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Michael Satter vor seinem Bücherregal.
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Michael Satter vor seinem Bücherregal.

Design und Kunst

Interview mit dem Künstler Michael Satter: „Typografie als Stilmittel ist der Schwerpunkt meiner Arbeit“

  • Moritz Serif
    vonMoritz Serif
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Sein neuestes Werk „Spirit Animal / Animal Spirit“ handelt ausschließlich von positiven News aus dem Tierreich. Ein Interview.

Michael Satter ist ein Multitalent. Neben seiner Tätigkeit als Designer veröffentlicht der Künstler auch Bücher. Sein aktuellstes Werk heißt Spirit Animal / Animal Spirit, worum es auch in diesem Interview gehen wird. Davon abgesehen hat Satter bereits ein Ausstellungsdesign für das Weltkulturen Museum in Frankfurt entwickelt. Doch auch der berühmte Robert Johnson Club und Rimowa zählen zu seinen Kunden.

fr.de: Gude Michael. Vor kurzem ist dein Buch Spirit Animal / Animal Spirit erschienen. Wie ist die Resonanz?

Insgesamt ist es gut angekommen. Wegen Corona konnte ich allerdings keine Lesung halten. Bei meinem vorherigen Buch „Gute Wörter in schlechten Zeiten“ war das anders. Damals habe ich eine Ausstellung in der Frankfurter Basis organisiert. Trotzdem ist mein aktuelles Werk „Spirit Animal/Animal Spirit“ fast ausverkauft. Auch das Feedback war gut. Max Kersting, ein befreundeter Künstler, der auch mit Text arbeitet, hat mir öffentlich geschrieben, dass es für ihn der Sammelband des Jahres ist.

In dem Buch listest du positive Schlagzeilen aus dem Tierreich auf. Wie kamst du auf diese Idee?

Ganz spontan. Ich bin ein Tierfreund und finde sie lustig. Vor allem viele Nachrichten mit Tierbezug sind crazy. Irgendwann habe ich festgestellt, dass das alles Potenzial hat. Dann habe ich angefangen, die Storys zu sammeln. Wichtig bei der Sammlung war mir, News aufzulisten, bei denen Tiere Menschen ähneln mit dem was sie tun.

Gerade in der Corona-Zeit empfand ich es als sehr angenehm, positive News zu lesen.

Während Corona habe ich festgestellt, dass es mir gut tut, positive News zu lesen. Das hat total gut gepasst. Die Storys habe ich allerdings schon vor der Pandemie zusammengestellt.

Mir ist aufgefallen, dass dein Buch kaum Text enthält. Der Großteil der Seiten ist nämlich leer. Das wirkt sehr minimalistisch. Hat aber auch etwas Angenehmes.

Ein Freund von mir hat gesagt, dass das einen Meme-Charakter hat. Er könnte sich den ganzen Tag solche Texte durchlesen. Ich bin dabei konzeptionell vorgegangen und habe mich stilistisch ein wenig an Haikus, das sind japanische Gedichte, orientiert, um alles besser auf den Punkt zu bringen.

Da scheint jemand aber ein ein ziemliches Faible für Schrift und Farben zu haben.

Typografie als Stilmittel ist der Schwerpunkt meiner Arbeit. Außerdem ziehe ich mich meine Inspirationen konzeptionell gesehen aus dem Kunstbuchbereich.

Eine für dich wohl klassische Frage: aber siehst du dich eher als Künstler oder als Designer?

(Lacht). Die Frage bekomme ich sehr oft gestellt. Bei mir ist das ein Zwischending, da ich eine künstlerische Herangehensweise habe. Außerdem bin ich kein klassischer Grafikdesigner, wie man sie aus den Corporate Agenturen kennt.

Du warst auch mal Dozent an der Universität Darmstadt. Wie hat dir das weitergeholfen?

Ich habe wieder wie in der Schule angefangen zu lernen, da ich mir Wissen aneignen musste, das ich in der Vergangenheit mal angerissen hatte. Gerade Kunstepochen wie Schriftgeschichte. Typografie ist ja auch ein Universum. Das fängt schon bei der Entwicklung an. Die Studenten:innen haben mir sehr gutes Feedback gegeben. Auch der Austausch war super, selbst wenn sie es nicht immer nachvollziehen konnten, wenn man etwas anders macht als in der starren Lehre.

Besonders schön habe ich in Erinnerung, dass Freundschaften entstanden sind. Peter Wolff war zum Beispiel einer meiner ersten Studenten. Wer hätte damals gedacht, dass wir jetzt in Berlin miteinander abhängen?

Einfach mal die Regeln brechen.

Ja sicher! Man sollte allerdings wissen, wann man das darf.

Dein Kundenstamm ist vielseitig. Zu ihnen zählen unter anderem das Weltkulturenmuseum, der Hatje Cantz-Verlag, Rimowa oder das Robert Johnson. Wie kamen diese Kontakte zustande?

Angefangen hat alles mit dem Robert Johnson, für die ich schon seit 11 Jahren arbeite. Damals habe ich mit einer Kollegin zusammengearbeitet und ein Buch herausgebracht. Wir haben sehr viel investiert in unsere Arbeit. Das Werk kam super an und wir sind ins Licht gerückt. Anschließend hat sich alles natürlich weiterentwickelt. Das heißt, ich musste keine Akquise machen, da bereits Vertrauen für größere Jobs vorhanden war.

Wenn ich das richtig mitbekommen habe, wohnst du in Frankfurt und in Berlin. Wo fühlst du dich mehr zu Hause?

Schwierige Frage. Grundsätzlich fühle mich immer da heimisch, wo ich mit den Leuten zusammen bin, die mir am Herzen liegen. Berlin fühlt sich auf jeden Fall heimisch an, da ich bereits seit über fünf Jahre in die Hauptstadt pendle. Frankfurt ist natürlich auch Heimat für mich, weil ich hier seit 12 Jahren wohne.

Immer mehr Kreative möchten nach Berlin. Auch Frankfurt hat mit dem Aderlass zu kämpfen. Woran liegt das deiner Meinung nach?

In Berlin hat man mehr Möglichkeiten - selbst in Zeiten von Corona. Das fängt bereits bei dem Essen an. Die Lebensqualität ist einfach sehr hoch. Außerdem gibt es dort mehr Menschen, die in ähnliche kreative Richtungen gehen, wodurch es auch mehr Austausch gibt. Da es in Berlin sehr viele Kreative gibt, ist die Messlatte allerdings auch sehr hoch. (Das Interview führte Moritz Serif)

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