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Anette Lenz/Bearbeitung FR-Grafik
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Museum Angewandte Kunst

Plakatdesign: Das Strenge und das Sinnliche

  • vonSandra Danicke
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Die Bildwelten der Designerin Anette Lenz im Museum Angewandte Kunst.

Ein Plakat von Anette Lenz ist eine Herausforderung. Nehmen wir zum Beispiel das Plakat, das derzeit für ihre Ausstellung im Frankfurter Museum Angewandte Kunst wirbt. Es besteht aus schrillen Farben und Formen – gelb, pink, grün, blau, rot – alles auf eine Weise überlagert, dass sich Mischfarben ergeben und die Formen – Buchstaben? Zahlen? – nicht einwandfrei auszumachen sind. Darüber schlängelt sich ein geknicktes Band in Schwarzweiß, das den Titel „à propos“ verkündet. Das Ganze sieht phänomenal gut aus. Und es erfüllt seinen Zweck perfekt. Kaum ein Mensch, der daran vorbei geht, wird behaupten können, er habe es nicht wahrgenommen.

Die kalkulierte Überforderung ist ein Markenzeichen von Anette Lenz, Jahrgang 1964, die mit ihren grafischen Arbeiten genau das spiegelt, was bei Werbung stets der Fall ist: eine Reizüberflutung, aus der etwas hervorstechen soll. Ein Informationschaos, aus dem sich die eine, wichtige Nachricht herauskristallisieren soll. Dabei trifft Lenz genau den richtigen Grad an Komplexität: Man wird neugierig, will wissen, was das soll, ohne dass man beim Entschlüsseln am Chaos verzweifelt.

Beim Betrachten der Ausstellung wird man regelrecht traurig, dass diese wunderbar kraftvolle und kreative Werbegrafik in Deutschland normalerweise nicht zu sehen ist, denn Lenz, die aus München stammt, lebt und arbeitet seit 1989 in Frankreich. Dort hatte sie sich zunächst dem Grafikerkollektiv Grapus angeschlossen und betreibt seit 1993 ihr eigenes Atelier in Paris.

Ihre Aufträge kommen vornehmlich von Kulturinstituten. Lenz designt Corporate Identities für Museen und Theater, entwirft Plakate für Tanz- oder Poesiefestivals. Hierfür verwendet sie kräftige Farben, massive Blockschriften, bisweilen auch Fotomaterial und verdichtet das alles zu vielschichtigen Bildwelten, in denen sich Geometrisches ganz selbstverständlich mit Organischem verschränkt, die zweite immer wieder in die dritte Dimension zu kippen scheint und das Sinnliche das Strenge nicht ausschließt, sondern sinnvoll ergänzt.

Das Tolle an der Schau im MAK, die im Übrigen die erste Einzelausstellung von Lenz in Deutschland ist, ist die Tatsache, dass es sich dabei keineswegs um eine banale Poster- und Prospekte-Ausstellung handelt. Lenz hat sich intensive Gedanken darüber gemacht, wie man die Veränderung des Kontextes – vom urbanen in den Museumsraum – schlüssig vermitteln kann.

Eine Werkschau habe sie nicht machen wollen, erzählt die Grafikdesignerin. Stattdessen hat sie komplette Räume gestaltet, in denen diverse Elemente wie Typografien oder Farben plastisch im Zentrum stehen, in denen Lichtwolken pulsieren und wabern und sich Schriften um Säulen oder Wände schlängeln. Als Besucherin hat man so das Gefühl, durch die Plakatwelten hindurch zu spazieren und die Elemente, die zum Handwerk von Lenz gehören, nach und nach zu verstehen: Rhythmus, Wiederholung, Struktur. Mikrokosmos, Makrokosmos und wieder zurück.

Bemerkenswert ist auch, wie sich die Bildwelten oft passgenau auf die Architektur beziehen, etwa indem sie die streng gerasterten Räume mit Naturaufnahmen konterkariert, die Türen eines Aufzugs mit einem Wasserfallfoto überzieht und durch schlaue Platzierungen die Erkundung der Räume bis ins Detail forciert.

Man muss sich das einmal klar machen: Es handelt sich bei „à propos“ um eine Ausstellung, in der Auftragsarbeiten gezeigt werden, die ohne die jeweiligen Veranstaltungen oder Aufführungsorte normalerweise vollkommen nutzlos sind.

Dass sie uns dennoch vieles über die heutige Zeit mitteilen, darüber, wie wir als Menschen leben, überwacht von Wärmekameras, konfrontiert mit Bildstörungen und Informationsfluten, die sich nur punktuell dechiffrieren lassen, macht diese Bildwelten zu Kunst. Dass man sie sich darüber hinaus einfach gerne ansieht, weil es darin so viel zu entdecken gibt, ist ein nicht unerheblicher Bonus.

Sie sei, erzählt Anette Lenz, mit ihren Arbeiten ständig im Prozess. Gäbe es keine Deadlines, dann könne sie „eigentlich immer weitermachen“. Auch diesen Aspekt ihrer Arbeitsweise greift die Ausstellung im MAK auf, die während der Laufzeit nach und nach durch weitere Inhalte ergänzt werden soll.

Museum Angewandte Kunst, Frankfurt: bis 3. Januar. www.museumangewandtekunst.de

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