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Markus Lüpertz im März in seinem Haus in Karlsruhe.
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Markus Lüpertz im März in seinem Haus in Karlsruhe.

Markus Lüpertz zum 80.

Maler Markus Lüpertz: Wir müssen reichlich tun

  • VonIngeborg Ruthe
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Zum 80. Geburtstag von Markus Lüpertz, einem der letzten deutschen Malerfürsten.

So kennt ihn die Welt: Perfekt bis exzentrisch gekleidet, Maßanzug mit Einstecktuch und Gehstock mit Silberknauf, eleganter schwarzer Hut. Und stets mit geschliffener Rhetorik gewappnet, gibt er sich als das Genie. Auch arrogant und angriffslustig kann er sein, wenn er sich anhören muss, es sei heutzutage vorbei mit der Malerei, die sei doch harm- und hilflos angesichts der schlimmen Weltsituation. Also tot. Solche Aussagen weist er mit geradezu olympischem Hochmut, aber auch Gelassenheit zurück: „Die Malerei kann nicht abgeschafft werden, denn nichts Göttliches kann der Mensch abschaffen. Aber wie alle Götter: Wir können verdämmern. Und wir müssen reichlich tun, und deswegen stelle ich auch an kriegerischen Orten aus, um also nicht göttlich zu verdämmern“.

Kaum zu glauben, dass dieser Maler am Sonntag achtzig wird. Markus Lüpertz, geboren im tschechischen Reichenberg, der mal in Berlin, mal in Karlsruhe oder Florenz lebt, zählt zu den zentralen Künstlerfiguren, den „Malerfürsten“ der alten Bundesrepublik, neben Georg Baselitz, 83, neben dem verstorbenen Jörg Immendorff. Lüpertz hat mit seinen archaischen und suggestiven Bildern die moderne Malerei seit den 1960er Jahren entscheidend mitgeprägt. Da sind die frühen Dithyramben-Gemälde, deren Form vom Twentieth-Century-Fox-Logo inspiriert ist – da sind seine Zeltbilder, deren Raum sich jenseits von Ort und Zeit befindet. Und da sind die „Deutschen Bilder“, in er die NS-Ära thematisiert

Immer mehr obsiegte der figurative Ansatz, im Westen galt das lange als reaktionär. Und Lübertz entdeckte die Landschaft. Die Wahrnehmung der Wirklichkeit und somit der Natur wäre, sagt er, ohne Kunst undenkbar. Erst sie befähigere zu tieferem Sehen. „Das Wirkliche stellt sich in diesem Weltbild über die Erfahrung von Kunst ein und nicht umgekehrt. Wir würden nie einen Sonnenuntergang in seiner ganzen Pracht sehen, wäre er nicht ein paar Mal gemalt worden, und das ist die Umkehrung.“

Lüpertz, der als Hochschullehrer wirkte, eine Zeitlang Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie war, ist immer begeistert von der eigenen Kunst, in der er sich fortgesetzt mit der Kunstgeschichte auseinandersetzt. Er nimmt sich die Autonomie, zwischen Gotik, Renaissance, Romantik, Tausendjährigem Reich und Heute zu wandern.

Unübersehbar geht es dabei um Dialoge, um die Inszenierung des Körpers im Raum, um Torso, Fragment, Pathos. Und er mag immer mehr das Metaphorische: Seine Skulptur „Künstlergenie“ – auf eine Holzpalette gestellt, die Malwerkzeuge in der Linken, der rechte Arm als barbarisch gestutzter Flügel – steht für den unvollkommenen, verletzbaren, lüsternen, zwiespältigen Homo sapiens.

Eigentlich, meint er, gibt es in der Malerei nichts Neues, nur immer wieder neue Maler. „Die Malerei ist ein Vokabular. Dem fühle ich mich verpflichtet.“

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