+
Wehrt sich gegen den Vorwurf, er wandere „auf dunkler Scholle“: der Künstler Neo Rauch.

Neo Rauch

Gegen die Dominanz einer linken Moral: Rauch, ein rechter Maler?

  • schließen

Der Künstler Neo Rauch wehrt sich mit einem Bild gegen den Vorwurf, er bewege sich „Auf dunkler Scholle“.

Bei der Darstellung des Verhältnisses von Künstlern und Kritikern geht es nicht selten drastisch zu. In einer Collage für einen „Spiegel“-Titel wurde der Kritiker Marcel Reich-Ranicki einst als Wüterich dargestellt, der ein Buch von Günter Grass zerreißt, und der Schriftsteller Martin Walser entfesselte später zumindest scheinbar Tötungsfantasien in seinem unverkennbar auf Reich-Ranicki anspielenden Roman „Tod eines Kritikers“. Das wiederum brachte Walser Antisemitismusvorwürfe ein.

So gesehen scheint der metaphorische Zugriff, den der Leipziger Maler Neo Rauch nun gegen einen Kritiker aufbietet, beinahe wie ein Bemühen um Triebkontrolle. Nach einem vor Wochen in der Wochenzeitung „Die Zeit“ formulierten Angriff gibt sich der große Künstler der Verrätselung nun schonungslos offen und angriffslustig.

Hitlergruß als Teil der Kunst?

Neo Rauch hat der „Zeit“ ein Gemälde als Erwiderung zur Verfügung gestellt. Das Bild zeigt einen Mann, der mit Exkrementen malt. Auf dem Bild im Bild ist eine Figur zu sehen, die den Arm zum Hitlergruß hebt. Das Bild mit dem Titel „Der Anbräuner“ ist mit den übergroßen Initialen W. U. gekennzeichnet, eine Anspielung auf den Autor des Zeit-Artikels, den Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich. Der hatte unter der Überschrift „Auf dunkler Scholle“ moniert, dass immer mehr rechtsgerichtete Künstler sich als letzte Vertreter der künstlerischen Freiheit gerierten. Und Neo Rauch sei einer von ihnen.

Lesen Sie hier zur Tellkamp-Debatte

Die Attacke gegen Rauch ereignete sich weder zufällig noch war sie völlig aus der Luft gegriffen. In einem Interview mit dem „Handelsblatt“ hatte Rauch sich beispielsweise ausdrücklich hinter den Dresdner Schriftsteller Uwe Tellkamp gestellt, der sich in der Debatte um die Flüchtlingspolitik heftigen Vorwürfen der Rechtslastigkeit ausgesetzt sah. Die darin geäußerte Formulierung, Tellkamp sei ein Wiedergänger des Widerstandskämpfers Stauffenberg, hat Neo Rauch inzwischen präzisiert. Er habe damit nicht den Eindruck erwecken wollen, das heutige Deutschland sei eine Diktatur. Gegen die Dominanz einer linken Moral, die obsessiv auf ihren Vorstellungen einer politischen Korrektheit beharre, hat sich Rauch jedoch wiederholt in Stellung gebracht.

Der erbitterte Kulturkampf

Der Streit zwischen Kritiker und Maler hat in den vergangenen Tagen viele erschreckt, nicht zuletzt wegen der emotionalen Wucht, die in dem Bild von Neo Rauch zum Ausdruck kommt. Für den Maler soll es eine Art Schlusswort sein. Ende der Durchsage. Dabei wäre es längst überfällig, ins Gespräch zu kommen. Über plakativ-ideologische Zuschreibungen einerseits. Und andererseits über eine immer häufiger als erbitterter Kulturkampf ausgetragene Debatte über die Freiheit der Kunst, die dabei leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion