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Ist das der Künstler mit Erwartungsdruck im Rücken? "Im Abri 3" von Marc Aschenbrenner.
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Ist das der Künstler mit Erwartungsdruck im Rücken? "Im Abri 3" von Marc Aschenbrenner.

"Bilder vom Künstler" in Frankfurt

Im Netz der Erwartungen

Die Rollenvorstellungen vom Künstler und die Auswirkungen auf sein Werk: Diese Verbindung erkundet jetzt eine Ausstellung in Frankfurt anhand von sieben zeitgenössischen Positionen.

Von Michael Grus

Malerfürst mit Silberknauf-Stöckchen oder Hofnarr mit beschränkter Haftung, als Seeleningenieur oder neuerdings in der Gestalt eines Stoffpüppchens, das man als Mitbringsel aus dem Museumsshop am heimischen Kühlschrank befestigen kann.

Den althergebrachten wie den jüngeren "Bildern vom Künstler" hat die Gesellschaft schon immer einen Wechselrahmen aus Rollenzuschreibungen und Funktionen verpasst, den die Vertreter des Berufsstandes je nach individueller Couleur auszufüllen, zu übermalen, vielleicht auch zu ignorieren trachteten.

Wie sich solche gesellschaftlichen Rollenvorstellungen vom Künstler in deren Werk niederschlagen und ihr Selbstbild mit bestimmen, erkundet jetzt anhand von sieben zeitgenössischen Positionen eine von Holger Kube Ventura im Frankfurter Kunstverein eingerichtete Ausstellung.

Das Ende der Kunst, der Kunst jedenfalls als Unikat oder doch wenigstens Designerstück bzw. streng limitiertes Auflagenwerk mit unverwechselbarer Handschrift, bildet hier den Auftakt und steht genau dort, im Eingangsbereich neben der Kasse, wo ein Besucher einen Museumsshop suchen würde. Die Installation "Le Grand Magasin" zitiert nun zwar das allgegenwärtige Merchandising, und man kann die auf einem runden Regalsystem ausgebreiteten Produkte, Haushaltswaren, Spielzeug, Kosmetika, auch tatsächlich kaufen.

Andreas Wegner setzt aber eigentlich einem ungewöhnlichen Kaufhaus seiner Heimatstadt Berlin ein Denkmal, das ausschließlich Erzeugnisse genossenschaftlich arbeitender Betriebe anbietet und damit einen Gegenentwurf zu herkömmlichen Strukturen des Handels bildet. Als Filialleiter unterwirft sich der Künstler hier immerhin freiwillig der Entfremdung und verzichtet zugunsten präziser Dokumentation auf den individuellen Auftritt.

In der mit rotem Teppichboden ausgelegten Chefetage begegnen wir dann mit Wim Deloye dem Künstler als Unternehmer und Agenten, der Aktienanteile hinter Glas verkauft und dessen Werkgruppen schon eher "Produktlinien" entsprechen. Vom Belgier, Medienliebling, documenta- und Biennale-Teilnehmer, sind zwei Stahlmodelle zu sehen, Schaufelbagger und Betonmischer als gotische Kathedralarchitekturen.

Wurden die schicken Basteleien wohl unter Beanspruchung von Werkstatt und Mitarbeitern hergestellt, was immerhin kunsthistorischer Tradition entspricht, so kommt dagegen Michael Franz ohne Kunst-Leiharbeiter aus. Seine exakten Nachzeichnungen moderner Klassiker, von Rothko bis Koons, sind Aneignungen fremder Geniestreiche in mühsamer Handarbeit, wobei ihn vor dem Verdacht der Fälschung schon der Umstand bewahrt, dass er für seinen täuschend nachgeahmten Pollock sicher deutlich länger brauchte als der Meister.

Von den Marktmechanismen des Kunstbetriebs drohen individuelle Ansätze eingeebnet zu werden, der Hohlspiegel etwa, in den Manuela Kasimir blickt, die junge Künstlerin hat sich in ihrer Selbstporträt-Fotografie im verlorenen Profil aufgenommen, bleibt leer. Nur durch den subversiven Akt mehr oder weniger leicht erkennbarer Manipulationen bewahrt sie sich vor einer oberflächlichen Wahrnehmung ihrer Bilder.

Ähnliche Aufmerksamkeit, ja eine besondere Lektürebereitschaft verlangen auch die raumfüllenden Inszenierungen von Paule Hammer und Stephan Dillemuth. Letzterer dokumentiert in seiner Installation "Erfolg" die Zeit der Münchner Räterepublik 1918/19 durch ein Sammelsurium symbolträchtiger Fundstücke; bei der Relektüre des gleichnamigen Romans von Lion Feuchtwanger schaffen Überwachungskameras und Videos von Heiligendamm aktuelle Bezüge.

Hammer dagegen führt in seiner schon ins Gigantische ausgreifenden "Weltenzyklopädie III" ein universales Selbstgespräch, an dem gerne jeder teilhaben kann, sofern er die Zeit aufbringt, einige der unzähligen, in Weltkarten und Organigramm-Bilder eingeschriebenen Texte zu lesen. Oder in diesem auf den ersten Blick schrullig wirkenden, aber eben doch individuellen Gesamtkunstwerk sogar zu hören: Aus einer dreistufigen, be-tretbaren Pyramide in der Mitte des Raumes tönt Orgelmusik, Vertonungen nach einem selbst entworfenen Notenschema.

Wer sich als Künstler wie eine Spinne im Netz verschiedenster Erwartungen verfängt, darauf deutet ein Video Marc Aschenbrenners hin, kann sich vielleicht nur in obsessiv anmutenden Akten befreien.

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