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Die Bilder von Robert Mapplethorpe bieten eine scheinbar endlose Abstufung von Schwarz und Weiß, Schatten und Licht, Provokation und Eleganz.

Virtuelle Ausstellung

Robert Mapplethorpe in Berlin: Perfekt skandalös

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Eine virtuelle Bilderreise ins Verruchte: Die Fotos von Robert Mapplethorpe in der Berliner Galerie Thomas Schulte sind nun online zu sehen.

Ein Mausklick genügt und schon konfrontiert die Berliner Galerie Thomas Schulte uns mit den berühmten, apokalyptisch-schönen X, Y, Z Portfolios des US-Fotografen Robert Mapplethorpe (1946-1989). Der Künstler starb an Aids, seinerzeit galt die mysteriöse, damals tödliche Krankheit als „Schwulenseuche“. Es ist seit 1997 erst das zweite Mal, dass die kompletten Serien, mit jeweils 13 Fotos, in Deutschland ausgestellt werden. Auf schwarzer Seidendrapierung zeigt die Galerie mit der Serie X Bilder aus der New Yorker homosexuellen Sado-Maso-Szene, mit der Serie Y die erotischen Blumenstillleben und mit dem Portfolio Z muskelstrotzende Aktporträts schwarzer Männer.

Zudem hat sich der amerikanische Theatermann und Sammler Robert Wilson als Kurator betätigt und für Berlin eine Auswahl an weiteren Fotos getroffen. Mapplethorpe, der Meister makelloser Penis-Ausleuchtung, hatte zusehends nicht mehr weiße, sondern fast nur noch schwarze Männerkörper fotografiert. Das Skandalöse war ihm nie perfektionistisch genug, in seiner Kunst wie im – sexualisierten – Leben. Teuflisch, zugleich schönheitstrunken sind die Inszenierungen mit Latex und Atemschlauch, die sexuell aufgeladenen Blumen-Stillleben, die Anus- und Masturbations-Szenen.

Endlose Abstufung von Schwarz und Weiß

Sie verstören – diese Bilder des schwulen Narziss, dieses apollinischen Jägers mit Kamera und Peitsche, der dem Medium Fotografie damals herausfordernd die überfällige Anerkennung als Kunstform verschaffte.

Die Bilder bieten eine scheinbar endlose Abstufung von Schwarz und Weiß, Schatten und Licht, Provokation und Eleganz. Viele entstanden im berüchtigten New Yorker Gay-Club „Mineshaft“, wo er nach eigener Aussage „nachmittags den abgefahrensten Sex jenseits des alten Rom“ hatte und dann, in der Nacht, seine Fotos von marmornen bis stählernen Männerkörpern zelebrierte.

Aggressive Statements aus der homosexuellen Subkultur

Aber war er wirklich nur der kalkulierende Provokateur? Die Bilder sagen auch, dass es dem Fotokünstler um radikale Reduktion, ja Vivisektion gegangen sein muss. Waren es anfangs aggressive Statements aus der dunklen Welt der homosexuellen Subkultur, belegen sie heute eher den Rückzug in Ästhetizismus. Der klassische Bildhauer-Kanon der alten Griechen, der Skulpteure um Michelangelo, der Klassizisten, hatte es ihm offensichtlich angetan. Aber auch all die kunsthistorischen Zitate inszenierte er im harten, kalten Studiolicht und trieb das Formale zum Exzess. Je näher er mit der Kamera den Körperteilen, der Haut, den Dingen rückte, desto mehr entfernte er sich davon. Als triebe ihn eine unendliche Sehnsucht nach Kälte und Leere.

Galerie Thomas Schulte,Berlin: Ausstellung in 3D: www.artland.com/galleries/galerie-thomas-schulte

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