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"Francesca's Mutter", aus Valerio Spadas in Neapels Stadtteil Scampia entstandener Foto-Serie.

Foto-Schau Frankfurt

Lichtspuren auf Hörnern

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Auerochsen, Kunstpflanzen, Menschen in einer Fotoausstellung im Art Foyer Frankfurt: Ulrich Gebert und Andrej Krementschouk, zwei der Ausgestellten, erhielten Projektstipendien.

Aus ihrer reichhaltigen Sammlung fotografischer Kunst zeigt die DZ Bank in der Regel eine Auswahl unter Thementiteln wie „Mannsbilder“, „Blütezeit“, „Arbeitswelten“ oder „Reich mir die Hand“. Aber aus Anlass des 20-jährigen Sammlungsbestehens vergab man 2013 zwei Projektstipendien (ein Jahr lang je 1000 Euro/Monat) sowie eine Ausstellung im Frankfurter Art Foyer der Bank.

In dieser Schau gesellen sich nun zu den Preisträgern Ulrich Gebert und Andrej Krementschouk drei andere in die Endauswahl gekommene Künstler, so dass diesmal die Motive kaum unterschiedlicher sein könnten.

Bei Gebert ist es das Tier in spezieller Form des sehr fotogenen Auerochsen oder Heckenrinds. Bei Krementschouk der Mensch und jedenfalls nicht der wohlhabende. Aber auch das verfallene, über Jahre zu neuem Glanz renovierte Haus („Vier Jahreszeiten, 2006-2014“).

Von Robert Voit, einem der Finalisten, sind Schwarz-Weiß-Bilder aus der Serie „The Alphabet of New Plants“ zu sehen, penibelst aufgenommene Kunststoffpflanzen. Manchmal sieht man auf den zweiten oder dritten Blick, dass diese vor reinstem Weiß abgebildeten Formen nicht ganz echt sein können, manchmal rätselt man durchaus über ihren stofflichen Ursprung.

Immerhin Sonnenblumen

Ähnlich wie Krementschouk unter armen Russen, war Valerio Spada, ein weiterer der drei Finalisten, in Neapel unterwegs für seine Serie „Gomorrah Girl“. Auslöser war der Zufallstod einer 14-Jährigen bei einer Mafia-Schießerei im Stadtteil Scampia. In heruntergekommenen Straßen und Wohnblocks machte sich Spada auf die Suche nach ganz normalen Alltagsbildern. Auf „Francesca’s Mother“ hält eine verkniffen und müde wirkende junge Frau ein Kleinkind auf dem Schoß in der Enge einer Wohnung. Immerhin sieht man am Rand des Bildes einen Sonnenblumen-Strauß, auch wenn er wohl künstlich ist. Das Mädchen „Rosi“ lümmelt in einem Zimmereck, von der Wand blättert die Farbe. „La Vella Rossa, 11th Floor“ ist menschenleeres Betonelend.

Katzen knuddeln

Andrej Krementschouk, Gewinner des Stipendiums, verrät nicht, in welcher Stadt er seine Serie „Come Bury Me“ aufgenommen hat: Er dokumentiert darin mit auch den Betrachter einbeziehender Nähe eine Art WG von Alt und Jung, Arm und Arm, Single und Single. Eine Frau tanzt hingegeben vor einem ungemachten Bett, eine andere knuddelt zwei Katzen, ein Mann fasst einer dick angezogenen Frau im Spaß an die Brüste. Sichtbar ist da eine Wärme zwischen den Menschen.

„Bilder zur Archäologie eines Artefakts“ ist Ulrich Geberts Auerochsen-Projekt überschrieben, da die Tiere schon ausgestorben waren (seit 1627) und rückgezüchtet wurden. Mächtig stehen sie nun in Geberts Schwarz-Weiß-Bildern, Lichtspuren auf den elegant geschwungenen Hörnern, statuesk in einer menschenleeren Landschaft oder zwischen Büschen und Bäumen wie ein schwarzes Phantom.

Die einzige Frau in der Runde, Alexandra Baumgartner, bearbeitet, collagiert Bildmaterial aus den 30er bis 50er Jahren. Eine riesenhafte Hand schiebt sich über ein Frauengesicht – „shame“, Scham, heißt dieses Bild. Ein kleines Mädchen steht im Wald, ganz still und stumm, und hat zwei Erwachsenenfinger als Beinchen. Eine zarte Motte wird zwischen Fingern gehalten auf „control“ (Kontrolle). Gesichter sind ausgebrannt, in den braunen Feuerrand ist ein neues gesetzt. Es sind Bilder, die ein diffuses Unbehagen verursachen.

Art Foyer der DZ Bank, Frankfurt: bis 7. März. www.dzbank-kunstsammlung.de

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