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Blick in die Mike-Bouchet-Schau „Lustre“ in der Galerie Parisa Kind in Frankfurt. Foto: Jessi Schäfer
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Blick in die Mike-Bouchet-Schau „Lustre“ in der Galerie Parisa Kind in Frankfurt.

Frankfurt

Mike Bouchet mit „Lustre“ bei Parisa Kind: Die Optimierung der Gelatine

  • vonSandra Danicke
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Mike Bouchet arbeitet mit einem in der Kunst eher untypischen Material – eine Auswahl ist jetzt in der Frankfurter Galerie Parisa Kind zu sehen.

Die neuesten Arbeiten des Künstlers Mike Bouchet markieren die Schnittstelle zwischen standardisierten Alu-Trittblechen und Gummibärchen. Das allein klingt so absonderlich, dass sich darunter wohl kaum jemand etwas vorstellen kann. Bouchet zieht eine Verbindung zwischen zwei Materialien, die auf den ersten Blick kaum weiter voneinander entfernt sein könnten. Hier das weiche, süß schmeckende, lieblich duftende Lebensmittel, dort das harte, glänzende, rein funktionale Industriematerial.

Dass die metallisch schimmernden Werke, die der Künstler derzeit unter dem Titel „Lustre“ in Frankfurt in der Galerie Parisa Kind zeigt, tatsächlich aus Gelatine bestehen, kann man zunächst kaum glauben. Bouchet, der an der HfG Offenbach lehrt, hat eine Symbiose geschaffen, die so unglaubwürdig erscheint, dass man meint, man habe es mit dem Werk eines magischen Alchemisten tun. Was man sieht, sind augenscheinlich Metallbleche, die sich schlaff über Tische und Gerüste legen, die Falten werfen und in verführerischen Gold- und Rosatönen schimmern.

Und es schimmelt nicht

Darüber hinaus hat Bouchet Panzerketten aus der eigenwilligen Masse gegossen, sie in zarten Linien über Papier kleckern lassen oder die unterschiedlich gefärbten zähen Flüssigkeiten in schmalen Streifen über ein Dunstabzugs-Gitter geschüttet, das auf einen gerahmten blauen Teppichboden montiert wurde. So lässt er Oberflächen und Farben auf herrliche Weise kontrastieren. Formal fühlt man sich an ein Werk von Barnett Newman erinnert, aber auch Yves Klein mit seinem matten Blau kommt einem kurz in den Sinn.

Seit zehn Jahren arbeitet der Künstler bereits an der Optimierung des Materials, erzählt er. Ein Werkstoff, der im Wesentlichen aus Gelatine besteht, zugleich hart wie Harz ist, nicht schimmelt und aussieht wie etwas anderes – je nachdem, welche Pigmente man hineinmischt. Der Härtungsprozess sei letztlich der Gleiche, der mit einem Gummibärchen passiert, das man lange an der Luft liegen lässt, erzählt Bouchet. Der Effekt ist bemerkenswert: Mal fühlt man sich an Satin-Bettwäsche erinnert, dann wieder an Latexfolie oder flüssiges Kupfer.

Tatsächlich kommen die verführerisch schimmernden, teilweise sogar irisierenden Oberflächen durch Substanzen zustande, die neuerdings in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden. Es gebe zum Beispiel ein Magnum Eis, dessen Oberfläche wie Metall glänzt, erzählt Bouchet, und man muss wohl damit rechnen, dass demnächst weitere Süßigkeiten aussehen wie etwas, in das man sonst kaum hineinbeißen würde. Das ist inhaltlich natürlich ambivalent. Optisch hochgezüchtete Produkte, die dem, was sie sind, möglichst unähnlich sehen sollen – das kann man pervers oder ästhetisch faszinierend finden.

Auch das Red-Bull-Aroma, das Bouchet, 1970 in Kalifornien geboren, seit 2004 in Frankfurt, bereits eingesetzt hat – etwa 2014 in einer Portikus-Schau mit Paul McCarthy –, ist ja ein Synonym für eine Künstlichkeit, die zugleich verführt und abstößt. Ein Produkt, das wir, gegen all unsere Instinkte, zu akzeptieren gelernt haben. Man kann diese kritischen Implikationen bemerken; genauso kann man den zahlreichen Verweisen auf die (vorwiegend amerikanische) Kunstgeschichte nachspüren, auf die monochromen Flächen der Farbfeldmalerei, die metallischen Bodenplatten eines Carl Andre, das Dripping eines Jackson Pollock. Nicht zuletzt erinnern die weichen Bleche auch an Elemente des Surrealismus.

Man kann sich aber auch einfach dem optischen Genuss hingeben, den die reizvollen Oberflächen bereiten. Wie virtuos Bouchet mit seinem Material umgeht, demonstriert eine Arbeit, die aussieht wie die dreidimensionale Version eines Gemäldes des Abstrakten Expressionismus: transparente Folie auf Goldklumpen, auf gequetschtem Plastik, auf gegossenem Aluminium – alles aus Gelatine.

Galerie Parisa Kind, Frankfurt: bis 24. April. Nur nach vorheriger Anmeldung. www.parisakind.de

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