Das Louvre Abu Dhabi bei Nacht. Das vom französischen Architekten Jean Nouvel entworfene Museum wird am 11. November 2017 eröffnet.
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Das Louvre Abu Dhabi bei Nacht. Das vom französischen Architekten Jean Nouvel entworfene Museum wird am 11. November 2017 eröffnet.

Louvre in Abu Dhabi

Ein Regen von Licht und Geld

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Der Louvre eröffnet in Abu Dhabi einen ambitionierten Ableger - nicht zuletzt eine weitere strategische Partnerschaft.

Die Palmen sind geschnitten, der herangeschaffte Naturrasen eingepasst: Alles ist bereit für die Eröffnung des Louvre Abu Dhabi am Donnerstag durch Scheich Khalifa bin Zayed Al Nayan, den Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), und seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron. 

Was das Pariser Museum am Persischen Golf nicht sein soll: keine Filiale, kein Franchising-Unternehmen und schon gar nicht eine Kopie. Der Bau ist so original wie originell: Jean Nouvels, der 1980 mit dem „Institute du Monde d’Arabe“ in Paris den Grundstein für seine Karriere legte, hat ein neues Wunderwerk arabesker Schlichtheit geschaffen, ein Wahrzeichen mit einer flachen Kuppel von 180 Metern Durchmesser. Gebildet wird sie aus knapp 8000 Metallsternen, die einen „Lichtregen“ passieren lassen und dem Besucher das Gefühl vermitteln, „im ruhigen Schatten“ einer Medina zu wandeln, wie Nouvel am Dienstag vor Ort erklärte. Das so filigran scheinende, in Wahrheit 7500 Tonnen schwere Gewölbe überspannt zwei Dutzend Galerien, in denen die permanente Ausstellung auf 6000 Quadratmetern sowie pro Jahr vier wechselnde Schauen Platz finden. 

Ein erster Rundgang durch die Säle bestätigt den im Pressetext formulierten Anspruch des Louvre Abu Dhabi als „erstes universelles Museum der arabischen Welt“. Das Spektrum der Objekte ist sehr breit, so breit, dass es zum Umdenken zwingt. Was verbinden neolithische Figuren aus Zypern mit antiken Artefakten aus Ägypten, Rom und Indien? Was altarabische Schätze – ein Blatt des „blauen Koran“ oder ein Astrolabium – mit Gemälden von da Vinci oder Holbein? Was Matisse mit Klee oder Pollock oder (zuletzt noch für 21,5 Millionen Euro dazugekommen) Mondrian? Ein van Gogh fehlt ebenso wenig wie ein Picasso. 

Angestrebt wird ein Zentrum der Toleranz

Das Umdenken ist erforderlich, weil im zweiten Louvre nicht nach Perioden oder Regionen ausgestellt wird, sondern ein Querschnitt durch beide, wie sein Direktor Manuel Rabaté sagt. Die verschachtelten Abteilungen tragen Namen wie „Erste Dörfer“, „Am Hof der Prinzen“, „Kosmographien“ oder „Universelle Religionen“ – genannt sind Buddhismus, Christentum, Islam. Dazu kommt eine hebräische Bibel. Diese Gliederung folgt „den Gemeinsamkeiten zwischen den Zivilisationen und Epochen“ (Rabaté). Nicht immer werden sie ersichtlich. Bisweilen wirkt das eher wie ein Sammelsurium musealer Blockbuster – von arabischen Geldgebern gewünscht und finanziert, von Franzosen wie Rabaté oder Nouvel inszeniert. 

Das ist schade, denn Abu Dhabi wäre durchaus prädestiniert, eine globale Sicht von West und Ost, Europa und Orient, afrikanischen bis japanischen Kunstobjekten zu vermitteln: Das größte der sieben vereinten Emirate liegt geographisch zwischen den Kulturen, auch zwischen Wüste und Wasser, nicht zuletzt zwischen Aufbruch und Tradition. Der Direktor der emiratischen Kultur- und Tourismusbehörde, Mohamed Khalifa Al Mubarak, sagte am Dienstag in seiner Begrüßungsrede vor 500 Journalisten mehrfach, der Louvre Abu Dhabi sei „nicht nur ein Museum, sondern ein Zentrum der Toleranz“. Geschmälert wird dieser Anspruch allerdings durch die Abwesenheit von Akten. Bellinis „Jungfrau mit Kind“ trägt ohnehin ein Kopftuch.

Wie Doha oder Dubai, die beiden anderen Wolkenkratzermagnete am Golf, setzt das gesellschaftlich und religiös aufgeschlossene Scheichtum Abu Dhabi auf Museen, Festivals und Tourismus, um für die Zeit nach dem Öl- und Erdgasboom vorzusorgen. Der neue Louvre ist nur der erste Stein eines geplanten Kulturdistriktes, der auf der Saadiyat-Insel am Rande der Millionenmetropole für 27 Milliarden Dollar aus dem Boden gestampft wird. Auf den Baubeginn warten auch der Ableger des New Yorker Guggenheim-Museums und ein Nationales Zayed-Museum, dazu Golfplätze, Konzerthallen und riesige Hotelkomplexe. 

Die Emirati schlagen vor, die Franzosen entscheiden

Als Abu Dhabi 2007 in Paris vorstellig wurde und einen Louvre-Zwilling am Golf anregte, winkte dessen Pariser Vorsteher Henri Loyrette entschieden ab. Bald aber setzten sich die finanziellen Argumente des Scheichtums durch. Die VAE zahlen allein für die auf dreißig Jahre befristete Benutzung des Namens „Louvre“ 400 Millionen Euro. Dazu kommen 190 Millionen für Leihgaben wie etwa einen da Vinci (seine „Mona Lisa“ natürlich ausgenommen). Weitere 165 Millionen gibt es für die technische Hilfe durch Experten der zwölf bekanntesten Museen Frankreichs. 

Die Sammlung wurde nach dem Prinzip zusammengestellt: Die Emirati schlagen vor, die Franzosen entscheiden. Und dann zahlen die Emirati. Letztere stellten die Zahlungen mindestens einmal ein, weil sie mit der Auswahl nicht zufrieden waren. Zum Schluss einigte man sich aber stets, während die Amerikaner beim Guggenheim-Museum-Ableger mangels französischer Souplesse, Flexibilität, noch nicht so weit gekommen sind. 

Vor allem aber war Frankreichs Kulturstrategen nicht nur am Kulturexport in einen Wüstenstaat gelegen. Vor zehn Jahren, also fast gleichzeitig mit dem Louvre-Abkommen, kauften die Emirate 40 Exemplare des Airbus A380. Dann einigte sich der damalige Präsident Nicolas Sarkozy auf die Eröffnung eines französischen Militärstützpunktes in Abu Dhabi, der nur 30 Kilometer vom neuen Louvre entfernt ist. Sarkozy nannte es eine „strategische Partnerschaft“ mit den VAE. 

Das hinderte die Emirati nicht, ein paar Jahre später keine französischen, sondern südkoreanische Atomkraftwerke zu kaufen. Etwa zur gleichen Zeit zirkulierten Berichte von Human Rights Watch, die 5000 asiatischen Gastarbeiter der pharaonischen Louvre-Baustelle würden nicht immer nur gut behandelt. Der Architekt Nouvel wollte davon nichts wissen. 
Neuerdings sucht Frankreich zu mäßigen, während die verjüngte VAE-Führung militärisch in Jemen eingreift und als treibende Kraft hinter dem Versuch gilt, den Nachbarn Katar – einen anderen Verbündeten Frankreichs in der Region – zu isolieren. 

Alles in allem hält aber die strategische Entente zwischen Paris und Abu Dhabi. Nicht nur, aber auch dank des Louvre Abu Dhabi, dem hoffentlich weiterhin völkerverbindenden Museum.

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