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"Fullmoon@Eifel 2" von Darren Almond.
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"Fullmoon@Eifel 2" von Darren Almond.

Bad Homburg

Nachts in Monets Garten

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Darren Almonds zaubrische Vollmond-Fotografien und herbes Video in Bad Homburgs Sinclair-Haus.

Eine zarte Sinnesverwirrung sucht den Betrachter heim – obwohl, eine Heimsuchung ist es eigentlich nicht, vor einer Fotografie des Briten Darren Almond leicht verwirrt zu sein. Eher eine Verzauberung. Sind diese Mohnblumen nicht ein wenig ausgebleicht? Ist dieser Fluss nicht allzu seidenglatt? Umfließt Bodennebel diese Steine? Und müsste es nicht logischerweise Wasser sein, aber sieht das je so ätherisch aus? Almond, der derzeit im Bad Homburger Sinclair-Haus eine Einzelausstellung hat, der auch in der feinen Sammlung der Altana-Kulturstiftung vertreten ist, fotografiert bevorzugt nachts und bei Vollmond. Die notwendige lange Belichtungszeit führt zu fremd anmutenden Farben und zu sanften Unschärfen.

Eine unschwer auszumachende Referenzgröße für den 1971 im englischen Wigan geborenen Fotokünstler ist, unter weiteren Malern, Caspar David Friedrich. Almonds Kreideklippen auf Rügen leuchten auf dem Diptychon „Fullmoon@Rügen II“ fast, als wären sie von der Sonne bestrahlt. Aber eben nur fast. Auf einem anderen Bild liegt ein weißer Streifen Strand unter schwarzem Astgewirr, es scheint Winter zu sein. Oder lässt der Mond den Sand so knochenbleich schimmern?

Darren Almond hat auch Claude Monets Garten in Giverny fotografiert. Den berühmten Seerosenteich bei Vollmond, so dass die Farben wie ermattet sind oder wie die einer alten Tapisserie. Dazu einzelne Pflanzen und kleine Pflanzengruppen mit Polaroid in den wenigen Minuten vor Sonnenaufgang. Die Werkgruppe „Civil Dawn@Giverny“ nimmt der Farbigkeit der Blüten alles Schreiende, Offensive. Durch ein beschlagenes Fensterglas würde man vielleicht ähnlich sehen.

„Night & Fog“ heißt eine weitere in Bad Homburg gezeigte Serie Darren Almonds: Als Positiv oder, auf anderen Arbeiten, als Negativ stehen auf den großformatigen, fast wandfüllenden Abzügen tote Bäume im Schnee, spitzig wie Nadeln. Nahe dem russischen Montschegorsk hat sie der Nickel- und Kupferabbau geschädigt, abgetötet, aber von den Bergwerksarbeiten sieht man nichts auf den Bildern.

Das hier ganz scherenschnittartig eingesetzte Schwarz und Weiß ist wiederum im „Amalfi Sketchbook“ – auf den Spuren des Malers Carl Blechen in diesem Fall – ein Fest der Grau- und vor allem der Mauer-, Stein- und Flechtentöne. Wege, Stufen, Steinbögen, Ruinen, helles und dunkles Laub sind für diese Schwarz-Weiß-Aufnahmen mit Spezialfiltern gedämpft und verschattet. Der Eindruck: Sie sind aus einer anderen Zeit überliefert, sie ruhen und warten, ein wenig wie in feinste Spinnweben gehüllt.

Eine der – offenbar ganz anders gearteten – Videoarbeiten Darren Almonds ist in Bad Homburg ebenfalls zu sehen, vielmehr bereits von den anderen Räumen aus zu hören. 35 Minuten lang folgt „Bearing“ einem Mann, der auf Java als Schwefelstecher arbeitet. Es grollt, zischt, schnauft aus dem Berg, dann schiebt sich das Keuchen des Mannes, das Knarzen seines Tragegestells unter der Last in den Vordergrund. Über den längsten Zeitraum des Videos, vielleicht eine knappe halbe Stunde lang, bleibt eine Kamera nah auf das Gesicht des sich Plagenden gerichtet. Manchmal stopft er sich ein Tuch in den Mund, vermutlich, um die ätzende Luft etwas zu filtern. Dreimal setzt er seine Korbtrage kurz ab. Man möchte es kaum eine Pause nennen.

Das Unbehagen erzeugende Video trifft in „Schatten und Licht“, so der Titel der Ausstellung, auf das Träumerische, im Mondlicht mild, feenhaft Verhangene. Ein starker Gegensatz.

Sinclair-Haus, Bad Homburg: bis 26. Juni. www.altana-kulturstiftung.de

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