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Hermann Hesse: Selbstbildnis, um 1919. Aquarell, Gouache, Graphit
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Hermann Hesse: Selbstbildnis, um 1919. Aquarell, Gouache, Graphit

Ausstellung in Bern

Der Maler Hermann Hesse

Hermann Hesse ist einer der meistgelesenen deutschen Schriftsteller, seine Romane und Gedichte sind weltbekannt. Dass der Literaturnobelpreis-Träger aber auch ein hochaktiver Maler und Zeichner war, ist bis heute kaum bekannt. Das Kunstmuseum Bern will das nun ändern.

Von Daniel Kortschak

So mancher Passant, der einem der vielen Plakate und Transparente in Bern oder auf einem Schweizer Bahnhof begegnet ist, dürfte sich wohl gewundert haben: Hermann Hesse im Kunstmuseum Bern? Etwa eine Lesung oder eine Konferenz aus Anlass des 50. Todestages des deutschen Autors, der viele Jahre seines Lebens in der Schweiz verbracht hat? Ja, Lesungen und eine Konferenz gab es auch. Doch der Titel auf dem Plakat "'...die Grenzen überfliegen'. Der Maler Hermann Hesse" lässt keinen Zweifel: Im Berner Kunsthaus steht das wenig bekannte Schaffen Hesses als Maler und Zeichner im Mittelpunkt.

Umfassende Retrospektive

Die umfassende Retrospektive zeigt 150 Werke von Hermann Hesse, neben Gemälden und Zeichnungen sind auch zahlreiche von ihm selbst illustrierte Gedichte, Briefe und Manuskripte zu sehen. Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den Anfängen von Hesses künstlerischer Tätigkeit in Bern.

Vor genau 100 Jahren ließ sich der Künstler in der Bundesstadt nieder. Hier vollendete er nicht nur den Künstlerroman "Rosshalde", sondern er begann auch seine Laufbahn als Maler, die ihren Höhepunkt in den 1920er- und 1930er-Jahren in Hesses Tessiner Wahlheimat Montagnola erreichte.

Zur Malerei stieß Hesse in seiner größten Lebenskrise, die ihn während des Zweiten Weltkrieges in der Schweiz erfasste. Nach einer Psychoanalyse riet ihm sein Psychiater Josef Bernhard Lang, ein Traumtagebuch zu führen. Teil dieses Tagebuches waren auch Traumzeichnungen.

In diesen frühen künstlerischen Gehversuchen zeige sich bereits klar, dass sich Hesse von den Aquarellen seines Freundes Louis Moilliet und dessen Vorbild August Macke inspirieren ließ, erläutert der Direktor des Kunstmuseums Bern, Mattias Frehner. "Doch die frühen, parallel zum Traumtagebuch entstandenen Bilder sind noch keine Idyllen, sondern magische Beschwörungen obsessiver Angstzustände und wilder Erotik."

Diese als Art Brut, also ohne maltechnische Ausbildung entstandenen, frühen Bilder Hesses ließen die späteren, weit bekannteren Aquarelle Hesses in einem neuen Licht erscheinen, schreibt Kurator und Museumsleiter Frehner in seinem Text zur Ausstellung.

Maler und Dichter auf der Suche nach sich selbst

Vor dem Hintergrund der düster-obsessiven Traumbilder erscheinen auch die farbenfrohen Aquarelle, die Hesse später im sonnigen Tessin malte, nicht mehr ganz so heiter und unbeschwert, auch über dem vermeintlich makellosen Abbild des südlichen Paradieses lassen sich bisweilen dunkle Schatten ausmachen.

Zwar wollte Hesse nach Ansicht der Kunsthistoriker als Aquarellmaler nur das Schöne sehen: die weite Seenlandschaft des Tessin, die Hügel und Täler sowie idyllische Kompositionen aus scheinbar Alltäglichem: einen Telefonmast, eine staubige Straße, eine verwitterte Steinmauer. Doch weder der Dichter Hesse noch die Protagonisten in seinen Romanen konnten diesen Zustand des unbeschwerten, harmonischen Daseins jemals erreichen.

Hesse, der mehrere Suizidversuche unternahm, sei zeitlebens zerrissen gewesen zwischen seiner bürgerlichen Existenz und der vollkommenen künstlerischen Selbstverwirklichung, sagt Mattias Frehner.

Hesse im Museumskeller

Es ist das Verdienst der in Zusammenarbeit mit Germanisten und Literaturwissenschaftler gestalteten Ausstellung im Kunsthaus Bern, dass sie diese bisher kaum aufgezeigten Zusammenhänge präsentiert und so ein völlig neues Bild des Ausnahmekünstlers Hermann Hesse vermittelt. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Vorträgen, Lesungen und Liederabenden ergänzt die solide gestaltete Schau.

Mehr als unglücklich ist allerdings die Präsentation von Hesses Werken im Keller des Berner Kunstmuseums: Die bunten Aquarelle aus der Tessiner Schaffensphase wollen in den unwirtlichen, grottenhaften Räumen nicht so recht zur Geltung kommen und die düsteren Traumzeichnungen drohen in dem tristen Ambiente überhaupt unterzugehen.

Nach ihrem Abbau in Bern Mitte August ist die Hermann-Hesse-Retrospektive dann von 31. August bis 21. Oktober im Museo Cantonale d'Arte in Lugano und schließlich vom 3. November 2012 bis 20. Januar 2013 im Museum Kulturspreicher Würzburg zu sehen - hoffentlich in einladenderen Räumlichkeiten.

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