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An Goethes Geburtstag: Ernst Beutler, sein Sohn und die Trümmer der zerbombten Goethe-Hauses 1945.
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An Goethes Geburtstag: Ernst Beutler, sein Sohn und die Trümmer der zerbombten Goethe-Hauses 1945.

Freie Deutsche Hochstift in Frankfurt

Ein Ort zum Nachdenken

Das Freie Deutsche Hochstift in Frankfurt feiert seinen 150. Geburtstag. Von Judith von Sternburg

Ohne Papier ist hier nichts zu machen. Bevor es um die Handschriften der Großen geht, geht es darum, das Ganze zu organisieren. Auch der brave Spender Richard Schonburgk in Adelaide (Süd-Australien) muss sich die schön geschnörkelte Mitgliedsurkunde über seinen Schreibtisch hängen können. Wenn das Geld ausgeht, legt man ein Spendenbüchlein an: In der Inflationszeit der 1920er Jahren war es einmal wieder so weit. In der Vitrine aufgeschlagen ist die Seite, auf der man sehen kann, dass der junge Max Horkheimer 1 Billion Mark (inzwischen herrschte Hyperinflation) gespendet hat. Gar nicht zu reden von all den Eintrittsbilletts für die hauseigenen Festlichkeiten und die Briefbögen, um diese auf die Beine zu stellen.

Die Jubiläumsausstellung des Frankfurter Freien Deutschen Hochstifts, das gestern 150 Jahre alt wurde, ist insofern nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich zweigeteilt. Aber die Kunst ist ohne die Vereinsmeierei nicht zu haben. Also gilt es nun, erst unten im Arkadensaal des Goethe-Hauses respektvoll stehen zu bleiben vor den Zeugnissen der Unternehmer, Künstler, Schlingel, Charakterköpfe, die das Hochstift zu einer dauerhaft funktionierenden Institution geformt haben. Und dann oben im Museum die Gemäldesammlung zu bewundern. Oder über den Umfang des Brentano-, des Sturm-und-Drang-, des Hofmannsthal-Archivs zu staunen. Oder darüber, dass die Versuche, die Bibliothek von Goethes Vater nachzustellen, deren Auktionsliste noch vorliegt, stetig weiter voranschreiten. Oder dass es vor wenigen Jahren gelang, einen ziemlich köstlichen Schmuck, den einst Marianne von Willemer trug, dauerhaft hierher zu holen.

Am Anfang stand vor allem ein Enthusiasmus allgemeiner Natur. Schiller und die Sehnsucht nach einem vereinten Deutschland waren jenen ungefähr dasselbe, die zu Schillers 100. Geburtstag (also gestern vor 150 Jahren) den so hehr benamsten Verein gründeten. Alle Stände der Stadt, zeigt ein fröhliches Leporello, feierten damals mit. Und die Hochstiftler interessierten sich zunächst für ganz Diverses, Naturwissenschaftliches ebenso wie soziale Fragen. Die Volks-Vorlesungen hatten einen guten Namen. Zu sehen sind Schriften, die sich etwa mit Modellen für Arbeitsämter befassen. Das erwartet man hier nicht unbedingt. Kurator und Hochstift-Experte Joachim Seng findet es aber typisch Frankfurterisch, wie Gruppierungen der Stadt pragmatische, für alle Seiten nützliche Bündnisse eingehen. Nur in einer demokratisch-liberal-weltoffenen Stadt wie Frankfurt sei eine Gründung wie die des Hochstifts denkbar. Das ist aber schön zu hören.

Und dann die Trümmer

Erst mit dem Entstehen anderer Einrichtungen, nicht zuletzt der Universität, begann die Konzentration auf Goethe. Nachgezeichnet wird das heikle Lavieren nach 1933 - durch den engagierten und höchst liberal eingestellten Ernst Beutler verschob sich die "Gleichschaltung" noch etwas nach hinten. Dann sieht man Beutler und seinen Sohn in den Trümmern des zerbombten Goethe-Hauses sitzen.

Wie man weiß, ging es alsbald weiter. Einiges veränderte sich, anderes nicht. Wie vor 150 Jahren scheint es beispielsweise wieder besonders wichtig zu sein, dass zahlungskräftige Menschen wissenschaftlich arbeitenden Menschen einen Platz zum Sammeln, Forschen und Nachdenken ermöglichen.

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