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Kunst & Teppich

Noa Eshkol: Gegen den Hass alle Farben der Welt

  • VonIngeborg Ruthe
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Wie eine postume Mahnung an ihre verfeindete Heimat: Die zauberischen Tapisserien aus dem Nachlass der israelischen Tänzerin Noa Eshkol in Berlin.

Die unvergleichlichen Wandteppiche Noa Eshkols (1924-2007) sind arrangiert wie ein verwunschener Garten, in dem sich Frauen, Männer und Kinder gleich zum Tanz treffen. Man tritt ein und ist baff, angesichts dieser Schönheit und unbeschwerter, unverlogener Harmonie.

In diesen entsetzlichen Tagen, in denen Israel abermals in Feindschaft, Hass, Aggression und Raketeneinschlägen zwischen palästinensischen und israelischen Gebieten versinkt und die Welt wieder einmal rat- und hilflos zuschaut, nimmt sich die feingeistige Kunst der weltbürgerlichen Israelin aus wie eine Mahnung zur Besinnung, zu Vernunft und zu einem friedlichen Zusammenleben, das leider bis heute nur eine Utopie ist. Und so gibt es zwischen den leuchtenden Farben der als kunstvolle Patchworks zusammengenähten Stoffe auch düstere Töne: Grau für Asche, in der alles zerfällt und Schwarz für die Trauer und die Gewalt, die immer wieder das einst Heilige Land erschüttert, in dem Israelis und Palästinenser wegen des Grund und Bodens keine Versöhnung finden können, weil die verhärtete Politik keine Lösung findet.

Drei extra Räume wurden in der Berliner Mitte-Galerie neugerriemschneider für „a village, flowers and homages“ aus dem nur selten ausgestellten und rar gewordenen Nachlass der israelischen Textilkünstlerin, Tänzerin und Choreografin gestaltet. Wir stehen vor zauberischen Motiven aus bedruckter Baumwolle mit in Naturfarben gefärbter Schafwolle, aus synthetischen Stoffen, Seide und Fäden in allen Farben der Welt. Virtuos genäht hat Eshkol dies alles zwischen den 1970er und 1990er Jahren.

Die in einem Kibbutz aufgewachsene Tochter des dritten Ministerpräsidenten des jungen Staates Israel, Levi Eshkol, war Tänzerin. 1954 hatte sie zusammen mit ihrem Kollegen Avraham Wachman die Eshkol Chamber Dance Group gegründet, wurde berühmt mit minimalistischem Tanz und kunstvollen Notationen, um „vergängliche Tanzbewegungen“ festzuhalten – und bald auch mit ihren Stoff-Assemblagen und Tapisserien. Letztere passierten eher ungeplant, eher aus der politischen Not-Situation geboren.

Farbprächtig, bewegt

Als während des Jom-Kippur-Kriegs Tänzer der Noa Eshkol Chamber Dance Group Militärdienst leisten mussten und Auftritte unmöglich waren, begann die Choreografin aus gefundenen oder geschenkten unbeschnittenen Stoffstücken Wandteppiche zu gestalten. Sie fand großen Gefallen daran, sich derart künstlerisch auszudrücken. Fortan collagierte Eshkol so aus unterschiedlichsten Stoffarten und -mustern – vom Uniformstück bis zum Palästinensertuch – aufwendige gegenständliche oder abstrakte Kompositionen, die ihre Tänzerinnen und Tänzer nach ihren Entwürfen zusammennähten. Diese farbprächtigen Tapisserien beleuchten eine einzigartige Beziehung zwischen moderner Kunst und Tanz.

Inspiration für die Farben und Formen gab ihr auch der weitläufige Garten in Holon, südlich von Tel Aviv. Dort fand Noa Eshkol alle Farben der Welt, von der Buntheit der Blumen, dem Grün der Bäume und Sträucher, der Farne und Kakteen, vom Rot der Liebe, bis zum Blau des Himmels und des Meeres.

Eshkol setzte gegen diese sich wiederholenden, unfassbaren Hass-Ausbrüche und Kriegs-Situationen zweier Nationalitäten zu ihren Lebzeiten ihre Kompositionen, angeregt von Tanz, von der Natur und der Literatur. Ihre Dorf- und Stadtmotive beschreiben die Faszination für Landschaften. Man entdeckt Hommagen an die Kunstgeschichte, so für Van Gogh, den „Wilden“ André Derain. Und vor allem für die wie von einem genialen Kind gebauten Landschaften des Nordengländers David Hockney, dessen stille, mit ausgeprägtem Tiefenraum versehene Natur, die blauen, sich schlängelnden Flüsschen gleichenden Straßen. Bei Eshkol sind es Zeichen imaginärer Reisen in eine friedliche Welt ohne Hass.

Galerie neugerriemschneider, Berlin: bis 7. August. Derzeit besuchbar mit Anmeldung und Negativtest: mail@neugerriemschneider.com

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