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Installation von Christoph Schlingensief im deutschen Pavillon.
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Installation von Christoph Schlingensief im deutschen Pavillon.

Biennale in Venedig

Der Löwe für den Löwen

Erstaunlich ist es doch: Der Christoph Schlingensief gewidmete Pavillon bei der Biennale in Venedig wird ausgezeichnet. Gezeigt werden dort Projekte des verstorbenen Regisseurs.

Von Tobi Müller

Cornelia Pieper, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, sprach vom „Ausnahmekünstler, dessen Verlust wir schmerzhaft spüren und dessen Werk noch lange prägend sein wird“. Und auch die Begründung der Jury spricht kurz und klar. Der Goldene Löwe für den besten Länderpavillon bei der Kunstbiennale in Venedig gehe deshalb an Deutschland, heißt es dort, weil das intensive Werk von Christoph Schlingensief eine starke persönliche Vision aufweise. Man könnte das für austauschbare Kuratorenprosa halten, wenn man nicht wüsste, dass das alles stimmt – gerade für den Kirchenraum, den die Kuratorin Susanne Gaensheimer in die Mitte des Pavillons stellen ließ (FR vom 3. Juni).

Am Samstagmittag nahmen Schlingensiefs Witwe und Kostümbildnerin Aino Laberenz und die Kuratorin (und Frankfurter Chefin des Museums für Moderne Kunst) Gaensheimer die Trophäe entgegen. Laberenz zeigte auf den Löwen und sagte: „Das ist Christoph“, während die Kuratorin sich freute, dass das internationale Publikum das Werk Christoph Schlingensiefs schätze. Darum ging es Gaensheimer vor allem: Das Werk des im August 2010 verstorbenen Schlingensief aus dem Theaterbetrieb herauszuoperieren und zu schauen, wie es posthum im Schoße der Bildenden Kunst gedeihe. Die Jury lobte ausdrücklich die kuratorische Leistung von Susanne Gaensheimer. Eine Seltenheit.

Gaensheimer folgt Kittelmann

Die zentrale Installation des Pavillons stammt zwar aus einer Theaterinszenierug, „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“. Aber man sieht in Venedig viel mehr als eine Bühnen-Reliquie. Gaensheimer hat die Balance zwischen Theater und Kunstinszenierung elegant und doch zwingend hinbekommen, mit Hilfe der Witwe Laberenz und des Dramaturgen Carl Hegemann. Und doch ist dieser Preis erstaunlich, zehn Jahre nach der Auszeichnung 2001, als Kurator Udo Kittelmann (Gaensheimers Vorgänger im MMK Frankfurt) mit Gregor Schneider den Kunstlöwen zum letzten Mal nach Deutschland holte.

Internationale Reaktionen gab es am Sonntag noch wenige. Man konnte sich aber letzte Woche schon wundern, wie etwa die Neue Zürcher Zeitung die Bewertung „interessiert dem deutschen Feuilleton“ überließ, während Le Monde es selbst versuchte und prompt scheiterte: Christoph Schlingensief schreie seinen Hass auf die Kirche in die Welt hinaus – kompletter kann man nicht irren.

Gleich nach Schlingensiefs Nominierung für den Pavillon wurde Kritik laut. Und auch jetzt hörte man unter Deutschsprachigen nichts so oft wie das Bedenken, dass man Schlingensief außerhalb Deutschlands kaum verstehe. Es scheint nun fast, dass diese Zweifel noch deutscher sind als Schlingensief selbst. Die Jury jedenfalls stammt aus Ägypten, Frankreich, China und den USA.

Ebenfalls am Wochenende vergeben wurde auch der Goldene Löwe für den besten Künstler: Christian Marclay (USA) wurde für sein Werk „The Clock“ geehrt. Den Silbernen Löwen als bester Nachwuchskünstler erhielt Haroon Mirza aus Großbritannien.

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