Kunst

Mitmachen ist erste Bürgerpflicht

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Auf ehemals fürstlichem Terrain eröffnet die Deutsche Bank in Berlin den "Palais Populaire".

Eigentlich ist es ja die gute, alte Volkshaus-Idee, nur etwas feiner und französisch. Die Deutsche Bank schmeißt Unter den Linden in Berlin die Kunsthalle hin und wird ein paar Häuser weiter Prinzessin: Das Prinzessinnenpalais sei ab sofort ein „lebendiges, global vernetztes Forum für alle, die Kultur interdisziplinär erleben und Neues entdecken möchten“. Wobei der Kern weiter in der Kunst besteht: Ausstellungen, vorwiegend aus der 55 000 Werke umfassenden eigenen Sammlung werden auf 750 Quadratmetern präsentiert, als erstes und ab heute „The World on Paper“, Zeichnungen von 133 Künstlern, darunter Sigmar Polke oder Katharina Grosse.

Drumherum ein Programm, das auch Literatur, Tanz, Digitales und Sport umfasst, und sich besonders für die Schnittstellen interessiert. Wenn etwa der Schauspieler Benno Fürmann und der Extrembergsteiger Stefan Glowacz über das „Leben im Moment“ sprechen (am 18.10.). Oder Sportler im Untergeschoss mit der Software Tilt Brush virtuelle Skulpturen erzeugen. Sport und Kunst also – Matthias Lilienthal warb 2003 mit Fotos boxender Neuköllner für seinen an urbanen Communities interessierten künstlerischen Neustart am Hebbel Theater (dann HAU). Hier scheinen eher Leute angesprochen, die sich im Fernsehen Talkshows ansehen, Populäres eben, aber halt! Clubnächte gibt es auch ...

Die Deutsche Bank also hat ein 1962 rekonstruiertes Barock-Palais gemietet, das seit 2014 im Besitz des Managers Matthias Döpfner ist, hat es für ihre Zwecke umbauen lassen, kooperiert unter anderen mit den Berliner Philharmonikern, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels sowie der Deutschen Sporthilfe und richtet sogar Kindergeburtstage aus. Einzig ein Versammlungssaal fehlt, ein Raum für eigene Notizen. Doch vielleicht soll man sich den selbst erobern, Mitmachen ist ja sowieso die erste Bürgerpflicht, gerade auf dem ehemals fürstlichen Terrain einer Aktiengesellschaft.

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