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El Anatsui, die Arbeit „Red Block“, 2010.
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El Anatsui, die Arbeit „Red Block“, 2010.

El Anatsui

Meine, deine, unsere – eine Geschichte vom Teilen

  • vonIngeborg Ruthe
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Museen aus der Schweiz und den Niederlanden kaufen gemeinsam ein Kunstwerk – das könnte Schule machen.

Es war nicht die Weihnachts-Botschaft. Aber eine Geschichte vom brüderlichen und vernünftigen Teilen. Zwei berühmte Museen, das Berner Kunstmuseum und das Amsterdamer Stedelijk, leisten sich gemeinsam und über Ländergrenzen hinweg ein bedeutendes Kunstwerk. Klingt nach einer Revolution im klassischen Museumswesen. Derzeit, wo die Preise für Kunst steigen, während die Ankaufsetats schrumpfen und die nationalen wie internationalen Kultur- und Kunstszenen in der Corona-Krise darben.

Geheimnisvoller Vorhang

Das Kunstmuseum Bern und das Stedelijk Museum Amsterdam gehen einen neuen Weg. Gemeinsam schafften sie sich zu Weihnachten die zehn Meter breite und fast sechs Meter hohe Arbeit „In the World But Don’t Know the World“ (In der Welt, aber kennst die Welt nicht) von El Anatsui aus Ghana an. Der 1944 geborene Afrikaner schuf einen riesigen, geheimnisvollen Vorhang. Über den Kaufpreis bewahren beide Museen und der Verkäufer, die Schweizer Privatsammlung Sigg Collection, Stillschweigen. Künftig soll das Bildwerk abwechselnd in Amsterdam und Bern zu sehen sein.

Die Hauptstadt der Eidgenossen hatte den Vortritt, ehe der Corona-Lockdown sämtliche Ausstellungshäuser des Kontinents zur Schließung zwang. In einer großen Berner Retrospektive für El Amatsui war bis vor kurzem auch besagtes Werk von Afrikas derzeit prominentestem Gegenwarts-Künstler zu sehen, ein riesiges und prachtvolles teppichartiges Wandrelief aus recycelten Schraubverschlüssen. Amatsui, einst von dem inzwischen verstorbenen afroamerikanischen Documenta-11-Impresario und Münchner Haus-der-Kunst-Direktor Okwui Enwezor für Europa entdeckt, stellt althergebrachte Skulpturen-Kategorien auf den Kopf.

Zugleich reflektieren seine beweglichen „Teppiche“ aus ehemaligen Schnapsflaschen-Manschetten und Verschlüssen das post-koloniale Verhältnis zwischen Europa und Amerika und dem Schwarzen Kontinent und die dort gravierenden Folgen der Globalisierung. Beim Schneiden, Flachschlagen, Zusammendrücken, Drehen, Falten und Zusammenfügen von Tausenden dieser Flaschenverschlüsse halfen dem Ghanaer, der 2015 den Goldenen Löwen der Kunst-Biennale Venedig bekam, viele Afrikaner. So entstand eine Art „Soziale Skulptur“ im Sinne von Joseph Beuys.

Dieses Niederländisch-Schweizer Kunst-Sharing könnte Schule machen, das konventionelle und bürokratisch-juristische Denken in engen Besitz-Strukturen erweitern. Was würde das alleine für Berlin mit seinen mehr als 175 Museen und Sammlungen bedeuten. Oder für die Kooperation etwa mit Brandenburg. Teilen heißt auch Sparen. Und das Vermeiden vollgestopfter Museumdepots.

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