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Ausstellung "Herrlich weiblich!"

Die Lebensfrohen und die Toten

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Spiel mit Klischees und Tabus: Die Ausstellung "Herrlich weiblich!" in Frankfurt zeigt, was in der Bildenden Kunst geschehen ist, seit Frau aus der Kategorie Natur heraus- und als Agens in die Kultur eingetreten ist.

Der Mann steckte die Frau schon immer gern in Schubladen, auf den zwei bekanntesten, in Literatur wie bildender Kunst gern genützten, steht "Heilige" und "Hure". Und während er sich selbst der "Kultur" - also dem Geistigen, Leidenschaftslosen - zuschlug, war die Frau "Natur". Selbstverständlich stand der Geist über der Natur. Es ist noch nicht lange her, dass Künstlerinnen dieses männliche Weltordnungs- und Abbildungs-Monopol gebrochen haben, dass sie ihre Frauen-Bilder gegen das Klischee setzten. Mit Selbstbewusstsein und oft auch mit wunderbarer Ironie.

Ein junges Medium wie die Fotografie aber bietet reichlich Möglichkeiten zu thematisieren, wie Frauen Frauen abbilden. In der Fotografie-Sammlung der DZ Bank, die von einer Frau, Luminita Sabau, betreut wird, finden sich Beispiele zuhauf - von denen eine imponierende Zahl Platz gefunden hat in der Schau "Herrlich weiblich!" im Frankfurter "Art Foyer" der Bank. Die Arbeiten sind überwiegend von Künstlerinnen, aber Männer - Jochen Gerz, Ken Lum, Richard Prince - sind nicht komplett ausgeschlossen.

Spiel mit Klischee und Tabu

Die Amerikanerin Laura Aguilar spielt vielleicht am offensivsten mit Klischees und Tabus, indem sie sich nackt in eine Landschaft legt, zu großen runden Steinen etwa. Ihre Wölbungen und Rundungen (sie ist dick) fügen sich so harmonisch, organisch ein, dass man den ausladenden Körper als zugehörig und auch schön empfindet. Groß in Umfang, aber auch in Lebensfreude ist eine von Graciela Iturbide aus der Untersicht fotografierte Mexikanerin: Sie lacht, strahlt pralle Lebenskraft aus. Eine andere von Iturbides starken Frauen trägt ein Bukett aus Echsen auf dem Kopf, die beunruhigend lebendig aussehen und es ja vielleicht sogar sind.

Ironisch mit Frauenstärke und Männerangst spielen Bernhard Prinz und Floria Sigismondi. Prinz fotografierte in der Manier eines mittelalterlichen Gemäldes "Zwei Eier im Glas": An einem Tisch sitzen zwei strenge, barbusige Schöne, vor ihnen die titelgebenden und noch unbeschädigten (Hühner-)Eier im Glas. Sigismondi lässt eine feixende Alte mit Schwesternhaube schreckliche Instrumente präsentieren, während links hinten ein junger Mann im Krankenhaushemd sich hinter einem Bett zu verstecken versucht. Die junge Frau im Bild daneben gliche einer Madonna, hielte sie nicht Messer und Skalpelle.

Blitzlichter auf ein Leben

Die Gewalt, von der man täglich in der Zeitung liest, thematisiert die Australierin Tracey Moffatt in ihrer neunteiligen Arbeit "Something more". Es sind Blitzlichter auf ein Leben, Fragmente einer Geschichte: In der ersten Fotografie steht träumend eine dunkelhaarige junge Frau, hinter ihr lehnt eine Blonde mit Fluppe im Mund in der Tür einer Holzhütte. Durch die offene Tür sieht man einen Mann, seine Muskeln glänzen im Licht wie eine Drohung. Auf Bild neun liegt die junge Frau tot im Staub, ihr Kleid ist hochgeschoben. Man sieht das Eck ihres Koffers, mit dem sie vermutlich in ein besseres Leben wollte.

Die Bilderfolge hat in Arrangement und Kolorierung die Anmutung einer Graphic Novel. Die Polin Zofia Kulik nahm sich dagegen Königinnen-Porträts zum Vorbild für "The Splendor of Myself": Ihr prächtiges Gewand besteht, von nah besehen, aus vielen nackten Männchen, einer etwas obszön aussehenden Gurke auch.

Auf Edward Hoppers "Office at Night" bezieht sich dagegen Victor Burgin: Bei Hopper sitzt ein Mann am Schreibtisch, seine Sekretärin steht am Aktenschrank. Burgin stellt eine Frau im Kostüm allein an eine Säule oder ein Stück weiße Wand, fast könnte man meinen, sie wolle direkt auf diese Wand schreiben. Das Bild ist so nüchtern wie rätselhaft. Die Frau darauf scheint autonom - aber was macht sie nun damit?

Art Foyer DZ Bank, Frankfurt: bis 31. Oktober. www.dzbank.de

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