dabei Rivalitäten entwickelt haben, zumal nach dem von Bruder Frieder vor einigen Jahren initiierten, gelungenen Museumsneubau Richard Meiers in Baden-Baden, dem er, ein wenig peinlich, meinte, seinen eigenen Namen geben zu müssen.

Vergessen und vergeben, kein Bruderzwist im Hause Burda. 2017 starb Franz Eugen, vor einem Jahr auch Frieder. Hubert Burda hat nun allein das Sagen. Und er ist derjenige, dessen auch intellektuelles Interesse vorrangig der jüngeren, zeitgenössischen Moderne galt und gilt, das heißt: Er kann als Sammler anschließen an das, was die Familie als Basis und Ausgangspunkte angelegt hat. Es ist im Übrigen sein historisches Verdienst, 1977 das Hauptwerk der Kasseler documenta 6, die „Honigpumpe“ von Joseph Beuys, finanziert und damit ermöglicht zu haben. Auf eine Einladung Hubert Burdas geht auch das Gemälde zurück, das Andy Warhol 1982 in Pop-Art-Manier von den drei frohgemuten Brüdern erstellt hat und das nun für ihren gemeinsamen Auftritt als Sammler wirbt.

Ernst Ludwig Kirchner: Straße mit Passanten bei Nachtbeleuchtung, 1926/27.

Dass Beispiele aus dem überwiegend vom 1986 verstorbenen Vater geerbten Bestand der drei Brüder in der jetzt eröffneten Ausstellung vereint sind, war noch ein Vorhaben von Frieder. So gleicht die Schau in Meiers Haus einer Hommage für den Museumsgründer. Zu sehen sind nur Werke aus Burda-Privatbesitz. Was, nun nicht ausgestellt, im Rahmen einer Stiftung erstanden wurde, etwa Bilder von Gerhard Richter und Polke, auch, inzwischen leider wieder verkauft, eines der wenigen Bilder von Mark Rothko in Deutschland, ist zuallermeist erstrangig.

Es war der Vater, der sich durch die Malerei des deutschen Expressionismus, durch Künstler wie Kirchner, dessen „Straße bei Nachtbeleuchtung“ (von 1926/27) ein Glanzstück der Ausstellung ist, Schmidt-Rottluff, Purrmann, Heckel, Pechstein und Hofer zu Ankäufen animieren ließ, obwohl sie vom Naziregime als „entartet“ verdammt wurden. Wie denn auch Max Beckmann, in der Ausstellung mehrfach vertreten mit Arbeiten aus unterschiedlichen Phasen des Œuvres, darunter auch bei Kuraufenthalten in Baden-Baden beobachtete Motive, Deutschland zu verlassen gezwungen war. Die nun zusammengeführten Bilder Beckmanns ermöglichen einen Eindruck von den Veränderungen seiner Malerei als Reaktion auf die politischen Entwicklungen in den ausgehenden Dreißiger- und den Vierzigerjahren.

Man kann andererseits auch die nachgerade überschwängliche Farbigkeit in den beiden Bildern Hans Purrmanns aus den frühen Fünfzigern, dem „Anemonenstillleben“ und dem „Blick in Richtung auf den Luganer See“ (heute nachvollziehbar im Blick auf den See vom Hotel „Villa Sassa“ aus) – kann diesen Farbjubel begreifen als Freude der Befreiung für eine neue Zeit. Derart lohnt vieles die Fahrt nach Baden-Baden.

Franz, Hubert und Frieder Burda (v.l.n.r.) 1982.

Getrübt wird der Eindruck durch die seltsame Idee von Patricia Kamp und Udo Kitttelmann, die die Ausstellung kuratierten und die freien Flächen der Wände oberhalb der Bilder in den Räumen der drei Ebenen des Museums durch einen aus den USA eingeflogenen, wenig bekannten Maler (Carl Ostendarp) mit eigenen Farbwerten (grün, rosa, gelb) überziehen ließen. Es ist eine dekorative Maßnahme, vielleicht erdacht, um die relativ kleinformatigen Bilder an den relativ hohen Wänden nicht so alleinzulassen. Absurder Unfug ist der Einfall, weil die Farben der Bilder sich sehr wohl auch ohne fremde farbliche Zutaten halten – und wenn nicht, dann eben nicht.

Besonders ärgerlich ist das Missverständnis im Fall von Emil Noldes „Friesenhöfe“ (1936), eine ferne Häusergruppe wird von einer heraufziehenden Wand in sich nuancierter violetter Wolken gefährlich bedroht – präsentiert wird das Bild auf einer Fläche, die violett angepinselt ist. So wird eine Harmonie gewollt, die Nolde gerade nicht beabsichtigt hat.

Die Burdas sind nicht die Medici, ihr Familienleben muss nicht unbedingt interessieren. Dennoch gibt es in dem Begleitheft zur Ausstellung einen kritisch mit Familieninterna befassten Text, der besondere Aufmerksamkeit provoziert. Verfasst hat ihn der wegen seiner Essays renommierte Hans-Joachim Müller. Er ist vor allem dem prekären Umstand nicht ausgewichen, dass Vater Burda Mitglied der Partei der Nationalsozialisten war und sich mit dem Bekenntnis, in seinem Unternehmen keine Juden zu beschäftigen, früh als Antisemit erwies. Die Offenheit, mit der Müller dann auch Aufstieg und Protzerei des Verlegerehepaars nach dem Krieg skeptisch bewertet, lässt bis zu Details aus dem Liebesleben wenig Gutes an der Erfolgsgeschichte. Obschon der Erfolg unbestreitbar war. Mit ihren Schnittmuster-Bögen veranlasste Aenne Burda die Deutschen massenweise zum Selbernähen vermeintlich „modischer“ Bekleidung (wie aber unvermeidlich auch zu kleinbürgerlichem Spießertum), und die „Bunte“ wurde für den Verlag ein Triumph wie später das Magazin „Focus“.

Von den gegen den Firmengründer erhobenen Vorwürfen sind einige später gerichtlich zugunsten Burdas widerlegt worden. Und der Sohn Hubert genießt heute wegen mancher finanzieller Hilfestellungen von seiner Seite in Israel hohes Ansehen. Solchen Respekt verdient auch die Souveränität, mit der er, um der Wahrheit willen, der Veröffentlichung des Textes von Müller zugestimmt hat.

Museum Frieder Burda, Baden-Baden: bis 4. Oktober. www.museum-frieder-burda.de

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