Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Furry Lewis, 1974. In der Ausstellung "Norman Seeff: The Look of Sound" im "Zephyr ? Raum für Fotografie" der  Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (bis 25. Januar 2015).
+
Furry Lewis, 1974. In der Ausstellung "Norman Seeff: The Look of Sound" im "Zephyr ? Raum für Fotografie" der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (bis 25. Januar 2015).

Norman Seeff Mannheim

Und niemand lümmelt so wie die Stones

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
    schließen

Der Mann, der klarstellte, wie Frank Zappa, John Travolta oder Bobby Womack aussehen: Eine Mannheimer Ausstellung feiert Norman Seeff, den stilprägenden Fotografen der Popmusikstars.

Man hat es auch bei anderen berühmten Porträtfotografen geahnt, aber doch nie so deutlich vorgeführt bekommen wie jetzt in der Mannheimer Norman-Seeff-Ausstellung: dass nämlich der gute Menschenfotograf vor allem Animateur und Psychologe ist. Auf den Rapport zwischen ihm und dem Porträtierten kommt es an. Dies offenbar auch dann, wenn die Person vor der Linse den öffentlichen Auftritt eigentlich gewöhnt ist. Denn da gilt es, mehr als die nur professionelle Pose abzulichten.

Der „Zephyr – Raum für Fotografie“ der Reiss-Engelhorn-Museen zeigt derzeit eine Werkschau des 1939 in Südafrika geborenen, 1968 in die USA ausgewanderten Norman Seeff.

Weltweit soll es die erste große Seeff-Schau sein, was verwundert angesichts der Prominenz der dort Gezeigten sowie der Erkenntnis, wie erheblich Seeff das Bild geprägt haben muss, das wir uns (etwa mittels Plattencovern) in den 70ern und 80ern von Musikstars machten.

Der oben beschriebene Aha-Effekt aber verdankt sich nur zum Teil den Fotografien, eher dem rund ein Dutzend Videos, die in der Ausstellung laufen. Sie dokumentieren Ausschnitte der Fotosessions. Und da kann man verfolgen – manchmal durch den links im Bild tänzelnden Fotografen, oft nur durch seine Stimme aus dem Off – wie Seeff ermutigt und anfeuert, als ginge es um den Sieg in einem sportlichen Wettbewerb. Er wärmt die Pop-Promis regelrecht an, heizt ihnen ein, macht sie locker. Und fordert doch auch ihre Präsenz.

Cooler noch als cool

Gleichzeitig zeigt er sie so, wie sie sich in den Siebzigern vermutlich gern gesehen haben: cooler noch als cool. Mit Fluppe im Mund und wehendem Haar Frank Zappa. Auf dem Luxusbett lümmelnd, ein schneeweißes Telefon am Ohr, Bobby Womack. Von hübschen Frauen geherzt Art Garfunkel. Blondbemähnt und breitbeinig David Lee Roth. John Travolta 1976 lachend und jung, im schmuddeligen T-Shirt und mit einer Bierflasche in der Hand (da kann er noch kein Scientologe gewesen sein). Isaac Hayes, die Arme vor dem mächtigen nackten Oberkörper verschränkt.

Daumen sind in breite schwarze Gürtel gehakt, Becken vorgeschoben. Zähne blitzen, Haare fliegen regelmäßig, denn Seeff hatte in seinem Studio offenbar als Hauptrequisit einen Ventilator. Es war ja auch die Zeit von „Hair“, des Lobgesangs aufs unbeschnittene Wachsen. Gern wird auch rumgelümmelt, das ist zwar nicht rückenfreundlich, doch lässig. Besonders gut, könnte man bei Betrachtung von Seeff-Bildern meinen, beherrschten die rotzig jungen Stones das Lümmeln.

Auf dem Boden führt ein Mosaik aus Plattencovern in die Ausstellung ein; man sieht daran, wie gern die Jacket-Designer auf Fotografien von Norman Seeff zurückgriffen. Man sieht, wie er Ikonen schuf, indem er im rechten Moment abdrückte. Beziehungsweise aus einer Vielzahl von Fotos das aussuchte, das gleichzeitig wahrhaftig und stilisiert wirkte.

Die meisten seiner Fotografien sind Studioaufnahmen, aber Seeff hat zum Beispiel Anfang der Siebziger zahlreiche vergessene schwarze Blueser aufgesucht. Hat Sonny Terry und Brownie McGhee in einem schrecklichen (Hotel?)Zimmer auf geblümter Bettdecke sitzend fotografiert, John Lee Hooker vor plastikholzgetäfelter Wand, Furry Lewis gar im Bett, ein Bierglas in der einen, ein Kinderspielzeug in der anderen Hand.

Es ist nicht zu viel behauptet, wenn man sagt, dass Norman Seeff das Bild einer musikalischen Epoche und ihrer Vertreter geprägt hat. Es ist ein Bild, das in seiner charmanten Lässigkeit doch auch nostalgisch stimmt.

Zephyr â?" Raum für Fotografie, Mannheim: bis 25. Januar. Katalog im Kehrer-Verlag, 240 S., 29,95 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare