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Hitler-Gruß, Hakenkreuz, zionistische Brille, Stars & Stripes.

Iran

Die Meinungsfront der Revolutionsgarden im Iran

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Die Hardliner im Iran betreiben die Eskalation, wie eine Karikatur in der Zeitung „Javan“ belegt.

Ein drastisches Zeugnis gezielter Irreführung im globalen Meinungskampf ist die auf der Frontseite der iranischen Zeitung „Javan“, dem Hausblatt der radikalen Revolutionsgarden, abgedruckte Karikatur zur Visite des deutschen Außenministers Heiko Maas vergangene Woche in Teheran. Dass Deutsche nach 1945 mit Adolf Hitler identifiziert wurden, war nachvollziehbar, sie taten es zum Teil selbst, in selbstkritischer wie unverbesserlicher Manier.

Das verlor seinen Reiz, als alle Welt mitbekam, dass sich in (West-)Deutschland eine stabile Demokratie entwickelte, nicht zuletzt, weil sich die Deutschen zu ihrer NS-Vergangenheit bekannten und Verantwortung dafür übernahmen. Seit das vereinte Deutschland in die Rolle des „verhaltenen Hegemons“ geschlüpft ist und dort neonazistische Strömungen zunehmen, mehren sich wieder Assoziationen mit dem Stummelschnauzbart und dem Hitler-Gruß.

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In polnischen wie türkischen Blättern wurde Bundeskanzlerin Merkel gern in dieser Pose ausgestellt. „Javan“ setzt dem nun die Krone auf: Hitler-Gruß und Hakenkreuz durch die zionistische Brille und mit den amerikanischen Stars & Stripes. „Europa hat faschistische Erwartungen“ titeln die Hardliner, die schon seit jeher Gegner des sogenannten JCPOA, dem Atomdeal, waren. „Warum kommt der überhaupt hierher, wenn er nichts anzubieten hat“, ist die zentrale Frage des Textes, in dem Maas, der hier wie ein Hitler-Junge gezeichnet ist, die Worte in den Mund gelegt werden: „Iran soll sich an den Vertrag halten. Es werden keine Eingeständnisse gemacht. Wir sind Freunde Israels und werden keine Entscheidungen ohne die USA treffen.“

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Der Artikel fabuliert vom nationalsozialistischen Geist, der Europas Politik angeblich nie verlassen habe und momentan wieder überall erstarke. Europas Moment der größten Schwäche und Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zeige sich sowohl am gescheiterten Instex-Vorhaben, als auch am Besuch des deutschen Außenministers selbst. „Der Deal ist tot. Der Besuch kann allenfalls den Zweck einer Mumifizierung haben“. Die Radikalen im Iran treten, genau wie die neuen Nazis in Deutschland und andernorts, als Holocaust-Leugner auf und feuern den internationalen Revisionismus an, um dem erklärten Todfeind Israel zu schaden, den vom Iran gesponserte Milizen von der Landkarte radieren wollen.

Die Nazis sind jedoch immer die anderen. So wird im Text die Bedrohung beschworen, die von Israel ausgehe. Als Beleg wird Netanyahu in den Mund gelegt, Iran vernichten zu wollen. Somit wird auch das Raketenprogramm in einem Schwung als Lebensversicherung der Islamischen Republik verkauft. Die Karikatur und der Text sind extreme Belege für die abgrundtiefe Flachheit des paranoiden Stils der Politik rund um den Erdball.

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