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Das Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei.

Leipziger Jahreskunstschau

Kunstschau lädt AfD-nahen Maler aus

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Die Jahreskunstschau hat den AfD-nahen Maler Axel Krause ausgeladen. Souverän wirkt das nicht.

Jetzt hat auch die Kunstwelt ihren Uwe Tellkamp, hieß es vor Monaten im Kunstmagazin „Monopol“. Ein Leipziger Maler, Axel Krause, 60, postet in den sozialen Medien offen seine „patriotische“ Meinung, zur „illegalen Masseneinwanderung“ Geflüchteter und nennt die AfD „ein zu begrüßendes Korrektiv im maroden Politbetrieb.“

Der gebürtige Hallenser Krause, jahrzehntelang – bis 2018 – vertreten von der Leipziger Galerie Kleindienst, die vor allem Protagonisten der „Neuen Leipziger Schule“ betreut, hat bislang große Ausstellungen und Sammler in der ganzen Welt, bis hin zu einer New Yorker Sotheby’s-Auktion. Er ist also gut im Geschäft, wie es auch in dieser Branche heißt.

AfD-naher Künstler fühlt sich ausgegrenzt

Jetzt aber fühlt er sich „ausgegrenzt“ und verschmäht. Denn wegen seiner politischen Ansichten ist die seit langem vorbereitete und für Leipzigs Gegenwartskunstszene sehr wichtige Jahreskunstausstellung, es wäre die inzwischen 26. gewesen, mit Furor geplatzt. Der Vorstand der erwarteten Schau im angesagten, oft mit dem New Yorker SoHo der 1970er Jahre verglichenen Künstlerareal der ehemaligen Leipziger Baumwollspinnerei, hatte Krause eingeladen samt seiner in verschiedenen historischen Zeitebenen und Stilepochen spielenden romantisch-surrealen Gemälde, darauf Zeppeline in Krankenhausbetten, seltsame Flugobjekte, U-Boote und bizarre Maschinen und Gerätschaften neben Gestalten aus fernen Zeiten.

Maler mit völkischen Äußerungen

Jedoch sind Künstler-Kollegen, insgesamt 36, ethisch-moralisch entrüstet von Krauses für sie provozierend „völkische“ Äußerungen. Ihr Protest ist heftig, etliche zogen ihre Ausstellungsteilnahme zurück. Der Vorstand der Jahresschau gab vor wenigen Tagen nach, lud Axel Krause wieder aus. Und trat wegen des Gesichtsverlustes gleich geschlossen zurück.

Was ist passiert in der Kunstszene der „Heldenstadt“, der Polis der bürgerlichen Emanzipation, der Freiheit und des unbedingten Demokratiewillens von 1989? Warum reagiert und agieren Veranstalter und Künstlerschaft derart demokratisch un-souverän auf diesen AfD-Anhänger im liberalen Kunstbetrieb?

Keine Einschränkung der Kunstfreiheit

Krause wird ja nicht wegen seiner Malerei abgelehnt, was also mitnichten eine Einschränkung der Kunstfreiheit bedeutet, sondern wegen seiner AfD-nahen Meinung. Galerist Kleindienst hat sich schon vor Monaten von Krause getrennt, gleich nach dessen Facebook-Auftritt. Man befürchtete Image-Verlust, in der Öffentlichkeit, auf internationalen Messen und bei Sammlern. Daraufhin hatte Krause sich in der Zeitschrift „Anbruch – erstes patriotisches Magazin“ über seine „Ausgrenzung“ und die zunehmende Unfreiheit der Künstler wegen „politischer correctness“ beklagt und, leider, eine Menge tatsächlich absurder Beispiele anführen können, etwa die durch verbissene Feministinnen erzwungene Tilgung des Gomringer-Gedichtes an der Fassade der Berliner Alice-Salomon-Hochschule.

Namhafte Rechtspopulisten reiben sich die Hände

In der eher linksliberal gesinnten Kunstszene der Messe-Stadt stieß Krauses Kritik seiner „Ausgrenzung“ auf heftigen Widerspruch. Alles kochte hoch, die vielen Künstler in ihren Spinnerei-Ateliers, die Galerien auf dem Areal wollen „keine Rehabilitation“ des populistischen Malers, von dem sie sich provoziert fühlen. Dann lieber die geopferte Jahresschau. Namhafte Rechtspopulisten dürften sich nun die Hände reiben ob dieses Akts, den sie einer von ihr als links verschrieenen Künstlerschaft garantiert als Schwäche auslegen. Und der Künstler Krause ist ihr missverstandener, „ausgegrenzter“ Märtyrer, ihr gerechter Maulheld.

„Kunst ist Kunst. Alles Andere ist alles Andere“. Der Satz stammt von dem amerikanischen Künstler Ad Reinhardt, Maler schwarzer Bilder und seinerzeit entnervt und angewidert von den ideologischen Kämpfen der Nachkriegsavantgarden – Abstraktion gegen Figuration. Solche ideologischen Fronten schienen im heutigen globalen und zumindest in der westlichen Hemisphäre liberalen Kunstbetrieb begradigt. Hätte sonst eine „Neue Leipziger Schule“ mit ihren figurativen, surrealen, neoromantischen, magischen Bildsprachen seit der Jahrtausendwende einen weltweit derart akzeptierten erfolgreichen Kurs nehmen können? Inzwischen sind die Protagonisten des Hypes um den legendären Malerprofessor Arno Rink und seinen Star-Meisterschüler Neo Rauch an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst längst auf eigenen Wegen unterwegs, ohne das besagte Label. Weltweit erfolgreich sind sie alle. Wie Axel Krause auch, der sich internationaler Erfolge erfreuen kann - aber dennoch nationalistische Sprüche klopft.

Eine unabhängige Künstler-Initiative fordert nun, die Jahresschau doch noch zu machen. Nun gerade! Womöglich mit Krause. In korrekter Distanz, mit demokratischer Streitkultur, die andere Meinungen aushält. Auch jene, die Rosa Luxemburg als Freiheit bezeichnete, die auch immer die „Freiheit der Anderen“ sei. In Leipzig braucht es nur mehr Zivilcourage, um gut zu streiten.

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