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Jeff Cowen, "Golshifteh 5", 2015.
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Jeff Cowen, "Golshifteh 5", 2015.

Fotografie

Pupillen über Pupillen

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Das Artfoyer in Frankfurt blickt vielfältig „Zurück in die Zukunft der Fotografie“.

Im Jahr 1826 wurde die Fotografie geboren, als Joseph Nicéphore Nièpce den Blick aus seinem Arbeitszimmer mit einer Camera obscura auf eine Platte belichtete. Man kann zwar ahnen, was da vor dem Fenster lag, Turm, Baum, Dach, aber es ist ein halbes Erraten. Lange, sehr lange musste zunächst belichtet werden, von Schärfe und Naturtreue konnte nicht die Rede sein. Auch nicht davon, dass alles mal schnell geknipst werden konnte. Jedem Abbild ging ein mühsamer Arbeitsprozess voraus.

Zeitgenössische Fotografen, die sich den Mühen alter Techniken unterziehen oder die Anmutung, Unschärfe, Verletzlichkeit alter Aufnahmen auf neuen Kunst-Wegen einsetzen, sind derzeit im Artfoyer der DZ Bank in Frankfurt ausgestellt: „Zurück in die Zukunft der Fotografie“ ist die Schau passend überschrieben.

Eine vergangene, fast skulpturale Schöne scheint die iranische Schauspielerin Golshifteh Farahani auf Jeff Cowens zart unscharfem, gelbstichigem Porträt „Golshifteh“ zu sein – das doch letztes Jahr erst entstand. Torben Eskerod ließ die Zeit an seinen „Damaged Portraits“ arbeiten: Nach einem Wasserschaden lagerte er die Bilder ein, sie schimmelten, die Schimmelpilze hinterließen die seltsamsten, geflechtartigen Landschaften auf ihnen.

Stücke der schwarz-weißen Werkgruppe „andere Porträts“ von Thomas Ruff sind auch zum Beispiel aus dem Frankfurter MMK bekannt, der Künstler ließ dafür mittels eines Geräts, das für Phantombilder benützt wird, mehrere Gesichter verschmelzen. Deren irritierende Fremdheit – irritierend, weil man auf den ersten Blick gar nicht merkt, was an ihnen „anders“ ist – entsteht über leichte Umrissverschiebungen, Schatten auf Schatten, Pupillen über Pupillen.

Susa Templin hat ihre Serie „Kamera“ in der Dunkelkammer erzeugt, wo sie ein- und dasselbe Motiv (Raum mit Fenster) 18 Mal abgezogen hat, von nachtschwarz und -blau bis komplett ausgebleicht. Elena Petersen ließ das Mündungsfeuer einer Schusswaffe das Fotopapier belichten (Serie „Pyrographie“), es entstanden wilde, spritzende Farben. Floris M. Neusüss’ „Tanz“ entstand durch menschliche Körper direkt auf dem Fotopapier. Jürgen Klauke arbeitete sich selbst auf Röntgenbildern in Aufnahmen von Flughafen-Sicherheitskontrollen ein.

Das leicht verwackelte, verwischte Ahnen der frühen Fotografie nimmt Maix Mayer wieder auf und beweist, dass zum Fabulieren anregt, was Rätsel offen lässt: „Bird New York“ ist ein Bild aus der Serie „Gullivers Reisen“ überschrieben, man würde sich nicht wundern, tatsächlich Gulliver zwischen den Gänsen zu entdecken.

Artfoyer, DZ Bank, Frankfurt: bis 27. Aug.

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