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Henning Bohls „The Studio“ (2004) und Michael Beutlers „Monmut“ (2004) auf der Maininsel.
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Henning Bohls „The Studio“ (2004) und Michael Beutlers „Monmut“ (2004) auf der Maininsel.

Portikus

Im Raum, frei

  • Sandra Danicke
    VonSandra Danicke
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Mit Geist und Ernergie werden der Frankfurter Portikus und erstmals auch die Maininsel bespielt.

Irgendetwas scheint mit den Proportionen nicht mehr zu stimmen. Oder besser gesagt: Endlich stimmen sie. Wirkte der Portikus-Bau auf der Maininsel in Frankfurt von innen doch immer, als sei er zu hoch geraten, fast so, als befände man sich in einer leeren Milchtüte. Jetzt hat man einen Holzboden und damit ein weiteres Geschoss eingezogen, was dem White Cube ein wohnliches Maß verleiht. Grund dafür ist die Ausstellung „Flaca/Tom Humphreys“. Tom Humphreys ist ein Künstler, der in seinem Wohnhaus im Londoner East End von 2003 bis 2007 einen Ausstellungsraum namens Flaca betrieb. Keine der üblichen Galerien freilich, sondern eher eine Art Off-Szene-Kultort, ein Treffpunkt für Künstler, die ähnlich dachten und denken wie Humphreys.

Produktion und Diskussion

Interessanterweise pflegte Humphreys einen intensiven Kontakt zu Künstlern der Frankfurter Städelschule, weshalb Portikus-Leiter Nikolaus Hirsch, der ja zugleich Rektor der Kunsthochschule ist, die Idee hatte, die Aktivitäten bei Flaca nun in Frankfurt zu präsentieren, was naturgemäß ein unbefriedigendes Unterfangen bleiben muss. Flaca lebte ja nicht nur von Kunstwerken, sondern davon, wie sie gemeinschaftlich vor Ort erdacht, produziert und diskutiert wurden. Die Ausstellung im Portikus nun soll die Energie und den Geist widerspiegeln, die in Flaca herrschten, doch wie soll das gehen?

Zu sehen ist eine Gruppenausstellung, die nur zum Teil aus Werken besteht, die so auch in Flaca gezeigt wurden. Zwei davon – Außenskulpturen von 2004 stehen im Garten des Portikus“, der aus diesem Anlass erstmals für Besucher geöffnet wird: ein inzwischen leicht verwittert anmutendes hölzernes Pflanzengitter, auf dem der Künstler Henning Bohl bunte geometrische Formen arrangiert hat, die den maskenhaft geschminkten Gesichtern des japanischen Kabuki entlehnt sind. Und eine über seltsam verdrehte Leitern zu erreichende hoch gelegene Holzbank von Michael Beutler, von der aus sich nicht etwa über, sondern unmittelbar auf eine Mauer blicken lässt. Auch wenn die Bank teilweise restauriert werden musste, so lassen beide Werke auch über ihren Zustand tatsächlich eine Atmosphäre aufkommen, in der sich auf seltsame Weise Aufbruchstimmung mit Nostalgie kreuzt.

Im Ausstellungsgebäude selbst ist weit schwieriger zu vermitteln, was die hier präsentierten 27 Positionen von zwölf Künstlern nun eigentlich gemeinsam haben. Warum sie und nicht andere ausgestellt wurden. Um den teils sehr disparaten Werken eine formale Klammer zu geben, hat Humphreys selbst diverse Keramik-Teller gestaltet, die er im Raum frei an den Wänden verteilt hat, um das Ganze in eine lockere All-Over-Struktur einzubinden.

Ein weiteres formales Gerüst ist die Doppelung in Unter- und Obergeschoss, in denen sich je zwei zentrale Arbeiten von Nora Schultz und Karla Black auf ähnliche Weise wiederholen und somit den Transfer von einem Ort zum anderen und den damit verbundenen Déjà-vu-Effekt ansprechen.

Karla Black, die in diesem Jahr nicht nur den schottischen Pavillon auf der Biennale in Venedig gestaltet hat, sondern auch für den Turner Prize nominiert ist, zeigt jeweils ein flaches, in Plastikfolie verpacktes rosafarbenes Papiergebilde, die im Detail jedoch unterschiedlicher kaum sein könnten. Zarte Flecken, ein zermatscher Marshmallow oder Nagellackspuren verleihen den zarten Skulpturen etwas Malerisch-Poetisches.

Auch die Arbeiten von Nora Schultz changieren zwischen Bild und Skulptur, sind jedoch vergleichsweise brachial gestaltet. Es handelt sich um hybride Gebilde, die gleichzeitig Trennwand, Druckwerkzeug und Hängefläche sind. Worte wie „In“ und „Out“ wurden von Schultz aus der Wand herausgeschnitten, das Verbliebene mit brauner Farbe bestrichen und auf Papier gepresst. Wer oder was hier drin oder draußen ist, dafür gibt es naturgemäß mehrere Interpretationsmöglichkeiten.

Die Verwendung von Negativräumen ist im Übrigen eines der wenigen Motive, das sich als eine Art roter Faden durch die Ausstellung zieht. Während es bei einer Leinwand von Alexander Wolff so aussieht, als habe sie lediglich als Unterlage für eine zu besprühende Schablone gedient (die Ränder sind schwarz, in der Mitte ist nichts), hat Paul Lee augenscheinlich ein aus drei rechteckigen Elementen bestehendes Tischtuch so ausgeschnitten, dass lediglich die bunt umnähten Rahmen übrig blieben. Von hier aus lässt sich überleiten zu Lucie Stahls Bild einer vergrößerten Kordel. Oder zu dem grauen Handtuch, das in einer schwarz lackierten Holzecke hängt (ebenfalls von Paul Lee).

Dies mit Will Benedicts gigantischer Postkarte zu verknüpfen, auf der er Silvio Berlusconi viel Glück mit der Verdauung wünscht, scheint aber schier unmöglich.

Portikus, bis 11. September.www.portikus.de

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