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Magritte-Gemälde wird versteigert: Wer bietet mehr fürs Reich der Lichter?

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Von: Ingeborg Ruthe

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„L’empire des lumières“, 1954.
„L’empire des lumières“, 1954. © Sotheby’s London

Magrittes „L’empire des lumières“ steht bald auf einem erhitzten Kunstmarkt zur Versteigerung.

Ein Coup ist angekündigt: Das Auktionshaus Sotheby’s London wird am 2. März ein Meisterwerk des Surrealismus versteigern: René Magrittes „L’empire des lumières“ (Das Reich der Lichter). Schätzwert 60 Millionen Dollar. Ein Auktionsrekord ist zu erwarten auf dem überhitzten Kunstmarkt. Der belgische Surrealist (1898–1967) hatte in den Jahren 1949 bis 1964 eine ganze Serie zum Thema Tag und Nacht gemalt. Dieses Motiv schenkte er der befreundeten Sammlerfamilie Gillion Crowet. Deren Erben machen es jetzt zu Geld.

Ein Haus mit einigen erhellten Fenstern liegt im fast gespenstischen Dunkel. Direkt davor steht eine Straßenlaterne, deren Licht – und seltsamerweise auch gleich zweimal ihr eigener Schatten – auf die Hauswand mit grünen Fensterläden fällt. Hinter dem Haus schießt sich ein dunkles Waldstück an. Auf der Seite, vor dem Gebäude, steht ein großer Baum, der im Zwielicht schwarz hinaufragt. Irritierend, dass der Surrealist der oberen Bildhälfte den Magritte-typischen blauen Himmel mit Wölkchen gegeben hat. Der Widerspruch verleiht der an sich banalen Szene eine alptraumhaft-beklemmende Seite: Fenster zum Platz – das lässt an „Fenster zum Hof“ denken. Magritte malte das Motiv 1954. Damals kam auch Hitchcocks Film ins Kino.

Man kann nur mutmaßen, welche Parallele es da gab. Eine verwirrende Überwirklichkeit ist dargestellt, das fast fotografisch Genaue suggeriert Unheimliches. Zeit seines Schaffens war Magritte darauf bedacht, dem Alltäglichen und Vertrauten etwas Unerwartetes zu geben. Aber er machte auch kein Hehl daraus, dass er meisterlich zu täuschen verstand, diese winzige Spur Ironie im Spiel mit dem Metaphysischen ist das eigentlich Delikate. Wie viele Millionen wird es dem neuen Besitzer, der neuen Besitzerin wert sein?

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